Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen

Individualpädagogische Betreuungsstelle Moritzstrasse

Zielgruppe und Platzanzahl
Die individualpädagogische Betreuungsstelle Moritzstraße bietet Platz für bis zu 5 männliche zu Betreuende im Alter ab 16 Jahren, ohne innewohnende Fachkraft.Eine hohe Anzahl an gescheiterten HzE Maßnahmen, diverse Beziehungsabbrüche undeine lange Jugendhilfevita prägen die Lebensläufe dieser Zielgruppe. Die Unterbringung kann bis ins frühe Erwachsenenalter und bis zur Erreichung der größtmöglichen Selbstständigkeit erfolgen.
Aufgrund der langjährigen Erfahrung damit, gilt dieses Angebot auch für „Jugendliche mit Migrationshintergrund“, sowie „Unbegleitete minderjährige Ausländer“:

Ausschlusskriterien

  • Drogensucht
  • Tierhaarallergien

Standort
Im Herzen von Wuppertal Elberfeld im Stadtteil Arrenberg befindet sich die individualpädagogische Betreuungsstelle Moritzstrasse, ca. 5 min von der Innenstadt entfernt. Alle sozialen und kulturell relevanten Einrichtungen (Schulen/ Jugendhäuser/ Stadtbibliothek/ Sportvereine etc.) sind für die Jugendlichen bequem fußläufig oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Betreuungsstellenbeschreibung
Im Erdgeschoß des um 1917 gebauten Hauses befindet sich eine Wohnung mit 3 Zimmern, Badezimmer, Küche, die Platz bietet für 3 Jugendliche. In der ersten Etage befindet sich eine zweite Wohnung, mit 2 Zimmern für die Jugendlichen, ein großes Wohnzimmer, eine große Küche mit Ausgang zu einem Balkon, sowie ein Mitarbeiterzimmer/Büro.

Betreuer
Ausgebildetes pädagogisches und persönlich geeignetes Personal kümmert sich um die Belange, Wünsche, Rechte und Pflichten der Jugendlichen, beziehungsweise jungen Erwachsenen.

Zusammenarbeit der Stellen Moritzstrasse und Simonstrasse
Das Jugendhilfeprojekt JHP-Arrenberg umfasst 2 Betreuungsstellen, die sich in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander befinden. In der Simonstrasse besteht konzeptuell eine pädagogische Ausrichtung auf jüngere Kinder und Jugendliche, die einen Betreuungsrahmen benötigen, der es ihnen ermöglicht, Grundlagen im Alltag zu erlernen und umzusetzten.
In der Moritzstrasse besteht eine pädagogische Ausrichtung auf ältere Jugendliche, die einen anderen Betreuungsbedarf benötigen. Sie haben sich einen erweiterten Ressourcenstatus angeeignet, als jüngere Kinder. Der Koordinator des Trägers übernimmt die koordinativen Aufgaben und übt die Dienst- und Fachaufsicht aus.
Die Mitarbeiter beider Betreuungsstellen verstehen sich, neben ihrer Tätigkeit in dem jeweiligen Haus, auch als ein Gesamtteam. So werden bpsw. gemeinsame, regelmäßige Teamgespräche durchgeführt. Kinder und Jugendliche die einige Jahre in der Simonsstrasse gelebt haben, können z.B. bei erfolgter entsprechender Reifung eventuell in die Moritzstrasse wechseln. Die Jugendlichen der beiden Betreuungsstellen kennen sich und gestalten teilweise gemeinsam ihre Freizeit, oder sie nehmen an gemeinsamen geplanten Gruppenaktivitäten mit den Betreuern teil. Es besteht zudem eine Rufbereitschaft der Mitarbeiter beider Häuser untereinander. So besteht ein Synergieeffekt, der zu einem guten Gelingen beiträgt. Siehe auch den Punkt „Qualitätssicherung“.

Leitbild
Die Betreuungsstelle betrachtet die begleiteten Jugendlichen im Sinne eines humanistischen Weltbildes als eigenständige Persönlichkeiten, die in ihrer bisherigen Biografie besondere Belastungen und Krisen erfahren haben. Die pädagogische Grundhaltung setzt sich aus Wertschätzung, Akzeptanz, Empathie und Kongruenz zusammen. Mit dieser Grundhaltung verwoben sind transparente Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeiten sowie Beteiligungsrechte der zu Betreuenden. Die Mitarbeiter sind angehalten, auf der Grundlage von Offenheit und Transparenz der
pädagogischen Arbeit eine fortlaufende Verbesserung und Qualität zu entwickeln.

Pädagogischer Ansatz und Ziele
Die Arbeit ist lösungsorientiert geprägt und berücksichtigt bereits gebildete Ressourcen des Jugendlichen. Die pädagogische Zielsetzung besteht darin, jungen Menschen aus schwierigen Lebensumständen zu einer selbstbestimmten Lebensbewältigung zu verhelfen. Neben der notwendigen schulischen und beruflichen Bildung wird die Entwicklung von sozialen Kompetenzen und ggf. die therapeutische Aufarbeitung individueller Problemstellungen als unerlässlich angesehen. Eine enge Zusammenarbeit mit Eltern, Schule, Therapeuten und anderen Kooperationspartnern wird angestrebt.
Die Planung des Betreuungsrahmens und -prozesses richtet sich nach dem Ressourcenstatus des jungen Menschen und nach den Maßgaben des Hilfsplangespräche sowie dessen Fortschreibung.
Die Betreuungsstelle möchte den Jugendlichen befähigen, folgende Ressourcen ihr eigen zu nennen:

  • Stärkung des Selbstbewusstseins und Aufbau eines positiven, realistischen Selbstwertgefühls
  • Aufbau sozialer Kompetenzen
  • Erlernen von lebenspraktischen Fähigkeiten
  • Entwicklung von Moral und Bewusstsein für Werte
  • Umgang mit Konflikten, Frustration und Schwierigkeiten erlernen
  • Förderung der sprachlichen, kognitiven, motorischen, emotionalen und künstlerischen Fähigkeiten
  • Regelmäßige Schulbesuche, Ausbildung
  • Gezielte Freizeit- und Feriengestaltung
  • Verselbständigungen

Die jungen Menschen erhalten praktische und pädagogische Anleitung zur Einübung von Versorgung und Verselbständigung im Alltag. Im Blickpunkt der Förderung steht die Entwicklung sozialer Kompetenz und die berufliche Integration.
Die Betreuungsstelle beobachtet, begleitet und unterstützt die zu Betreuenden und motivieren sie zur aktiven Teilnahme an der Gestaltung hin zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit. Die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit differenzierten Gewohnheiten, Meinungen, Werten, Prägungen und Glaubensrichtungen bilden die Basis für eine Befähigung zu eigenständiger und verantwortlicher Lebensführung.

Unterschiedliche pädagogische Gestaltung Moritzstrasse-Simonstrasse
Grundsätzlich ist dies die Basis des pädagogischen Ansatzes, der für beide Betreuungsstellen Moritzstrasse und Simonsstrasse gleichermassen gilt, jedoch ist der konkrete pädagogische Alltag in der Moritzstrasse von einem Betreuungssetting welches auf etwas ältere Jugendlichen ausgerichtet ist, geprägt. Dieses individualpädagogische Setting richtet sich nach dem Entwicklungsstand des jeweiligen Jugendlichen.

Aufnahme von „Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ und „Unbegleiteter minderjähriger Ausländern“
Bei der Betreuung der Jugendlichen setzt die Betreuungsstelle eine enge Zusammenarbeit mit Jugendamt und Vormund voraus. Hier partizipieren wir von bereits bestehenden Netzwerken.
Dem Leitbild folgend streben wird bei den Jugendlichen eine Bewahrung ihrer kulturellen Identität angestebt. Ein besonderes Augenmerk gilt der sprachlichen Entwicklung und der möglichst schnellen schulischen Anbindung. Hier ist man bereits im engen Kontakt mit dem ansässigen Internationalen Bund, der sich ca. 100 m von der Einrichtung entfernt befindet und Sprachkurse anbietet.
Zusätzlich bieten wird wöchentlich nach Bedarf im Hause Nachhilfe angeboten. Des weiteren gilt es, gesundheitlichen Defiziten körperlicher sowie seelischer Art gerecht zu werden.
Eine Integration der Jugendlichen durch Schulbesuch, Unterbringungen in Sportvereinen, Besuche von Kontaktcafés, z.B. das Café Swanse in Wuppertal wird von schnellstmöglich angestrebt.
Nach Erfahrungen partizipieren die Jugendlichem im hohen Maße voneinander in den Bereichen kultureller Wertschätzung, Spracherwerb, Umgang mit verschiedensten Weltanschauungen, der Entwicklung sozialer Kompetenzen, etc..

Elternarbeit
Eine Zusammenarbeit mit der jeweiligen Herkunftsfamilie wird angestrebt, vorausgesetzt, dieses ist von allen Parteien gewünscht, und möglich. Die Betreuungsstelle bemüht sich bestehende Differenzen zwischen dem Jugendlichen und seinen Eltern abzubauen. Die Eltern werden über die Entwicklung ihres Kindes in regelmäßigen Abständen informiert. Hier wird versucht, Besuchskontakte wieder aufleben zu lassen oder bereits bestehende Besuchskontakte auszuweiten. Eine regelmäßige Absprache vor sowie nach dem Besuchskontakt findet statt.
Im Umgang des Jugendlichen mit seinen Eltern sowie der Eltern mit ihrem Kind werden gemeinsam Verhaltensregeln festgelegt, die beispielsweise in Konfliktsituationen von beiden Seiten angewendet werden können.
Eine Fortführung der pädagogischen Arbeit mit dem Jugendlichen versuchen die Betreuer den Eltern zu vermitteln. Bei einem Aufenthalt über einen längeren Zeitraum (z.B. Schulferien) wird regelmäßig um Rückmeldung des Jugendlichen, sowie deren Eltern gebeten.
Die Betreuungsstelle informieren die Eltern über die angedachten Erziehungspläne sowie über die nächsten Entwicklungsschritte, die als Ziele im Hilfeplan verankert werden könnten.
Über Partizipations- und Beschwerderecht des Kindes werden sie informiert.

Qualitätssicherung
Der Koordinator des Trägers übernimmt die koordinativen Aufgaben der Betreuungsstelle Moritzstrasse, wie z.B. Leitung der Teamsitzung, Einzelgespräche mit Mitarbeitern, Einzelgespräche mit Jugendlichen, HPG Teilnahme, sowie die Anbahnung bei Neuaufnahmen bei den Jugendämtern, usw. Der Koordinator des Trägers und die Leitung des JHP halten regelmäßigen Kontakt zum Helfersystem (Jugendamt, Vormund, Eltern, Lehrer, etc.). Die Qualität der Betreuung ist durch, in der Regel 14 tägige Besuche des Koordinators, wöchentliche Teamsitzungen, halbjährlich stattfindende Hilfeplangespräche, der kontinuierlichen Erstellung von Dokumentationen bzw. Erstellung und Überprüfung eines Erziehungsplans gewährleistet. Der Erziehungsplan wird gemeinsam mit dem Jugendlichen und Jugendamt entwickelt und in regelmäßigen Abständen mit ihm und dem Jugendamt besprochen. Des weiteren finden regelmäßige Einzelgespräche des Koordinators mit den zu Betreuenden statt. Zeigt der Jugendliche Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung, so initiiert der Koordinator oder die Leitung gegebenfalls ein Fachgespräch mit dem Jugendamt. Desweiteren kann der Koordinator in Form einer Fallanalyse des Jugendlichen bei unterschiedlichen pädagogischen Ansichten im Team zur weiteren Vorgehensweise zum Wohle des Jugendlichen unterstützen.
Die Leitung des JHP dokumentiert die Vorgänge und die pädagogische Arbeit mit den zu Betreuenden zusätzlich durch Monatsberichte an den Koordinator des Trägers. Bei Anzeichen für potenzielle Kindeswohlgefährdung sowohl innerhalb der Betreungsstelle, aber auch an anderen „Orten“ an dem sich die zu Betreuenden aufhalten, sind die Fachkräfte aufgefordert sich umgehend an den Koordinator bzw. die Leitung des JHP Arrenberg zu wenden. Diese wird dann offen und transparent den 8a-Beauftragten hinzuziehen. Die weitere Kommunikation zu Kostenträgern/ Personenberechtigten erfolgt über den Koordinator bzw. die Leitung der JHP/8a-Beauftragten bzw. unter Absprache mit diesen. Der Koordinator bietet zudem in regelmäßigen Abständen Leitung- und Teamsupervision an.
Zusätzliche Fort- und Weiterbildung werden seitens des Trägers zur Qualitätssteigerung angeboten.

Anbahnung
Leitet QuoVadis eine Anfrage eines Jugendamtes an die Betreuungsstell bzw. den Koordinator des Trägers weiter, vereinbart der Koordinator mit der Betreuungsstelle und mit dem jeweiligen Jugendamt sowie dem Jugendlichen einen „Kennenlerntermin“. Hierbei wird über die Abläufe in der Einrichtung berichtet, u.a. welche Jugendliche dort leben oder geben Einblick in das Regelwerk.
Jeder Jugendliche durchläuft eine 4-wöchige Kennenlernphase, in der der zu Betreuende sowie die Betreuer feststellen können, ob ein Verbleib in der Einrichtung möglich und von beiden Seiten erwünscht ist. Dies ermöglicht eine hohe Falltreue. Zu Beginn der Kennenlernphase erklärt die Beteuungsstelle dem Jugendlichen sein Partizipationsrecht, da eine aktive Mitarbeit des Jugendlichen gewünscht wird, um einen individuell strukturierten Tagesablauf zu gewährleisten. Ebenso wird ihm die Möglichkeit der Beschwerde erläutert und die jeweiligen Adressen genannt, an die er sich wenden kann, um seinem Anliegen Gehör zu verschaffen, z.B. die Telefonnummer des Koordinators des Trägers. Sowohl Partizipations- wie Beschwerderecht werden ihm schriftlich vorgelegt und vom Jugendlichen per Unterschrift gegengezeichnet. Alle relevanten Adressen hängen in der Einrichtung öffentlich aus.

Partizipation
Die zu Betreuenden sind aktiv beteiligt bei Gestaltung der Hausregeln, Essensgestaltung, Freizeitgestaltung, Vereinswahl, kreativen Workshops (Kunstprojekt, Fotoprojekt), räumlicher Gestaltung der Gemeinschaftsräume, individueller Gestaltung ihres privatem Wohnbereichs, Tagesausflügen, Feriengestaltung etc..
Aus diesem Grunde gibt es wöchentlich eine Teamsitzung bestehend aus Jugendlichen und Betreuern. Gemeinsame Mahlzeiten und Aktivitäten werden in Absprache mit den Betreuern geplant und sind pädagogischer Bestandteil des Miteinanders in dem individualpädagogischen Setting. Alle notwendigen Regeln des Zusammenlebens werden gemeinsam erarbeitet und gestaltet. Die Jugendlichen sollen die Betreuung und Lebenswelt mitgestalten und mitbestimmt erfahren.
Die unterschiedlichen Fähigkeiten der Jugendlichen will die Betreuungsstelle pädagogisch nutzen, um Synergien zu erzielen, die den einzelnen Jugendlichen befähigt, über Zweckgemeinschaften hinaus, das Zusammenleben sinnvoll zu gestalten.
Das besonderes Augenmerk liegt auf der individuellen Gestaltung eines strukturierten Tagesablaufs. Des weiteren ist es ein Anliegen, eine individuelle Freizeitgestaltung zu realisieren, wenn möglich mit Vereinsanbindung. Das können Sportvereine sein, freiwillige Feuerwehr, Kunstprojekte, offene Jugendtüren, etc..
Bei der Essensgestaltung werden die Jugendlichen individuell betreut. Einige werden dabei enger unterstützt, andere ihrem Entwicklungsstand entsprechend weniger. Es werden dabei auch Kooperationen der Jugendlichen untereinander so gestützt, dass sie manchmal gemeinsam wirtschaften, kochen und essen. Die freie Verfügung über Taschengeld wird den Jugendlichen mitgeteilt. Das Regelwerk der Einrichtung, Ruhezeiten, Reinigung der Zimmer und öffentlichen Räume, Besuchskontakte, etc. ist den jeweiligen Jugendämtern bekannt sowie von den Jugendlichen zum Teil mitentwickelt und akzeptiert.

Beschwerdemanagement
Der zu Betreuende kann sich beschweren, kennt die Möglichkeiten und Wege und wird im Prozess der Beschwerde begleitet. Ihm werden alle relevanten Kontaktdaten wie z.B. die Telefonnummer des Koordinators, zur Verfügung gestellt. Der freie Zugang zu Telefon und Internet wird gewährt und alleiniges Vortragen der Beschwerde wird ermöglicht. Die Eltern/ Vormund/ Jugendamt werden umgehend über die Beschwerde in Kenntnis gesetzt. Die zu Betreuenden der Moritzstraße können zusätzlich jederzeit einem Betreuer der Simonsstraße kontaktieren, um ihre Beschwerde vorzutragen(2 min. Fußweg). Durch regelmäßig stattfindenden gemeisamen Mahlzeiten, Freizeitgestaltungen, Wochenendausflügen, Weihnachtsfeiern, Sylvesterfeier und Sommerurlauben sind ihnen die Betreuer bekannt, werden aber im Alltag nicht von ihnen betreut. Die Betreuer ihrerseits befinden sich durch die wöchentlich gemeinsam stattfindende Teamsitzung jederzeit auf dem aktuellen Stand bezgl. Lebensbewältigung des zu Betreuenden, Probleme und Spannungen im „Betreuungsverlauf“ innerhalb sowie außerhalb der Betreuungsstelle. Bei „Spannungen“ zwischen Betreuer und Jugendlichen/jungen Erwachsenen kann der Koordinator gegebenenfalls ein „Klärungsgespräch“ moderieren.
Aufnahme nach § 34 auch in Verbindung mit § 41 KJHG
Es handelt sich um ein Angebot im Stellenschlüssel 1:2.

Stand Dezember 2018