Betreuungsstellen - Erlebnispädagogik

Individualpädagogisches Reiseprojekt Jakobsweg

Die Analyse der Ausgangslage

Der Jugendliche (Klient) befindet sich in einem prekär gefährdenden Umfeld. Da er nicht in der Lage ist sich selbst zu helfen, wird er für eine begrenzte Zeit aus dieser ihn negativ beeinflussenden Situation (z.B. Kriminalität, Drogenkonsum und/oder belastende Familiensituation) herausgeholt. Er benötigt professionelle Hilfe und muss sich von seinem Umfeld distanzieren.

Aufgrund dieser Fakten, soll dem Jugendlichen intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung gewährt werden. Durch eine begrenzte Auszeit wird dem Jugendlichen die Möglichkeit einer Neuorientierung gegeben. Er hat Zeit über seine Lebenslage zu reflektieren, ohne negativen Einflüssen ausgesetzt zu sein. Geplant ist die Wanderung des Jacobsweges. Die Exkursion wird nur dann angetreten, wenn der Jugendliche aus freiwilliger Motivation mitkommt. Diese Wanderung wird voraussichtlich 8 Wochen in Anspruch nehmen.

Die 770 Km lange Route beginnt in Roncesvalles und endet in Santiago de Compostela. Die individuelle Route wird zusammen mit dem Jugendlichen und dem Betreuer erarbeitet. Hierbei wird flexibel auf die verschiedenen Bedürfnisse eingegangen.

Strategische Ziele (Regelset)

Durch dieses Reiseprojekt werden persönliche und soziale Kompetenzen intensiv gefördert.

Es wird fernab von negativen zivilisatorischen Einflüssen gewandert. Im Zuge des Wanderungsprozesses werden Schrittweise, die negativen Einflüsse denen der Jugendliche ausgesetzt war, abgebaut.

Der Wandersport ist eine geeignete Methode, um die positiven Potentiale des Jugendlichen in kontrollierte Bahnen zu lenken. Der Jugendliche geht an seine körperlichen Grenzen. Er steht in einer Wechselbeziehung zu sich selbst und der Natur, fernab von negativen Einflüssen der Großstadt. In der freien Natur begegnet ihm das einfache Leben. Fremde Orte und neue Herausforderungen geben dem Jugendlichen Zeit und Raum zum Nachdenken. Die Wanderung soll dem Jugendlichen zum Milieuwechsel im normalen Leben vorbereiten. Der Jugendliche und der Betreuer sollen untereinander eine positive vertrauensbildende Beziehung aufbauen. Der Jugendliche lernt auf dieser Reise zu planen, zu Handeln und Rücksicht auf sein Umfeld zu nehmen.

In der Stille der Natur hat der Jugendliche die Möglichkeit seine Gedanken zu sammeln und sich u. a. zu Fragen: „Wohin des Weges“ („Quo Vadis“). Kurzum: Wo komme ich her und wo führt mein Weg hin?
Des Weiteren wird durch intensive Unterstützung seine Selbst-sicherheit und sein Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gefördert und gestärkt sowie Defizite aufgearbeitet.

Anvisierter Zielzustand

Das Ziel dieses Projekts ist das Erreichen eines Vertrauensverhältnisses, welches es ermöglicht, den Jugendlichen zu einem eigenständig strukturierten Tagesablauf zu verhelfen, um mit den Herausforderungen des Lebensalltags fertig zu werden.

Dies kann am besten erreicht werden, wenn der Jugendliche intensiv betreut wird und mit seinem Betreuer in einem Haushalt zusammen lebt.

Er befindet sich somit in einem gesunden, reizarmen Umfeld mit neuen Bezugspersonen, welche es ihm ermöglichen, ein geregeltes Leben bis hin zur angestrebten Eigenständigkeit, zu führen.
In dieser Phase werden gemeinsame kleine Ziele formuliert, wie z. B. regelmäßiger Schulbesuch, gemeinsame Essensplanung, gemeinsame Tagesplanung, Putzen etc., je nach individueller Situation unterschiedlich gewichtet.

In diesem Kontext können neue Verhaltensweisen eingeführt und das Einhalten von Versprechen und Regeln angeeignet werden.
Der Grad der Aufgabenverteilung erfolgt gemäß den Kompetenzen des Jugendlichen. Der Jugendliche wird dazu animiert sich auch an Sportaktivitäten mit oder ohne Betreuer zu beteiligen.

Er sollte in der Lage sein, ein selbst bestimmendes Leben zu führen.
Als langfristiges Ziel wird dann die Re-Sozialisation des Jugend-
lichen in das gesellschaftliche System in Deutschland anvisiert.

Ausschlusskriterien

  • akute Suchtproblematik (Drogen & Alkohol)
  • psychiatrische Indikationen, bei denen ein hohes Aggressionspotential bekannt ist
  • Auftreten von massiven Fremdaggressionen
  • Selbstverletzende Verhaltensweisen, die zur Gefährdung des Reiseprojekts führen können

Stand: 23.01.2017