Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen

Betreuungsstelle Alpen

Zielgruppe
Die Betreuungsstelle Alpen bietet koedukativ bis zu drei Jugendlichen, ab 14 Jahren, die Möglichkeit einer längerfristigen Unterbringung mit individuellen Zukunftsperspektiven. Durch die innewohnende Fachkraft ist eine konstante und verläßliche Bezugsperson ständig erreichbar, entsprechend intensive Einzelbetreuungen und situationsabhängige Interventionen jederzeit möglich sind. Die Betreuungsstelle ist langjährig erfahren, insbesondere im Umgang mit Jugendlichen die von Bindungsstörungen oder Störung des Sozialverhaltens betroffen sind, anfangen delinquente Lebenswege einzuschlagen, aber auch Teilhabebeeinträchtigung am gesellschaftlichen Leben gegeben oder zu erwarten ist. So ist insbesondere die Erfahrung mit von Autismus und von ADHS betroffenen Jugendlichen hervorzuheben.
Die Aufnahme der Jugendlichen ist in der Regel auf Langfristigkeit bis hin zur Verselbständigung in eigenem Wohnraum geplant, um nach Möglichkeit eine stabile Bindung zu den Jugendlichen aufbauen zu können und so nachhaltige Veränderungen zu ermöglichen.
Als Voraussetzung für eine Aufnahme sollte ein Mindestmaß an Bereitschaft bestehen, in einem eher ländlich geprägten Umfeld dauerhaft leben und „Fuß fassen“ zu wollen.
Um auf einen positiven Hilfeverlauf hinarbeiten zu können, sollten sich die Jugendlichen minimal darauf einlassen können, in die Hausarbeit und Hofbewirtschaftung mit integriert zu werden.
Den Jugendlichen kann durch tiergestützte Pädagogik das Einleben und Verarbeiten gemachter Erfahrungen erleichtert werden und ein Zugang zu ihnen so positiv unterstützt werden.
Gesundheitliche Besonderheiten wie bspw. Zöliakie, Laktoseintoleranz, Neurodermitis etc., können bei der Ernährung berücksichtigt werden.

Ausschlusskriterien

  • Tierhaarallergien
  • gewaltbereites Verhalten/ bekannte Quälerei von Tieren
  • Brandstifter
  • akute Abhängigkeit von harten Drogen
  • Suchterkrankungen und/ oder psychische Störungen, die zu einer Eigen- und Fremdgefährdung führen können

Körperliche Übergriffe gegenüber innewohnender Jugendlicher, der Mitarbeiter, aber auch gegenüber den Tieren, können zu einem sofortigen Abbruch der Maßnahme führen.

Standort und räumliche Gegebenheiten
Die Betreuungsstelle befindet sich 5 Autominuten außerhalb des Ortskernes der Gemeinde Alpen am Niederrhein.

Trotz der ruhigen Lage der Betreuungsstelle außerhalb des Ortskernes ist dieser für die Jugendlichen sowohl fußläufig als auch mit dem Fahrrad, innerhalb weniger Minuten, gut zu erreichen.
Alpen besitzt einen Bahnhof und über den öffentlichen Nahverkehr sind umliegende Städte und Gemeinden angebunden.
In der Gemeinde Alpen ist der Besuch der Sekundarschule bis zur 10. Klasse möglich. Weiterführende Schulen befinden sich in den angrenzenden Städten und Gemeinden und sind durch den ÖPNV gut zu erreichen. In Wesel und Neukirchen-Vluyn ist außerdem der Besuch einer Förderschule möglich.
Sowohl in der Gemeinde Alpen als auch am gesamten Niederrhein finden sich in gut erreichbaren Entfernungen unzählige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, wie z.B.: klettern, surfen, Mountainbike fahren, Irrland, Pfadfinder, freiwillige Jugendfeuerwehr, verschieden Sportvereine, Schwimm- und Freizeitbäder, Tierparks, etc..
Die Betreuungsstelle ist auf einem kleinen, ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb gelegen.
Die Jugendlichen werden nach ihren Möglichkeiten und Interessen mit in die Arbeit einbezogen und theoretische sowie praktische Fähigkeiten können entsprechend geschult und gefördert werden. Durch den Umgang mit und die Pflege der Haus- und Hoftiere können Vertrauensverhältnisse aufgebaut und die Jugendlichen in der Übernahme von Verantwortung und dem Ausbau sozialer und individueller Fähigkeiten bestärkt werden.
Das Wohnhaus bietet im Erdgeschoß eine Gemeinschaftsküche, ein Gemeinschaftswohnzimmer und direkt anliegend die privaten Räumlichkeiten der Betreuerin und ihres Lebensgefährten.
Im Obergeschoß (ca. 100qm) liegen die drei großzügig geschnittenen Jugendzimmer, die individuell gemeinsam mit den Jugendlichen gestaltet werden können. Dort steht ein eigenes modernes Badezimmer für die Jugendlichen zur Verfügung.
Die vorhandenen Wiesen können für verschiedene Freizeitaktivitäten wie bspw. reiten, Fußball und Badminton spielen oder auch zum Zelten genutzt werden.
Verschiedene Teilbereiche werden als Obst- und Gemüsegarten genutzt und bieten so die Möglichkeit, Lebensmittel selber anzubauen und zu ernten.
Auf dem Gelände befindet sich eine große Halle mit Werkstatt, in der gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen bspw. Fahrräder und Roller repariert werden können. Dort werden auch handwerkliche Ideen der Jugendlichen, wie bspw. Möbel selber bauen, umgesetzt. Hierbei steht mit Rat und Tat der breit handwerklich begabte Lebensgefährte der Betreuerin mit zur Verfügung.
Es besteht eine gute ärztliche Allgemeinversorgung und im Bedarfsfall spezielle Interventionsmöglichkeiten durch einen Kinder- und Jugendarzt mit Schwerpunkt ADHS.
Seit Jahren besteht außerdem eine enge Zusammenarbeit mit der Autismus Therapie Rheinberg.
Ebenso besteht eine gute Anbindung an die Institutsambulanz Moers und die LVR- Kliniken Bedburg-Hau. Nach Bedarf können alternativmedizinische Angebote wie der Besuch einer Heilpraktikerin und bioenergetische Behandlungskonzepte zur Unterstützung der Jugendlichen genutzt werden. Ernährungsspezifische Besonderheiten, wie bspw. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, können größtenteils berücksichtigt werden.

Betreuungssetting
Neben der Betreuerin, ihrem Lebensgefährten und den Jugendlichen, leben Hunde, Katzen, ein Reitpferd und 2 Ponys, sowie ein Esel und verschiedenes Geflügel auf dem weitläufigen Gelände.
Die individualpädagogisch erfahrene Betreuerin ist Dipl. Sozialpädagogin/ Dipl. Sozialarbeiterin (FH) ( Jahrgang 1982) und leitet die Betreuungsstelle bereits viele Jahre.
Sie versorgt und unterstützt die Jugendlichen ganztägig. Ihr Lebensgefährte, gelernter Mechatroniker (Jahrgang 1982), lebt ebenfalls mit in der Betreuungsstelle. Das überschaubare Beziehungsgefüge sowie das konstante soziale Umfeld stellt eine der Stärken der Betreuungsstelle dar. Durch die jahrelange Tätigkeit der Fachkraft besteht ein breit aufgestelltes Netzwerk. Dies umfasst u.a. gute Kontakte zu Schulen und Schulsozialarbeitern, Therapeuten und Institutsambulanzen/ KiJu- Psychiatrien, sowie entsprechend auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Ärzte und diagnostizierende Institutionen. Ebenso umfasst das Netzwerk Kontakte zu verschiedenen Sportvereinen, der freiwilligen Feuerwehr und dem Deutschen (Jugend)Roten Kreuz.
Bei der Aufnahme einer/s dritten Jugendlichen wird eine pädagogische Fachkraft mit zur Betreuung der Jugendlichen hinzugezogen.
Um auf einen positiven Hilfeverlauf hinarbeiten zu können, sollten die Kinder und Jugendlichen sich darauf einlassen können, ihren neuen Lebensmittelpunkt in einer eher ländlichen Umgebung zu finden und teilweise in den Alltag mit entsprechenden Tätigkeiten mit einbezogen zu werden. Dies stellt ebenso eine wichtige Grundvoraussetzung dafür dar, dass die Kinder und Jugendlichen sich auch längerfristig in der Betreuungsstelle „wohl“ und „zuhause“ fühlen können.

Methoden der Arbeit/ pädagogische Ziele
Um erfolgreich pädagogisch unterstützend arbeiten zu können, ist der Aufbau einer positiven Beziehung zu den Jugendlichen Grundlage unserer Arbeit.
Viele Jugendliche, die in die Betreuungsstelle kommen, haben bereits einige Stationen der Jugendhilfe durchlaufen. Umso wichtiger ist es, die Jugendlichen ankommen zu lassen, um so die Basis für die zukünftige Betreuung zu schaffen.
Die Jugendlichen werden in den familienanalogen Haushalt integriert, zumeist fernab von den bisher gemachten Erfahrungen größerer Jugendhilfeeinrichtungen.
Sowohl die personelle Stabilität durch die innewohnende Fachkraft, als auch die individual- und erlebnispädagogisch als auch tiergestützte orientierte Betreuung, im Einzel- als auch Kleingruppensetting, bietet die Möglichkeit des Aufbaus tragfähiger Bindungen. Durch die enge Betreuung der Fachkraft ist jederzeit eine situationsangepasste Krisenintervention bspw. durch Einzel- oder Intensivbetreuung gewährleistet.

Die Unterbringung in der Betreuungsstelle ist auf Langfristigkeit und Verselbständigung in eigenen Wohnraum, auch über das 18. Lebensjahr hinaus, ausgelegt. Es wird gemeinsam mit den Jugendlichen das Erlernen und Anerkennen eines strukturierten Tagesablaufes, Regeln und individuelle Absprachen erarbeitet.
Die persönliche Entwicklung eines jeden Jugendlichen, mit Blick auf seine Biographie und ggf. vorhandenen Einschränkungen, stehen im Fokus der pädagogischen Arbeit in der Betreuungsstelle. Der Jugendliche wird „dort abgeholt, wo er steht“ und wird entsprechend seiner Ressourcen gefördert und gefordert. Dies umfasst in der Regel die Einleitung und Begleitung einer ausführlichen Diagnostik mit u.U. nachfolgender Therapie und Förderung durch entsprechende Institutionen.
Die Fähigkeit, eigene Ressourcen zu erkennen und auf diese zurückgreifen zu können, stellt einen wichtigen Grundstein für die Identitätsentwicklung und den Weg in ein eigenständiges Leben dar. Im Rahmen des systemisch- ressourcenorientierten Arbeitens mit den Jugendlichen werden ihre individuellen Fähigkeiten und Stärken herausgearbeitet, um so die persönliche Entwicklung ausbauen und fördern zu können
Die Jugendlichen werden im Alltag begleitet und darin unterstützt, lebenspraktischen Fähigkeiten, die sie für ein eigenständiges Leben benötigen, zu erlernen. Dies umfaßt bspw. verantwortungsvolle Haushaltsführung, bürokratische Erledigungen und Umgang mit Finanzen, sowie (kleine) handwerkliche Fähigkeiten. Ebenso hat die schulische und berufliche Ausbildung einen hohen Stellenwert, damit die Jugendlichen über die Jugendhilfemaßnahme hinaus nach Möglichkeit ein eigenständiges und finanziell abgesichertes Leben führen können.
Persönliche Interessen werden als Ressourcen der Jugendlichen gesehen, um so bspw. Hobbys zu fördern und eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu ermöglichen, aber auch nach Möglichkeit dem Jugendlichen ein persönlichkeitsförderndes soziales Umfeld zu schaffen. So erarbeiten wir z. B. die Motivation zur Aufnahme einer ehrenamtliche Tätigkeiten, oder auch Besuche von Sportvereinen.
Die Jugendlichen erhalten Unterstützung beim Erlernen von theoretischen und praktischen Fähigkeiten. Sie haben die Möglichkeit des Entdeckens und Ausbaus individueller praktischer Fähigkeiten durch die vorhandenen Möglichkeiten in der Betreuungsstelle. Die Arbeit mit den Jugendlichen beinhaltet ebenso freizeitpädagogische Methoden um das Entdecken von Freizeitinteressen, das Aneignen der notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse bzw. deren Erprobung und Vertiefung durch Anwendung im lebenspraktischen Bereich zu fördern. Dies wiederum führt zur aktiven Gestaltung der Freizeit jenseits des multimedialen Einflussbereiches durch z.B. zelten, Holz hacken, Lagerfeuer, Bude bauen, gemeinsame Fahrradtouren, Vereinsaktivitäten und ehrenamtliche Tätigkeiten (bspw. Jugendfeuerwehr, DRK,Tierschutzarbeit) und somit zur Ausbildung kognitiver und empathischer Fähigkeiten.
In Schule und Ausbildung findet ein enger Austausch mit allen Beteiligten statt, um entsprechend der vorhandenen Ressourcen und Defizite der einzelnen Jugendlichen diesen zeitnah gerecht werden zu können. Hierzu werden nötige Konzepte und Methoden mit allen am Prozess beteiligten Fachkräften interdisziplinär erarbeitet.

Elternarbeit
Soweit möglich oder sinnvoll werden die Eltern in die Arbeit der Betreuungsstelle miteinbezogen. Art und Umfang wird in den jeweilig stattfindenden Hilfeplangesprächen mit allen Beteiligten erarbeitet.
Besuchskontakte können bis einmal monatlich im Umkreis von max. 50 km für max. 3 Stunden durch die Fachkraft begleitet werden. Die Jugendlichen werden entsprechend ihres Entwicklungsstandes dazu angeleitet, Fahrten zu Besuchskontakten mit den Eltern/ Familienangehörigen, eigenständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wahrnehmen zu können. Dies wird durch die Fachkraft entsprechend vorbereitet und begleitet.
Da mehrere Jugendliche in der Betreuungsstelle leben und dieser auch einen Schutzraum darstellt, ist es nicht möglich, daß bspw. weiter weg wohnende Eltern im Rahmen von Besuchskontakten über das Wochenende in der Einrichtung verbleiben können.
Besuchskontakte werden durch die Fachkraft entsprechend unterstützt, was ebenso im Hilfeplangespräch festgelegt wird. Die Suche von Übernachtungsmöglichkeiten für die Eltern, Planung des Ablaufes von Besuchskontakten/ Freizeitaktivitäten aber auch die Begleitung der Eltern-Kind Beziehung in Krisenfällen gehören für uns zum Selbstverständnis von Elternarbeit.

Partizipation/Beschwerdemöglichkeit
Die Jugendlichen werden altersentsprechend in den Hilfeprozess mit einbezogen. Dies beginnt bei der Strukturierung des Alltags wie gemeinsamer Essensplanung, gemeinsamer Tages- und Wochenplanung, Planung von Einzel- und Gemeinschaftsaktivitäten sowie Verwendung der Sachkosten.
Gemeinschaftsaufgaben werden mit Rücksichtnahme auf persönliche Fähigkeiten und Neigungen verteilt.
Das Hilfeplangespräch wird durch die gemeinsame Besprechung des Entwicklungsberichtes vorbereitet, auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen bezüglich der weiteren Hilfeplanung z.B. Besuchskontakte, Freizeitgestaltung wird ein besonderes Augenmerk gelegt.
Bei der Aufnahme bekommt das Kind bzw. der Jugendliche die Funktionen der am Hilfeprozess beteiligten Erwachsenen altersgerecht und entwicklungsadäquat erklärt.
Jeder Jugendliche erhält zu Beginn der Betreuung ein Informationsblatt mit Beschwerde-Möglichkeiten und seinen Rechten. Alle Beschwerden werden von demjenigen an den die Beschwerde herangetragen wird, aufgezeichnet und an die Leitung des Trägers weitergeleitet. Von dort aus wird der weitere Verfahrensgang gesteuert.
Die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zur Koordination der Einrichtung, zum Jugendamt, Vormund/Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen, wird jederzeit durch die beteiligten Betreuer gewährleistet.
Das Kind bzw. der Jugendliche hat in der Regel 14-tägig, in Einzelgesprächen mit der Koordinatorin, über mögliche Probleme zu sprechen. Klärungsgespräche werden zeitnah mit allen Beteiligten geführt.

Qualitätssicherung/ Begleitung durch den Träger
Um durch den Alltag entstehende Gewohnheiten und den Umgang miteinander objektiver reflektieren zu können, als auch im HPG festgelegte Ziele in ihrer Umsetzung nicht aus den Augen zu verlieren, wird die Betreuungsstelle in der Regel 14 tägig durch die Koordinatorin besucht Fallorientierte Fachgespräche, als auch die Möglichkeit der Beschwerde für den Jugendlichen sind somit regelmäßig Teil des Betreuungsangebotes.

Die Qualität der Arbeit wird zudem sichergestellt durch:

  • Entwicklungsberichte / Hilfeplanung
  • Fortbildungen
  • Dokumentationen

Gesetzliche Grundlagen
Das Betreuungsangebot kann auf den Grundlagen des SGB VIII nach §§ 34,35a und 41 als Regelangebot mit einem Betreuungsschlüssel von 1:2 belegt werden.

Stand Juli 2019