Betreuungsstellen - Auslandsmaßnahmen



Betreuungsstelle "Romulus Cipariu" Rumänien

Der Projektstandort

Die Betreuungsstelle "Romulus Cipariu" liegt in der kleinen Dorfgemeinde Orlat am Fuße der Karpaten ca. 20 Kilometer westlich von Sibiu/Herrmanstadt.

Die Liegenschaft besteht aus drei Einfamilienhäusern mit gemeinsamen Garten und einer kleinen Obstplantage, die sich an das Anwesen anschließt.

In den drei Häusern des Anwesen leben die Betreuer und deren Eltern gemeinsam mit den Betreuten Jugendlichen.

Dieses Großfamiliensystem zeichnet sich durch eine herzliche und wohlwollende Atmosphäre aus. Die Kompetenz und die Erfahrungen in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Einzelsettings haben sich im Laufe der letzten sechs Jahre mehr als nur bewährt.

In diesem Mehrgenerationensystem ist sowohl für ein familiäres Umfeld als auch für sinnvolle und authentische Arbeits-Lernfelder gesorgt.

Im Laufe der Zeit und seiner Entwicklung gemäß werden dem Kind/Jugendlichen Kleinarbeiten, die an Haus und Hof anfallen, aufgetragen.
Angeschlossen an das gesellschaftliche Leben und den damit verbundenen Rechten und Pflichten wird hier vieles für den Betreuten möglich. Individuelle schulisch-pädagogische Betreuung und berufliche Praktika/Ausbildungsangebote stehen ergänzend als Bausteine für mittel- und auch langfristige Betreuungskonzepte zur Verfügung.

Für ein ausgewogenes Freizeitangebot garantieren die unmittelbaren Naturräume sowie die nahe gelegene Stadt Sibiu. Radfahren, Angeln, Skilaufen, Schwimmen und Wanderungen tragen, zusammen mit kulturellen Angeboten wie Musik und Kunst, zu einer abwechslungsreichen und förderlichen Entwicklung bei.

In diesem Kulturkreis gelten Gastfreundschaft und Handschlag als elementare Werte, die in ihrer Einfachheit dem Betreuten Klarheit, Vertrauen und Herzlichkeit vermitteln.

Die Orientierung in einer reizarmen Welt mit ihrer fremden Kultur und Sprache fern der Heimat fordert von dem Betreuten die Anerkennung und Respektierung des betreuenden Systems und seiner Autoritäten. Gleichzeitig erfährt er hier neue Ansätze zur Alltagsbewältigung und Identitätsfindung aus wohlwollender und verlässlicher Hand.

Die Kooperation der betreuenden Brüder mit deren Eltern, die hohes gesellschaftliches Ansehen genießen, macht eine professionelle Förderung einer gesunden Entwicklung der zu betreuenden Kinder/Jugendlichen möglich.

Die Projektkoordination

Das Projekt wird von dem Koordinator planmäßig alle 4 bis 6 Wochen besucht. Bei Krisensituationen werden zur Unterstützung der Betreuer auch außerplanmäßige Projektbesuche durchgeführt.
Der Koordinator ist verantwortlich für Umsetzung der Hilfe- und Erziehungspläne, er steht den Betreuern als pädagogischer Berater zur Verfügung.
Zu seinen weiteren Aufgaben gehören auch die Weiterbildung der Betreuer und die Durchführung von Teamgesprächen.
Ein regelmäßiger Austausch außerhalb der Projektbesuche zwischen Koordinator und Betreuer ist gegeben.
Der Koordinator arbeitet eng mit dem zuständigen Jugendamt und den Erziehungsberechtigten zusammen. Alle Informationen aus den Projekten sowie die Entwicklungsberichte werden zeitnah an alle Beteiligten weitergeleitet.

Die fachliche pädagogische Betreuung wird außerdem durch die "Quo Vadis Projekte Rumänien" (Stiftung) vor Ort gewährleistet.

Pädagogische Ziele
  • Identitätsfindung
  • Übernahme von Eigenverantwortung
  • Emotionale Stabilität entwickeln
  • Körpergefühl entwickeln
  • Selbstwertgefühl entwickeln
  • Erlernen lebenspraktischer Fähigkeiten
  • Akzeptanz von festen und verläßlichen Strukturen
  • Förderung von Ausdauer und Motivation
  • Beschulung durch Einzel-oder Regelschulunterricht
  • Heranführen an Arbeit
  • sinnvolle Freizeitgestaltung
  • Bewältigung des Alltags
  • Gruppenfähigkeit fördern
  • Problemlösungsstrategien entwickeln
  • Rückführung nach Deutschland in die Herkunftsfamilie, fortführende Jugendhilfe oder Verselbständigung
Der Projektverlauf

Die Aufenthaltsdauer im Projektland beträgt mindestens 6 Monate und kann individuell ausgeweitet werden.
Die Erfahrung zeigt allerdings, dass für Kinder/Jugendliche nach einem längeren Aufenthalt und der damit entstandenen Integration und Identitätsfindung vor Ort eine Rückführung und Reintegration im Heimatsystem erschwert werden kann. Dies ist aber individuell zu behandeln und hängt maßgeblich von der ihn zu erwartenden Situation in Deutschland ab.

In groben Zügen kann man den Projektverlauf in 3 Phasen einteilen.

Phase 1: Expeditionsreise ab Heimatort in Deutschland nach Rumänien

Die Route, das Fortbewegungsmittel, die Dauer etc. werden wie im Clearing Konzept ICE mit dem Jugendlichen und allen Beteiligten erarbeitet.
Die Expedition macht den Übergang vom Alten zum Neuen möglich. Die Reise durch fremde Kulturen verbunden mit einem Wildnisaufenthalt von 5 bis 20 Tagen bereitet den Jugendlichen auf den Milieuwechsel vor. Ziel dieser Phase ist es dem Jugendlichen erste positive beziehungs- und vertrauensbildende Erfahrungen zu ermöglichen und ihn soweit zu stabilisieren, dass er sich mit Motivation und Neugier auf das neue Lebensumfeld einlassen kann. Mehr dazu ist unter „ICE-Intensive Clearing Expedition“ nach zu lesen.

Phase 2: Integration in Familie und deren Netzwerk

Im gemeinschaftlichen Leben auf dem Lande eine sichere und attraktive Existenz erarbeiten und durch eigenes Handeln ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern, übt eine Motivation auf den Jugendlichen aus, es ihnen gleich zu tun oder sie noch zu übertreffen.
Bisher nicht wahrgenommene Fähigkeiten wie handwerkliches Geschick, Kreativität, Belastbarkeit und Ausdauer sowie soziale Kompetenzen werden damit gefördert.
Die damit einhergehende Selbsteinschätzung und Motivation werden genutzt, um erreichbare Fernziele wie Berufsausbildung oder Schulabschluss zu formulieren und entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Das kann ein Praktikum z.B. im Handwerksbetrieb sein oder auch die Aufarbeitung schulischer Defizite.

Phase 3: Rückkehr und Reintegration in Deutschland

Gemeinsam wird mit dem Jugendlichen, resultierend aus Phase 2, die Rückkehr und die weitere Planung in Deutschland erarbeitet.
Sehr sensibel wird hier der richtige Zeitpunkt für diese Phase bestimmt.
Es gilt den erlangten Motivationsschub in vollem Umfang mitzunehmen.
Das neue Leben in Rumänien funktioniert und das neue/alte Leben in Deutschland wird eventuell noch mit Angst betrachtet.

Neben der geeigneten Betreuungsform stehen hier die berufliche sowie die schulische Planung im Vordergrund.
Der Träger bietet unterschiedliche Formen der weiteren Betreuung an oder sucht gegebenenfalls andere geeignete bedarfsorientierte Settings.

Unsere Projekte dienen der emotionalen Stabilisierung und sollen die Motivation fördern, sich in Deutschland den Problemen zu stellen und sie zu bearbeiten mit dem Ziel einer Integration als nützliches und anerkanntes Mitglied der Gesellschaft.

Projektland Rumänien

Rumänien ist eine Republik in Europa, die von der Pannonischen Tiefebene bis zum Schwarzen Meer reicht. Es grenzt an Bulgarien, Serbien, Ungarn, die Ukraine und Moldawien. Rumänien ist Mitglied der Vereinten Nationen, der NATO und der Europäischen Union.

Das Land hat eine Fläche von 238.391 km² und seine Landschaft wird etwa zu je einem Drittel von Gebirge, Hochland und Ebene eingenommen.

Der prägende Gebirgszug des Landes sind die Karpaten. Höchster Punkt der Südkarpaten und ganz Rumäniens ist der Moldoveanu mit 2.544 m.
Der bedeutendste Fluss Rumäniens ist die Donau, die über tausend km durch oder an Rumänien entlang fließt und im großen Donaudelta ins Schwarze Meer mündet.

Rumänien ist zu 27 Prozent von Wald bedeckt und bietet mit über 3.400 Seen eine vielfältige und artenreiche Naturlandschaft. Hier gibt es noch Bären, Wölfe und Luchse sowie Steinadler und Mönchsgeier. Das Klima ist gemäßigt mit maritimen und mediterranen Einflüssen.
Die jährlichen Durchschnittstemperaturen variieren innerhalb Rumäniens zwischen 11 °C im Süden und 8 °C im Norden. Im Winter betragen die durchschnittlichen Temperaturen 0 °C an der Schwarzmeerküste und ?15 °C im Hochgebirge. Im Sommer steigen die durchschnittlichen Temperaturen in den tieferen Regionen des Landes auf mehr als 25 °C.

In Rumänien leben 21,5 Millionen Menschen. Davon sind die Rumänen mit 89,5 Prozent deutlich die größte Bevölkerungsgruppe des Landes. Die Ungarn stehen mit 6,6 Prozent an zweiter und die Roma mit 2,5 Prozent an dritter Stelle. Der Anteil der Deutschen liegt 0,3 Prozent, dabei handelt es sich vor allem um Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben. Landeshauptstadt ist Bukarest mit 1,9 Millionen Einwohner. Die Amtssprache Rumäniens ist laut Verfassung rumänisch und die häufigsten Fremdsprachen in Rumänien sind englisch und französisch, in Siebenbürgen auch deutsch. Es bekennt sich mit 86,7 Prozent der überwiegende Teil der Bevölkerung zur Rumänisch-Orthodoxen Kirche. Die Protestanten machen insgesamt 6,6 Prozent und die Muslime 0,3 Prozent der Bevölkerung aus. Rumänien verfolgte einen demokratischen und marktwirtschaftlichen Kurs und orientiert sich außenpolitisch am Westen.

Sibiu (Herrmanstadt) ist eine Stadt im Kreis Sibiu und war Kulturhauptstadt Europas 2007. Die Einwohnerzahl beträgt aktuell etwa 170.000 Einwohner.

Die Stadt gilt als zweisprachig und wird von einem deutschen Bürgermeister verwaltet. Es gibt eine deutsche Zeitung, deutsche Kindergärten, Grundschulen, mehrere Gymnasien mit Deutsch als Unterrichtssprache und das Pädagogische Lyzeum als Ausbildungsstätte für deutschsprachige Erzieherinnen und zukünftige Lehrer. Vorhanden sind außerdem eine evangelisch-theologische deutsche Fakultät. Aufgrund millionenschwerer Investitionen aus Österreich und Deutschland befindet sich die Wirtschaft der Stadt seit Anfang der 2000er Jahre in einem Aufschwung. In diesem Zusammenhang befinden sich auch ca. 100 deutsche Manager (teilweise mit Familien) dauerhaft in der Stadt.

Sibiu besitzt derzeit über den modernsten internationalen Flughafen in ganz Südost-Europa, von welchem aus Direktflüge nach Stuttgart, Köln/Bonn und München angeboten werden.

Partizipation und Beschwerderecht

  • Das Kind/ der Jugendliche erfährt demokratisches Denken und Handeln. Hier wird aufgefordert, motiviert, durch mitreden, mitgestalten und mitbestimmen aktiv Verantwortung zu übernehmen. Sie sollen an eine eigenverantwortliche Lebensführung herangeführt zu werden.
  • Das Kind/der Jugendliche hat die Möglichkeit, sich kritisch bei der Koordination, dem Träger und dem Jugendamt über seine Maßnahme zu äußern. Hierzu stehen Telefon/Internet und der postale Weg ungehindert zur Verfügung.