Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen

Individualpädagogische Lebensgemeinschaft mit familienorientierter Ausrichtung Langweiler

Zielgruppe
Das Angebot richtet sich an 2 Kinder und Jugendliche/junge Erwachsene, ab 14 Jahren, die prägende Erfahrungen von elterli-cher Gewalt und Sucht, Vernachlässigung und Traumatisierung machen mussten. Außerdem richtet sich das Angebot an Jugendliche/junge Erwachsene, die durch negatives Sozialverhal-ten Anpassungsprobleme in Elternhaus, Schule und im privaten sozialen Umfeld oder in früheren stationären Einrichtungen hatten.
Aufnahmekapazität: Zwei Jugendliche/junge Erwachsene
Gesetzliche Grundlage: § 27 i. V. mit 34, 35, 35a und 41 SGB VIII.

Das Verbleiben des einzelnen Jugendlichen in der individual- pädagogischen Betreuung ist grundsätzlich, auch langfristig bis zum frühen Erwachsenenalter möglich. Im Anschluss an die stationäre Betreuung wird dem Jugendlichen/jungen Erwachsenen eine schrittweise und zielgerichtete Verselbständigung in Form einer engen Betreuung in einer geeigneten Wohnung angeboten. Dabei sollen die Jugendlichen/jungen Erwachsenen auf die in der Betreuungsstelle vertrauten Personen und Strukturen zurückgreifen können. Hierdurch soll ihnen behutsam der Weg in ein eigenständiges Leben bereitet werden.

Ausschlusskriterien
Nicht aufgenommen werden Jugendliche und junge Erwachsene mit deutlich bekannter Alkohol- und/oder Drogenabhängigkeit, sowie deutlich erhöhter Aggressions- und Gewaltbereitschaft. Dazu zählen auch rechtsradikale Verhaltensweisen, Brandstifter, Amokläufer und Tierquäler.

Standort
Die individualpädagogische Lebensgemeinschaft mit familienorientierter Ausrichtung befindet sich in Alleinlage des Ortes Langweiler/Kreis Krusel, in der Nähe der Edelsteinstadt Ida-Oberstein, mitten in der Natur.
Die 290 qm große Doppelhaushälfte wird von der pädagogischen Fachkraft mit ihrem Ehemann, dem jüngsten Sohn (27 J.) und derzeit 1 jungen Erwachsenen (Unterbringung nach § 35a KJHG) sowie einem Jugendlichen (15 J.) bewohnt. Dazu kommen 4 Hunde, wobei ein Hund dem jungen Erwachsenen gehört.
Im großen Garten befindet sich ein Grillplatz und ein Gemüsegarten. Direkt hinter dem Haus beginnt der Wald. In der anderen Doppelhaushälfte wohnt ein älteres Ehepaar, welches bei Bedarf gern als Oma und Opa zur Verfügung steht. Jeder Jugendliche bewohnt ein eigenes Zimmer. Für die beiden Jugendlichen steht ein eigenes Duschbad zur Verfügung. Die Terrasse und der Garten werden gemeinsam genutzt.
Das Doppelhaus befindet sich ca. 1km vom Ortskern in Alleinlage. Die Entfernung zum nächsten Nachbarn beträgt ca. 400m. Der nächst größere Ort Lauterecken mit Discounter, Ärzten und Schulzentrum befindet sich in 6 km Entfernung. Hier gibt es auch vielfältige Freizeitangebote wie Jugendclub, Freibad, Hallenbad und Sportvereine.
Für den Bereich Schule und Ausbildung stehen folgende Einrichtung-en in Lauterecken bzw. Ida-Oberstein zur Verfügung: Grundschule/Hauptschule Realschule, Gymnasium FOS, Berufsvorbereitende Schule/Berufsschule. Eine Waldorfschule befindet sich in 30 km Entfernung. Sollte kein Schulbusverkehr zur Verfügung stehen, wird ein Fahrdienst durch die Betreuungsstelle gewährleistet.
Zum Haus gehört ein großer Garten, der sich in Freizeit- und Nutzgarten teilt. Im Nutzgarten werden gemeinsam mit den Jugendlichen Gemüse und Kräuter für die Eigenversorgung angebaut. Im Freizeitteil des Gartens sind Blumen zu versorgen und Rasen zu mähen. All dies wird in familiärer Gemeinsamkeit erledigt (je nach Alter und körperlichen Möglichkeiten). Außerdem wird der Freizeitgarten zur Ruhe und Entspannung und für gemütliche Grillabenden genutzt. Bei Bedarf ist das Aufstellen von weiteren Sportgeräten (Basketballkorb, Tischtennisplatte u.ä.) möglich. Der angrenzenden Wald kann für BMX-Fahrten genutzt werden. Im Erdgeschoss findet man ein großes Zimmer für den Sohn der Familie, 1 Dusche mit WC, ein Wasch- und Trockenraum, sowie ein Abstellraum. Im 1.OG findet man das große Wohnzimmer mit Kamin für gemeinsame Abende, die Wohnküche, 1 Vorratsraum, ein Gäste-WC und ein Jugendzimmer. Im 2. OG befinden sich 2 Schlafzimmer/Jugendzimmer, 1 Wintergarten mit Wohn- und Schlafplatz für das Betreuer-Ehepaar, sowie ein Wannen- und Duschbad und die Terrasse.

Betreuungssetting
Die individualpädagogische Lebensgemeinschaft mit familien- orientierter Ausrichtung wird geleitet von einer staatl. anerkannten Erzieherin mit langjähriger Erfahrung in individualpädagogischer Betreuung. Durch die großzügige räumliche Aufteilung wird jedem Bewohner des Hauses die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung gegeben, gleichzeitig ermöglicht die unmittelbare Nähe aber auch eine feste Bindung und effektive Anteilnahme am gemeinsamen Leben. Distanz und Nähe sind möglich. Durch die permanente Verfügbarkeit der Betreuer wird den Jugendlichen ein stabiles, vertrautes und zugleich durch die Anwesenheit der Hunde liebevolles Umfeld geboten. Die Jugendlichen gehen gern mit den Hunden spazieren, die für die Jugendlichen beruhigend und pädagogisch wertvoll sind. Sie lernen ein Lebewesen zu lieben, sich darum zu kümmern und erfahren Zuneigung.
Die leitende Betreuerin hat vor ihrem Examen als staatl. anerkannte Erzieherin weitere Ausbildungen absolviert (Familienpflegerin, EDV Kauffrau, Fernmeldemechanikerin) und war für mehr als 20 Jahre als Pflegefamilie, Hausmutter einer Kleinsteinrichtung, sowie im Gruppendienst im stationären Einrichtungen für Kleinkinder/Kinder- und Jugendliche tätig. Sie ist auf Grund ihrer Persönlichkeit und Lebenserfahrung, sowie als Mutter von 4 erwachsenen Kindern in der Lage, schnell einen guten Kontakt gerade auch zu schwierigen, in der Vergangenheit oft nicht gewollten oder abgewiesenen Jugendlichen herzustellen.
Sie kann Jugendliche gut motivieren und begeistern, aber ihnen auch zuhören. Gleichzeitig kann sie ihnen notwendige Grenzen setzen und mit ihnen gemeinsam Ziele erarbeiten. Beziehungsarbeit und Struktur laufen parallel. Mit ihrer klaren Haltung und Wertvorstellungen bietet sie sich als konstruktives Identifikationsobjekt für die sich entwickelnden Jugendlichen an.
Regelmäßig werden mit allen Bewohnern des Hauses gemeinsame Freizeitangebote genutzt (Bowling, Grill- oder Spieleabende, gemeinsame Arbeit für den Tierschutz in Targu Jiu/Rumänien und gemeinsamer Urlaub).

Betreuung/Methoden
Die Lebensgemeinschaft ist gekennzeichnet durch die fachliche, aber auch akzeptierende und wertschätzende Haltung gegenüber den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In angstfreier Atmosphäre erfahren diese ein stabiles Beziehungsangebot, sowie einen klar strukturierten Alltag. Hierzu gehört die Teilnahme an alltäglichen Ritualen wie gemeinsames Essen und das Feiern von Familienfesten, besuche von Freunden und Familienangehörigen, aber auch Mithilfe im Haushalt, wie z.b. beim Kochen oder Putzen. Die Verantwortung für und die Gestaltung des eigenen Zimmers werden gemeinsam erarbeitet. So bieten die Betreuer die Chance, tragfähige und fördernde Beziehungen kennenzulernen und aufzubauen, welche viele Kinder und Jugendliche bisher entbehrten.
Die Kinder und Jugendlichen werden angeregt, sich in Sportvereinen oder beim Dorfleben zu engagieren.

Betreuungsziele
Fernziel der Arbeit ist die Hinführung der Kinder und Jugendlichen zu einem autonomen und eigenverantwortlichen Leben.
Die pädagogischen- und therapeutischen Ziele werden nach Absprache und enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Jugendämtern bearbeitet.
Vorrangig sind es aus der Erfahrung:

  • Aufbau einer vertrauensvollen, tragfähigen Beziehung zu den Erziehenden
  • Festigung und Förderung eines positiven, realistischen Selbstwertgefühls und Wertesystems
  • Entwicklung eines Verständnisses für den Sinn von Regeln und Strukturen und deren Einübung.
  • Motivation und Neugier für neue Erfahrungen wecken Vertrauen in eigene Stärken und Fähigkeiten aufbauen, Sozialkompetenz stärken
  • Förderung von Konzentration, adäquater Wahrnehmung und Ausdauer
  • Frustrationstoleranz steigern
  • Lernen, konstruktiv mit Konflikten und Herausforderungen umzugehen
  • Förderung von Eigenverantwortung und Selbständigkeit, auch im Umgang mit Medien
  • Wenn möglich, die Eltern in die Arbeit einbeziehen
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie
  • Erforderlichenfalls behutsame Aufarbeitung von Traumata und Entwicklung von Bewältigungsstrategien in Zusammenarbeit mit Therapeuten
  • Regelmäßiger Schulbesuch mit dem langfristigen Ziel eines erfolgreichen Abschlusses
  • Vorbereitung auf die Verselbständigung
  • Die Betreuer werden bei einer möglichen Auszeit vom Träger unterstützt

Elternarbeit
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist, wenn möglich, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem, der untergebrachten Kinder und Jugendlichen, zu erreichen. Soweit möglich oder sinnvoll werden die Eltern in die Arbeit der Betreuungsstelle miteinbezogen. Dies wird im Rahmen der Hilfeplangespräche festgelegt. Die Betreuer gehen davon aus, dass es für die Identitätsentwicklung des jungen Menschen wichtig ist, sich mit seinem Herkunftssystem auseinander zu setzen. Zur Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Vergangenheit gehört die direkte Arbeit mit den Eltern durch Informationsaustausch, die Biografie-Arbeit mit dem Kind/Jugendlichen und der je nach individueller Situation angemessene Kontakt zu seinem Herkunftssystem. Die Erfahrung zeigt, daß die Kinder- und Jugendlichen die Erlaubnis der Herkunftsfamilie benötigen, um sich in der Betreuungsstelle wohl fühlen zu können. Einem Loyalitätskonflikt der jungen Menschen soll so entgegengewirkt werden. Es werden aber auch Ablöseprozesse der Kinder und Jugendlichen unterstützt, wenn der Kontakt zu der Herkunftsfamilie nicht möglich oder von dieser nicht gewünscht ist.
Besuchskontakte können bei Bedarf, einmal monatlich und in einem Umkreis von 75 km begleitet werden. Für möglicherweise angestrebte häufigere Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie, bemühen die Betreuer sich, in Zusammenarbeit mit Koordination und Jugendamt eine individuelle Lösung zu finden.

Partizipation und Beschwerdemanagment
Entwicklungsadäquat werden die Kinder/ Jugendlichen mit in die Alltagsgestaltung, Wochenplanung und Freizeitgestaltung einbezogen. Die jungen Menschen können nach Absprache Spielkameraden in die Betrueungsstelle einladen. Das pädagogische Handeln wird mit den Kindern/ Jugendlichen altersadäquat wöchentlich reflektiert. Sie werden nach ihren Wünschen und Interessen bzgl. der Hilfeplanung befragt, welche im Entwicklungsbericht dokumentiert und im Hilfeplangespräch thematisiert werden. Zu Beginn jeder Maßnahme werden die Kinder/ Jugendlichen über die Rolle, der im Hilfeprozeß beteiligten Erwachsenen, informiert. Die Kinder haben jederzeit die Möglichkeit die Koordinatorin bzw. dem Koordinator telefonisch zu kontaktieren und erhalten schriftliche Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten der Beschwerde.
Es wird zwischen dem Koordinator bzw. der Koordinatorin und den Kindern ein Vertrauensverhältnis erarbeitet und ihnen, in regelmäßig stattfindenen Einzelgesprächen, die Möglichkeit gegeben, ggf. ihre Probleme in der Betreuungsstelle zu thematisieren. Die Koordination wird bei Bedarf, Gespräche mit allen Beteiligten einfordern und dokumentieren und das belegende Jugendamt informieren.

Qualitätssicherung/ Begleitung durch den Träger
Die Betreuungsstelle wird im 14-tägigen Rhythmus von der Fachberatung sowie von der Koordinatorin bzw. dem Koordinator des Trägers besucht.
Die Koordinatorin/ der Koordinator gibt den Kindern und Jugendlichen Raum und Zeit Nöte, Ängste oder Sorgen mitzuteilen. Den Betreuern steht die Koordination beratend zur Seite. In Krisensituationen ist die Koordination jederzeit verfügbar, um vermittelnd tätig zu sein. Zur Qualitätssicherung werden monatlich, alle Ereignisse schriftlich in Form einer Memo festgehalten und an die Koordination weitergeleitet. Als Vorbereitung auf das möglichst halbjährlich stattfindene Hilfeplangesprächs wird von den Betreuern ein Entwicklungsbericht der Kinder und Jugendlichen verfasst und dem belegendem Jugendamt vorgelegt.
Die Betreuer nehmen regelmäßig an Fortbildungen, abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen der jeweilig aufgenommenen jungen Menschen und an Supervisionen teil, um die Qualität der Arbeit stetig verbessern zu können.

Stand Juni 2018