Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen

Erziehungsstelle Neuburg an der Donau

Zielgruppe
In der Erziehungsstelle Neuburg an der Donau können zwei Kinder geschlechtsunabhängig aufgenommen werden, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr oder für einen gewissen Zeitraum nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie leben können. Das Bevorzugte Aufnahmealter liegt zwischen 0 und 4 Jahren. Die Aufnahme erfolgt nach einer Anbahnung.
In einem Hilfeplanverfahren werden Ziel- und Zeitvereinbarungen getroffen, die regelmäßig überprüft und fortgeschrieben werden. Sowohl im Aufnahmeverfahren als auch in der Hilfeplanung ist der Träger jederzeit eingebunden.

Standort
Neuburg a. d. Donau mit seinen 30.327 Einwohnern liegt verkehrsgünstig direkt an der B16. Zur großen Kreisstadt gehören insgesamt siebenundzwanzig Ortsteile. Die nächste größere Stadt ist Ingolstadt. Durch die zentrale Lage und schnelle Anbindung an die A9, sind auch Städte wie München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg innerhalb von einer Stunde zu erreichen.
Neuburg a. d. Donau ist eine ehemalige Residenzstadt der “Jungen Pfalz”. Das Wahrzeichen der Stadt ist das Neuburger Schloss mit seinem historischen Schlossfest, dass alle zwei Jahre gefeiert wird. Weitere Freizeit und Kulturaktivtäten bietet das Neuburger Stadttheater zwei große Erlebnis – und Freizeitbäder sowie ein Kino und Sportvereine. Der Englische Garten, das Auenzentrum zwischen Neuburg und Ingolstadt, Freilichtmusen sowie viele Badeseen untermalen die Stadt.
Auch bei den Bildungsmöglichkeiten kann eine große Bandbreite an Kindergärten, Kinderkrippen sowie Grund- und weiterführende Schulen gewährleistet werden. So befinden sich vor Ort, vier Grundschulen, eine Mittelschule, eine Wirtschaftsschule, zwei Realschulen, eine Berufsschule, drei Berufsfachschulen, eine Fachoberschule sowie ein Gymnasium. Derzeit wird ein Campus in Neuburg errichtet, sodass Neuburg in naher Zukunft zu einer Hochschulstadt wird und das studieren ebenso möglich ist.
Auch für Kinder/Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf ist die schulische Infrastruktur gegeben, es gibt zwei Förderzentren vor Ort sowie eine weitere Schulvorbereitende Einrichtung.
Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten sind im Umkreis leicht zu erreichen. Die medizinische Grundversorgung wird mit einem modernen Krankenhaus mit einer internistischen, neurologischen und Kinder- und Jugendabteilung, zahlreichen Ärzten, Zahnärzten, Fachärzten wie Kinderärzte mit kinderkardiologischer Versorgung sowie Kinder- und Jugendtherapeut gesichert. Weiterhin stehen eine Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie Neuburg an der Donau und eine Außenstelle des Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) zur Verfügung. Die Stärke als Wirtschaftsstandort ist das attraktive und vielseitige Spektrum von Branchen aus Handwerk, Gewerbe, Industrie und Handel.
Die Erziehungsstelle befindet sich in einem großen, mit Weitblick gelegenen freistehenden Einfamilienhaus mit ca. 180 qm Wohnfläche und einer dazu gehörigen Einliegerwohnung mit 65 m² im Neubaugebiet Neuburg-West. Jedes Kind verfügt über ein großzügiges helles Zimmer.
Ein offener mit vielen Spielmöglichkeiten eingerichteter Koch- und Essbereich lädt zum Spielen und Zusammensitzen ein.
Der große Garten bietet vor allem kleinen Kindern die Möglichkeit ohne Gefährdung durch den Straßenverkehr zu toben und zu spielen.
Größere Kinder erreichen zu Fuß oder mit dem Fahrrad ein umfangreiches Freizeitangebot.
Eine engagierte Jugendarbeit der Vereine ermöglicht es den betreuten Kindern rasch Kontakte zu Gleichaltrigen zu knüpfen.

Betreuerin
Die Betreuerin verfügt über einen Bachelor Abschluss in Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik. Im Master Studium der Erziehungs- und Bildungswissenschaften hat sie ihren Schwerpunkt auf die Elementar- und Familienpädagogik gelegt. Als zweifache Stipendiatin mitunter des Freistaats Bayern zählte die Betreuerin zu den besten Studierenden Deutschlands in ihrem Fachgebiet. Neben einem breiten pädagogischen Know-how verfügt sie über einen umfassenden wirtschaftlichen Hintergrund mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Banken-, Versicherungs- und Immobilienwirtschaft.
Praktische Erfahrung in der Pädagogik und im Umgang mit Kindern konnte die Betreuerin zum einen durch ihre eigene Mutterschaft sammeln sowie durch zahlreiche ehrenamtliche Engagements. So bringt die Betreuerin seit mehreren Jahren ihr theoretisches wie auch praktische Wissen der Pädagogik und Wirtschaft ehrenamtlich als Prüferin bei der Industrie – und Handelskammer für München und Oberbayern mit ein. Außerdem zeigt/e sie Einsatzfreude als Vorstand im Uni Kinderhaus e.V., dem Elternbeirat des städtischen Kindergartens sowie als Beraterin und Redakteurin für den Verein Schatten & Licht e.V.
Durch die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder mit verschiedenen Altersgruppen, konnte sie ein breites Erfahrungsspektrum sammeln. Es fiel ihr stets leicht einen vertrauensvollen, offenen und wertschätzenden Umgang zu ihren Mitarbeitern, Kollegen, Kunden, Kindern und Jugendlichen sowie zu deren Eltern zu finden.

Ziele
Die Haltung der pädagogischen Erziehungsarbeit der Erziehungsstelle beruht auf dem humanistischen Menschenbild. Dieses resultiert daraus, dass jeder Mensch von Natur aus gut und konstruktiv ist. Der Mensch ist eine Einheit aus Körper, Selle und Geist. Jegliche Kommunikation findet immer auf allen drei Eben statt. Jeder Mensch ist von Natur aus sozial begabt und entwicklungspotent und erwartet von Geburt an aktiv und instinktiv umfassendes Verständnis auf allen drei Ebenen. Er strebt nach Autonomie und Selbstverwirklichung. So bedarf es der bedingungslose Akzeptanz der `Richtigkeit´ des Menschen selbst und die damit verbundenen Erwartungen des Kindes zu verstehen und zu erfüllen. Liebevolle Erfahrungen sind dabei der Schlüssel zur Entfaltung autodidaktischer Entwicklungsprozesse. Nur durch Liebe und einer akzeptierenden Haltung heraus dem Kind selbst als „richtig“ zu begegnen kann Selbstbild entstehen.
Eine wichtige Basis für die pädagogische Arbeit ist dabei das Recht eines jeden Menschen auf Förderung seiner Entwicklung sowie auf Erziehung zu einer selbständigen, eigenverantwortlichen und gemeinschaftlichen Persönlichkeit. Hierzu gehört, jedem einzelnen Kind, die dafür notwendige emotionale und körperliche Zuwendung zu geben. Individuelle Wertschätzung, Annahme und Akzeptanz ermöglichen einen intensiven Beziehungsaufbau. So kann das Kind ganzheitliche Erfahrungen, Orientierungen, Zuwendung, gefestigte Familienstrukturen und insbesondere Liebe erfahren, wodurch es neue Erfahrungsmuster und Handlungsweisen erlernen kann. Die Pflegestelle bietet Geduld, Verständnis, liebevolle Zuwendung und Verbindlichkeiten.
Der heilpädagogische Begriff „Zyklische Phänomene“ hat für die pädagogische Arbeit in der Erziehungsstelle große Bedeutung für die kognitive Erfassung von zeitlichen Abläufen und bei der Vermittlung von Kontinuität und Sicherheit.
Innerhalb eines Tages finden sich zyklische Phänomene wie beispielsweise das morgendliche Zähneputzen, Frühstück, gemeinsame Mittagessen, Mittagsschlaf oder das zu Bett gehen. Eine Woche wird unterschieden in „Kindergartentage“ und „Wochenende“ und auch ein Jahr gliedert sich in Jahreszeiten mit dafür jeweils typischen Erscheinungen, Aktivitäten und Festlichkeiten auf.
Zunehmend erschließt sich den Kindern in der Erfahrung der steten zyklischen Wiederholung dieser einzelnen Phänomene und ihrer jeweiligen Ausdehnung das Phänomen „Zeit“. Die rituelle Natur zyklischer Phänomene spendet damit Sicherheit und Vertrautheit – ein Grund, weshalb deren bewusste Gestaltung so bedeutsam ist.
Auch Grenzen werden in den Tagesablauf klar strukturiert. Unterschiedliche Vorerfahrungen, die die Kinder mit in die Erziehungsstelle bringen rufen bei den Kindern häufig Entwicklungs-/ und Sozialisationsdefizite, Bindungsängste, Verhaltensauffälligkeiten, Lernverzögerungen, psychosoziale und emotionale Störungen hervor. Deshalb möchte die Erziehungsstelle ihnen die Überschaubarkeit eines familiären sozialpädagogischen Rahmens in einer Familie anbieten.
Die Kinder haben die Möglichkeit, eine feste Bindung zu erfahren und dadurch ihre Defizite und traumatischen Erlebnisse durch die Familie zu bearbeiten und zu verarbeiten.
Die in der Erziehungsstelle befindlichen Tiere leisten einen ausgleichenden Beitrag. Sie fördern bei den Kindern und Jugendlichen das Verantwortungsbewusstsein und die Empathie.

Ausschlusskriterien

  • akuter sowie regelmäßiger Drogenkonsum
  • Tierquälerei
  • akute Gewalttätigkeit
  • Autismus

Elternarbeit
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist, wenn möglich, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem der untergebrachten Kinder zu erreichen. Soweit möglich oder sinnvoll werden die Eltern in die Arbeit der Betreuungsstelle mit einbezogen. Dies wird im Rahmen der Hilfeplangespräche festgelegt. Der Betreuer geht davon aus, dass es für die Identitätsentwicklung des jungen Menschen wichtig ist, sich mit seinem Herkunftssystem auseinander zu setzen. Zur Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Vergangenheit gehört die direkte Arbeit mit den Eltern durch Informationsaustausch, die Biografie-Arbeit mit dem Kind und der je nach individueller Situation angemessene Kontakt zu seinem Herkunftssystem. Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder die Erlaubnis der Herkunftsfamilie benötigen, um sich in der Betreuungsstelle wohl fühlen zu können. Einem Loyalitätskonflikt der jungen Menschen soll so entgegengewirkt werden. Es werden aber auch Ablöseprozesse der Kinder unterstützt, wenn der Kontakt zu der Herkunftsfamilie nicht möglich oder von dieser nicht gewünscht ist. Besuchskontakte können bei Bedarf, einmal monatlich und in einem Umkreis von 50 km begleitet werden. Für möglicherweise angestrebte häufigere Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie, bemühen die Betreuer sich, in Zusammenarbeit mit Koordination und Jugendamt eine individuelle Lösung zu finden.

Partizipation und Beschwerdemanagement
Entwicklungsadäquat werden die Kinder mit in die Alltagsgestaltung, Wochenplanung, Freizeitgestaltung oder z.B. in die Zimmergestaltung einbezogen. Das Einladen von Freunden in die Betreuungsstelle wird begrüßt. Das pädagogische Handeln wird mit ihnen altersadäquat wöchentlich reflektiert. Sie werden nach ihren Wünschen und Interessen bzgl. der Hilfeplanung befragt, welche im Entwicklungsbericht dokumentiert und im Hilfeplangespräch thematisiert werden. Zu Beginn jeder Maßnahme werden die Kinder über die Rolle, der im Hilfeprozess beteiligten Erwachsenen, informiert. Die Kinder haben jederzeit die Möglichkeit die Koordinatorin bzw. dem Koordinator telefonisch zu kontaktieren und erhalten schriftliche Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten der Beschwerde. Es wird zwischen dem Koordinator bzw. der Koordinatorin und den Kindern ein Vertrauensverhältnis erarbeitet und ihnen, in regelmäßig stattfindenden Einzelgesprächen, die Möglichkeit gegeben, ggf. ihre Probleme in der Betreuungsstelle zu thematisieren.
Die Koordination wird bei Bedarf, Gespräche mit allen Beteiligten einfordern und dokumentieren und das belegende Jugendamt informieren.

Qualitätssicherung/ Begleitung durch den Träger
Die Betreuungsstelle wird im 14-tägigen Rhythmus von der Koordinatorin bzw. dem Koordinator des Trägers besucht. Die Koordinatorin/ der Koordinator gibt den Kindern Raum und Zeit Nöte, Ängste oder Sorgen mitzuteilen. Den Betreuern steht die Koordination beratend zur Seite. In Krisensituationen ist die Koordination jederzeit verfügbar, um vermittelnd tätig zu sein. Zur Qualitätssicherung werden monatlich, alle Ereignisse schriftlich in Form einer Memo festgehalten und an die Koordination weitergeleitet. Als Vorbereitung auf das möglichst halbjährlich stattfindende Hilfeplangesprächs wird von den Betreuern ein Entwicklungsbericht der Kinder verfasst und dem belegenden Jugendamt vorgelegt. Die Betreuer nehmen regelmäßig an Fortbildungen (abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen der jeweilig aufgenommenen jungen Menschen) und an Supervisionen teil, um die Qualität der Arbeit stetig verbessern zu können. Es wird auch auf die Gesamtkonzeption und die konzeptionelle Arbeit des Trägers verwiesen.
Die rechtlichen Grundlagen für eine Betreuung stellen die §§34 sowie §§35 SGB VIII dar.

Stand Juli 2019