Betreuungsstellen - Auslandsmaßnahmen

Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft Lontzen Ost-Belgien

Diese Lebensgemeinschaft bietet Kindern die Möglichkeit einer längerfristigen Unterbringung mit Berücksichtigung der individuellen Entwicklung. Sie werden in einer stabilen Familienstruktur integriert, in der sie Normen und Werte vermittelt bekommen.

Standort
Lontzen ist eine ca. 6000 Einwohner umfassende Gemeinde, in der deutschsprachigen Gemeinschaft Ost-Belgiens. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur belgischen Stadt Eupen und nur 15 km von der deutschen Stadt Aachen und 35 km von der niederländischen Stadt Maastricht entfernt.
3 Primärschulen, die den 6-jährigen Primärunterricht abdecken sowie die an die Schulen angeschlossene Kindergärten sind in wenigen Kilometern zu erreichen. Hier erfolgt Unterricht in deutscher und/oder in französischer Sprache.
Förder- und Sekundarschulen sind per Bus im 5 km entfernten Eupen zu erreichen. Die Förderschüler werden mit dem Bus direkt vor der Haustür abgeholt bzw. zurückgebracht.
Lontzen ist eine ländliche Gemeinde mit viel Natur. Hier ist alles vorhanden für die Freizeitgestaltung und was sonst zum Leben nötig ist.
Zum freistehenden Einfamilienhaus gehört ein großer schöner Garten, der ausreichend Platz zum Spielen bietet.

Die Betreuer/ Lebensgemeinschaft
Die Betreuerin hat nach dem Abitur Kunstpädagogik und Englisch auf Lehramt (ohne Abschluss) studiert.
Seit 1999 hat sie Erfahrungen im Bereich der individualpädagogischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen gesammelt. Sie war unter anderem in erlebnispädagogischen Maßnahmen im Ausland tätig.
Seit 2007 führt die Betreuerin eine eigene SPLG. Während der beruflichen Tätigkeit nahm sie regelmäßig an Fortbildungen teil.
Sie ist Mutter von 4 Adoptivkindern und einer 1999 geborenen leiblichen Tochter.
Zur Lebensgemeinschaft gehört der Lebensgefährte der Betreuerin. Ein studierter Dipl. Betriebswirt, der mittlerweile in Rente ist und ihre leibliche Tochter, die in Lüttich Tiermedizin studiert und deshalb nur an den Wochenenden zu Hause ist.
Außerdem gibt es noch zwei kinderliebe Hunde.

Zielgruppe
Die Lebensgemeinschaft nimmt Kinder mit Verhaltens- und Entwicklungsstörungen auf, die aufgrund unterschiedlicher Problematiken nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie leben können.
Möglich ist eine dauerhafte Unterbringung bis zur Erreichung der Selbständigkeit.
Ebenso kann eine Rückführung in die Herkunftsfamilie erarbeitet werden.

Ausschlusskriterien

  • hohes Aggressionspotential
  • hohe sexuelle Auffälligkeit
  • Tierhaarallergie

Elternarbeit
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist, wenn möglich, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem, der untergebrachten Kinder und Jugendlichen, zu erreichen. Soweit möglich oder sinnvoll werden die Eltern in die Arbeit der Lebensgemeinschaft miteinbezogen. Dies wird im Rahmen der Hilfeplangespräche festgelegt. Die Betreuer gehen davon aus, dass es für die Identitätsentwicklung des jungen Menschen wichtig ist, sich mit seinem Herkunftssystem auseinander zu setzen. Zur Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Vergangenheit gehört die direkte Arbeit mit den Eltern durch Informationsaustausch, die Biografie-Arbeit mit dem Kind/Jugendlichen und der je nach individueller Situation angemessene Kontakt zu seinem Herkunftssystem. Die Erfahrung zeigt, dass die Kinder- und Jugendlichen die Erlaubnis der Herkunftsfamilie benötigen, um sich in der Lebensgemeinschaft wohl fühlen zu können. Einem Loyalitätskonflikt der jungen Menschen soll so entgegengewirkt werden. Es werden aber auch Ablöseprozesse der Kinder und Jugendlichen unterstützt, wenn der Kontakt zu der Herkunftsfamilie nicht möglich oder von dieser nicht gewünscht ist.

Partizipation und Beschwerdemanagement
Entwicklungsadäquat werden die Kinder/ Jugendlichen mit in die Alltagsgestaltung, Wochenplanung und Freizeitgestaltung einbezogen. Die jungen Menschen können nach Absprache Spielkameraden in die Lebensgemeinschaft einladen. Das pädagogische Handeln wird mit den Kindern/ Jugendlichen altersadäquat wöchentlich reflektiert. Sie werden nach ihren Wünschen und Interessen bzgl. der Hilfeplanung befragt, welche im Entwicklungsbericht dokumentiert und im Hilfeplangespräch thematisiert werden. Zu Beginn jeder Maßnahme werden die Kinder/ Jugendlichen über die Rolle, der im Hilfeprozess beteiligten Erwachsenen, informiert. Die Kinder haben jederzeit die Möglichkeit die Koordinatorin bzw. dem Koordinator telefonisch zu kontaktieren und erhalten schriftliche Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten der Beschwerde.
Es wird zwischen dem Koordinator bzw. der Koordinatorin und den Kindern ein Vertrauensverhältnis erarbeitet und ihnen, in regelmäßig stattfindenden Einzelgesprächen, die Möglichkeit gegeben, ggf. ihre Probleme in der Lebensgemeinschaft zu thematisieren. Die Koordination wird bei Bedarf, Gespräche mit allen Beteiligten einfordern und dokumentieren und das belegende Jugendamt informieren.

Qualitätssicherung/ Begleitung durch den Träger
Die Lebensgemeinschaft wird im vier/sechs Wochen Rhythmus von der Koordinatorin bzw. dem Koordinator des Trägers besucht.
Die Koordinatorin/ der Koordinator gibt den Kindern und Jugendlichen Raum und Zeit Nöte, Ängste oder Sorgen mitzuteilen. Den Betreuern steht die Koordination beratend zur Seite. In Krisensituationen ist die Koordination jederzeit verfügbar, um vermittelnd tätig zu sein. Zur Qualitätssicherung werden monatlich, alle Ereignisse schriftlich in Form einer Memo festgehalten und an die Koordination weitergeleitet. Als Vorbereitung auf das möglichst halbjährlich stattfindende Hilfeplangesprächs wird von den Betreuern ein Entwicklungsbericht der Kinder und Jugendlichen verfasst und dem belegendem Jugendamt vorgelegt.
Die Betreuer nehmen regelmäßig an Fortbildungen, abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen der jeweilig aufgenommenen jungen Menschen und an Supervisionen teil, um die Qualität der Arbeit stetig verbessern zu können.

Stand: Juli 2019