Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen



Lebensgemeinschaft Morsbach

Standort

Morsbach liegt an der Landesgrenze NRW, mitten im Naturpark Bergisches Land, zwischen Gummersbach und Siegen, nahe an der A4 Richtung Köln. Abwechslungsreiche Landschaft, wie bergische Wanderwege mit Panoramablick und Ski- und Schlittenbahnen, sowie Täler mit Bächen, laden zum Durchatmen und Erholen ein.
Morsbach ist Schulzentrum von Grund- bis Realschule. Ein Gymnasium und eine Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt E und L befinden sich im 10 km entfernten Ort Waldbröl, welche mit Bussen zu erreichen sind.

Lebensgemeinschaft

  • 1 Erzieherin, plus eine männliche pädagogische Ergänzungskraft
  • betreut seit August 2007 im eigenen Haushalt in der Intensiven Einzelbetreuung
  • Belegungsgröße: 3 Plätze

Das Wohnhaus hat 200 m² Wohnfläche plus Scheune und 2 ha Land zur Verfügung. Im Erdgeschoss befindet sich eine große Wohnküche, ein gemeinsamer Wohnraum mit Kamin und Remise. Im Obergeschoss befinden sich 4 Kinderzimmer und 1 großes Bad, wobei jedes Kind ein eigenes Zimmer bewohnt.Im Dachgeschoss darüber schlafen die Hausmutter und das eigene Kind. Ein Büro- und Mitarbeiterzimmer befindet sich im Erdgeschoss.

Innewohnende Fachkraft

  • Erzieherin in Heim- und Jugendarbeit mit Fachabitur
  • Erfahrung in ambulanter Familienhilfe, Erlebnispädagogik, Waldkindergarten , Waldorfschule sowie Betreuungsstellen
  • Intensive Einzelbetreuung von Jungen und Mädchen im Alter von 3 bis 15 Jahre

Zielgruppe/Konzept

Die sozialpädagogische Gemeinschaft bietet Kindern, die einer engen Anbindung bedürfen, eine familienanaloge Wohnform.
Diese zeichnet sich dadurch aus, dass eine Erzieherin mit eigenem Kind (geb. 2010) bis zu 3 Kinder in die Gemeinschaft aufnehmen und deren Lebenslauf begleiten kann.
Sie richtet sich an Kinder und ggf. auch Jugendliche, die aufgrund ihres Erziehungs- und Förderbedarfes im emotionalen, sozialen, kognitiven und schulischen Bereich eine gezielte individuelle und fachliche Betreuung benötigen. Darüber hinaus ist die Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft ein Hilfeangebot für Kinder und Jugendliche, die ein hohes Maß an emotionaler Zuwendung benötigen.

Mit Hilfe von einer natürlichen Umgebung innerhalb eines Dorfes, das Wohnhaus reizarm am Waldrand gelegen, und mit Hilfe des bäuerlichen Zusammenlebens und Versorgens von einem Haushund, von Kleintieren wie Hühnern und Hasen, evtl. Pony soll eine stabile Beziehung zum Erwachsenen aufgebaut werden. Die Beziehung ist die Basis, um emotionale und soziale Defizite auszugleichen und eine Lebensperspektive entwickeln zu können. Außerdem wird ein Garten zur Gewinnung von Grundnahrungsmitteln angelegt, wobei die Kinder fleißig helfen und Ernte erleben können.

An Jahresfesten in der Stadt, in der Schule und in der Nachbarschaft werden soziale Kontakte aufgebaut und Freundschaften gepflegt.
An Angeboten im Freizeitbereich wie Musikschule, Fußballverein, Mädchenturnen, Tennis, Schwimmbad oder Ponyfreundetreffen können die Kinder je nach Persönlichkeit teilnehmen.

Leistungsangebot

Kindern und Jugendlichen, die ein 24-Stunden individual-intensiv Setting benötigen,

  • wird ein Ort des Schutzes
  • zum Ausruhen, Ankommen, Kennenlernen
  • und „erstmal so sein können“ wie es ihrer Persönlichkeit entspricht

zur Verfügung gestellt.

Dabei lernen sich die Kinder neu oder gar erstmalig familiär zu integrieren, zu formen. Durch langfristig familiäre Strukturen und verlässliche Bindungen wird der Beziehungsaufbau neu kennen gelernt und geschätzt. Täglich wiederkehrender Rhythmus soll der inneren Sicherheit und Stabilisierung dienen, um sich vollständig auf das Gemeinschaftsleben in einer „Fremdfamilie“ einlassen zu können.

  • klare Strukturen und intensive individualpädagogische Betreuung
  • ressourcenorientiert und erlebnispädagogischer Schwerpunkt
  • personelle Stabilität und familiäre Atmosphäre
  • Grenzsetzung durch (liebevolle) Konsequenzen
  • Orientierung an einer familiären Rangordnung

Entwicklungsrückstände werden durch täglich pädagogische Verhaltensbeobachtungen erkannt, aufgearbeitet und nachgeholt.

Innerhalb gemeinsamer, altersgerechter und angeleiteter Spiele
(z.B. Höhlen bauen, Rollenspiel, Wahrnehmungs- Beobachtungsspiel, Handwerken, Wildnistraining, etc), soll das Kind seinen Alltag verarbeiten und Problematiken einzeln und in Gruppen erkennen.
Die Kinder im Gemeinschaftsprojekt erfahren, dass die Erwachsenen für sie sorgen werden. Dabei stehen alle in einer Interaktion (Vermittlung, Erleben, Begleiten) zueinander. Schon erworbene Kontrollmuster (Aufmerksamkeit nur auf das Gegenüber, um von sich selbst abzulenken) oder Überlebensstrategien (Essen horten) können gesunden, ohne dem Kind die bestehende Existenz zu entziehen.

Niemand wird vor einer Krise bewahrt, sie werden gemeinsam durchgestanden und Lösungsstrategien gefunden:

  • Aufzeigen oder Rückmeldung von problematischem Verhalten
  • Alternativen/ Kompromisse suchen und finden
  • Reflexionsgespräche, Rollenspiele, Geschlechtsrollenidentität
  • Trainingsprogramme zur Alltagsbewältigung
  • Entschärfung von Konflikten durch den Erwachsenen
  • Einüben des Einhaltens von Absprachen und Regeln,einschließlich der verantwortungsbezogenen Übernahme übertragener Aufgaben
  • Musterunterbrechungen und Neuorientierung in Gruppen- und Einzeltraining
  • Teilnahme an Angeboten außerhalb der Familie (z.B. Judo, Fußball, Tanzen, Tiere)

Reicht das pädagogische Angebot nicht aus, werden notwendige Diagnostik und Therapie in Anspruch genommen.

Die Durchführung von Schule, Hausaufgaben und Beruf sollen wieder lustvoll und erfolgreich durchgeführt, begleitet und gestaltet werden.

  • Stärkung des Kindes, wo es sich aufgegeben hat
  • täglich begleitende Hausaufgabenstunde
  • „Entzug der Bühne“ – in Distanzlosigkeit, Grenzüberschreitung, zum Schutz anderer
  • Intensiver Kontakt zu Lehrer und Betreuer

Berufsfindung wird durch gemeinnützige Praktika vorbereitet und mit Ämtern, Firmen durchgeführt.

Die „Besonderheit“ der Persönlichkeit wird während des Sozialisierungsprozesses geachtet und gesund aufrecht erhalten.

  • Erlernen eines verantwortungsbewussten Umgang mit sich selbst
  • Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung
  • Körperwahrnehmung und Erlernen der eigenen Stärken und Grenzen

Elternarbeit wird jeweils nach individueller Situation und gemäß den diesbezüglichen Vereinbarungen des Hilfeplanes gefördert.

Körperhygiene und Erhaltung der Gesundheit sind eine Wertevermittlung für das Selbst und Vorbereitung auf eigene Partnerschaft und Familie.

Zusammenarbeit mit dem Träger
Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Träger. Dieser beauftragt einen Koordinator, welcher sich intensiv um die pädagogische Lebensgemeinschaft kümmert. Er ist Ansprech-partner für die Erzieherin, sowie für die Kinder. Es findet ein reger Informationsaustausch über Telefon, E-mail und durch regelmäßige Hausbesuche statt. Er ist zudem das Bindeglied zum jeweiligen Jugendamt. In Krisensituationen ist er der erste Ansprechpartner.
Der Koordinator der pädagogischen Lebensgemeinschaft ist Diplom-Pädagoge, Erzieher und systemischer Familientherapeut.
Partizipation
Es finden regelmäßig Gespräche im großen Familienkreis mit allen Kindern und den Betreuern statt, in denen die Kinder ein aktives Mitspracherecht am täglichen Geschehen haben. Dem Alter und Entwicklungsstand der Kinder entsprechend, können diese ihre Wünsche anbringen, z.B. was die Freizeitgestaltung betrifft.

Elternarbeit

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist, wenn möglich, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem, der untergebrachten Kinder und Jugendlichen, zu erreichen. Soweit möglich oder sinnvoll werden die Eltern in die Arbeit der Betreuungsstelle miteinbezogen. Dies wird im Rahmen der Hilfeplangespräche festgelegt. Die Betreuer gehen davon aus, dass es für die Identitätsentwicklung des jungen Menschen wichtig ist, sich mit seinem Herkunftssystem auseinander zu setzen. Zur Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Vergangenheit gehört die direkte Arbeit mit den Eltern durch Informationsaustausch, die Biografie-Arbeit mit dem Kind/Jugendlichen und der je nach individueller Situation angemessene Kontakt zu seinem Herkunftssystem. Die Erfahrung zeigt, daß die Kinder- und Jugendlichen die Erlaubnis der Herkunftsfamilie benötigen, um sich in der Betreuungsstelle wohl fühlen zu können. Einem Loyalitätskonflikt der jungen Menschen soll so entgegengewirkt werden. Es werden aber auch Ablöseprozesse der Kinder und Jugendlichen unterstützt, wenn der Kontakt zu der Herkunftsfamilie nicht möglich oder von dieser nicht gewünscht ist.
Besuchskontakte können bei Bedarf, einmal monatlich und in einem Umkreis von 75 km begleitet werden. Für möglicherweise angestrebte häufigere Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie, bemühen die Betreuer sich, in Zusammenarbeit mit Koordination und Jugendamt eine individuelle Lösung zu finden.

Partizipation und Beschwerdemanagment

Entwicklungsadäquat werden die Kinder/ Jugendlichen mit in die Alltagsgestaltung, Wochenplanung und Freizeitgestaltung einbezogen. Die jungen Menschen können nach Absprache Spielkameraden in die Betrueungsstelle einladen. Das pädagogische Handeln wird mit den Kindern/ Jugendlichen altersadäquat wöchentlich reflektiert. Sie werden nach ihren Wünschen und Interessen bzgl. der Hilfeplanung befragt, welche im Entwicklungsbericht dokumentiert und im Hilfeplangespräch thematisiert werden. Zu Beginn jeder Maßnahme werden die Kinder/ Jugendlichen über die Rolle, der im Hilfeprozeß beteiligten Erwachsenen, informiert. Die Kinder haben jederzeit die Möglichkeit die Koordinatorin bzw. dem Koordinator telefonisch zu kontaktieren und erhalten schriftliche Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten der Beschwerde.
Es wird zwischen dem Koordinator bzw. der Koordinatorin und den Kindern ein Vertrauensverhältnis erarbeitet und ihnen, in regelmäßig stattfindenen Einzelgesprächen, die Möglichkeit gegeben, ggf. ihre Probleme in der Betreuungsstelle zu thematisieren. Die Koordination wird bei Bedarf, Gespräche mit allen Beteiligten einfordern und dokumentieren und das belegende Jugendamt informieren.

Qualitätssicherung/ Begleitung durch den Träger

Die Betreuungsstelle wird im 14-tägigen Rhythmus von der Fachberatung sowie von der Koordinatorin bzw. dem Koordinator des Trägers besucht.
Die Koordinatorin/ der Koordinator gibt den Kindern und Jugendlichen Raum und Zeit Nöte, Ängste oder Sorgen mitzuteilen. Den Betreuern steht die Koordination beratend zur Seite. In Krisensituationen ist die Koordination jederzeit verfügbar, um vermittelnd tätig zu sein. Zur Qualitätssicherung werden monatlich, alle Ereignisse schriftlich in Form einer Memo festgehalten und an die Koordination weitergeleitet. Als Vorbereitung auf das möglichst halbjährlich stattfindene Hilfeplangesprächs wird von den Betreuern ein Entwicklungsbericht der Kinder und Jugendlichen verfasst und dem belegendem Jugendamt vorgelegt.
Die Betreuer nehmen regelmäßig an Fortbildungen, abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen der jeweilig aufgenommenen jungen Menschen und an Supervisionen teil, um die Qualität der Arbeit stetig verbessern zu können.