Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen



Lebensgemeinschaft Morsbach

Lebensgemeinschaft Morsbach

Standort

Morsbach liegt an der Landesgrenze NRW, mitten im Naturpark Bergisches Land, zwischen Gummersbach und Siegen, nahe an der A4 Richtung Köln. Abwechslungsreiche Landschaft, wie bergische Wanderwege mit Panoramablick und Ski- und Schlittenbahnen, sowie Täler mit Bächen, laden zum Durchatmen und Erholen ein.
Morsbach ist Schulzentrum von Grund- bis Realschule. Ein Gymnasium und eine Sonderschule mit dem Förderschwerpunkt E und L befinden sich im 10 km entfernten Ort Waldbröl, welche mit Bussen zu erreichen sind.

Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft

  • Erzieherin und ihr Lebenspartner
  • betreut seit 2007 im eigenen Haushalt in der intensiven Einzelbetreuung
  • Belegungsgröße: 3 Plätze
  • bei erfolgter dritter Belegung Unterstützung durch eine zusätzliche pädagogische Ergänzungskraft

Das Wohnhaus hat 200 m² Wohnfläche plus Scheune und 2 ha Land zur Verfügung. Im Erdgeschoss befindet sich eine große Wohnküche, ein gemeinsamer Wohnraum mit Kamin und Remise. Im Obergeschoss befinden sich 4 Kinderzimmer und 1 großes Bad, wobei jedes Kind ein eigenes Zimmer bewohnt.Im Dachgeschoss darüber schlafen die Hausmutter und das eigene Kind. Ein Büro- und Mitarbeiterzimmer befindet sich im Erdgeschoss.

Innewohnende Fachkraft

  • Erzieherin in Heim- und Jugendarbeit mit Fachabitur
  • Erfahrung in ambulanter Familienhilfe, Erlebnispädagogik, Waldkindergarten , Waldorfschule sowie Betreuungsstellen
  • Intensive Einzelbetreuung von Jungen und Mädchen im Aufnahmealter von 3 bis 14 Jahre

Zielgruppe/Konzept

Die sozialpädagogische Lebensgemeinschaft bietet Kindern, die einer engen Anbindung bedürfen, eine familienanaloge Wohnform.
Diese zeichnet sich dadurch aus, dass eine Erzieherin mit eigenem Kind (geb. 2010) mit ihrem Lebenspartner bis zu 3 Kinder in die Lebensgemeinschaft aufnehmen und in das tägliche Geschehen einbeziehen und deren Lebenslauf begleiten. Ab erfolgter dritter Belegung findet eine Unterstützung durch eine zusätzliche pädagogische Fachkraft statt.
Sie richtet sich an Kinder und ggf. auch Jugendliche, die aufgrund ihres Erziehungs- und Förderbedarfes im emotionalen, sozialen, kognitiven und schulischen Bereich eine gezielte individuelle und fachliche Betreuung benötigen. Darüber hinaus ist die Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft ein Hilfeangebot für Kinder und Jugendliche, die ein hohes Maß an emotionaler Zuwendung benötigen.

Mit Hilfe von einer natürlichen Umgebung innerhalb eines Dorfes, das Wohnhaus reizarm am Waldrand gelegen, und mit Hilfe des bäuerlichen Zusammenlebens und Versorgens von einem Haushund, von Kleintieren wie Hühnern und Hasen, evtl. Pony soll eine stabile Beziehung zum Erwachsenen aufgebaut werden. Die Beziehung ist die Basis, um emotionale und soziale Defizite auszugleichen und eine Lebensperspektive entwickeln zu können. Außerdem wird ein Garten zur Gewinnung von Grundnahrungsmitteln angelegt, wobei die Kinder fleißig helfen und Ernte erleben können.

An Jahresfesten in der Stadt, in der Schule und in der Nachbarschaft werden soziale Kontakte aufgebaut und Freundschaften gepflegt.
An Angeboten im Freizeitbereich wie Musikschule, Fußballverein, Mädchenturnen, Tennis, Schwimmbad oder Ponyfreundetreffen können die Kinder je nach Persönlichkeit teilnehmen.

Leistungsangebot

Kindern und Jugendlichen, die ein 24-Stunden individual-intensiv Setting benötigen,

  • wird ein Ort des Schutzes
  • zum Ausruhen, Ankommen, Kennenlernen
  • und „erstmal so sein können“ wie es ihrer Persönlichkeit entspricht

zur Verfügung gestellt.

Dabei lernen sich die Kinder neu oder gar erstmalig familiär zu integrieren, zu formen. Durch langfristig familiäre Strukturen und verlässliche Bindungen wird der Beziehungsaufbau neu kennen gelernt und geschätzt. Täglich wiederkehrender Rhythmus soll der inneren Sicherheit und Stabilisierung dienen, um sich vollständig auf das Gemeinschaftsleben in einer „Fremdfamilie“ einlassen zu können.

  • klare Strukturen und intensive individualpädagogische Betreuung
  • ressourcenorientiert und erlebnispädagogischer Schwerpunkt
  • personelle Stabilität und familiäre Atmosphäre
  • Grenzsetzung durch (liebevolle) Konsequenzen
  • Orientierung an einer familiären Rangordnung

Entwicklungsrückstände werden durch täglich pädagogische Verhaltensbeobachtungen erkannt, aufgearbeitet und nachgeholt.

Innerhalb gemeinsamer, altersgerechter und angeleiteter Spiele
(z.B. Höhlen bauen, Rollenspiel, Wahrnehmungs- Beobachtungsspiel, Handwerken, Wildnistraining, etc), soll das Kind seinen Alltag verarbeiten und Problematiken einzeln und in Gruppen erkennen.
Die Kinder im Gemeinschaftsprojekt erfahren, dass die Erwachsenen für sie sorgen werden. Dabei stehen alle in einer Interaktion (Vermittlung, Erleben, Begleiten) zueinander. Schon erworbene Kontrollmuster (Aufmerksamkeit nur auf das Gegenüber, um von sich selbst abzulenken) oder Überlebensstrategien (Essen horten) können gesunden, ohne dem Kind die bestehende Existenz zu entziehen.

Niemand wird vor einer Krise bewahrt, sie werden gemeinsam durchgestanden und Lösungsstrategien gefunden:

  • Aufzeigen oder Rückmeldung von problematischem Verhalten
  • Alternativen/ Kompromisse suchen und finden
  • Reflexionsgespräche, Rollenspiele, Geschlechtsrollenidentität
  • Trainingsprogramme zur Alltagsbewältigung
  • Entschärfung von Konflikten durch den Erwachsenen
  • Einüben des Einhaltens von Absprachen und Regeln, einschließlich der verantwortungsbezogenen Übernahme übertragener Aufgaben
  • Musterunterbrechungen und Neuorientierung in Gruppen- und Einzeltraining
  • Teilnahme an Angeboten außerhalb der Familie (z.B. Judo, Fußball, Tanzen, Tiere)

Reicht das pädagogische Angebot nicht aus, werden notwendige Diagnostik und Therapie in Anspruch genommen.
Die Durchführung von Schule, Hausaufgaben und Beruf sollen wieder lustvoll und erfolgreich durchgeführt, begleitet und gestaltet werden.

  • Stärkung des Kindes, wo es sich aufgegeben hat
  • täglich begleitende Hausaufgabenstunde
  • „Entzug der Bühne“ – in Distanzlosigkeit, Grenzüberschreitung, zum Schutz anderer
  • Intensiver Kontakt zu Lehrer und Betreuer

Berufsfindung wird durch gemeinnützige Praktika vorbereitet und mit Ämtern, Firmen durchgeführt.
Die „Besonderheit“ der Persönlichkeit wird während des Sozialisierungsprozesses geachtet und gesund aufrecht erhalten.

  • Erlernen eines verantwortungsbewussten Umgang mit sich selbst
  • Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung
  • Körperwahrnehmung und Erlernen der eigenen Stärken und Grenzen

Elternarbeit wird jeweils nach individueller Situation und gemäß den diesbezüglichen Vereinbarungen des Hilfeplanes gefördert.
Körperhygiene und Erhaltung der Gesundheit sind eine Wertevermittlung für das Selbst und Vorbereitung auf eigene Partnerschaft und Familie.

Supervision

Neben der Begleitung durch den Koordinator nimmt die Pädagogin
der SPL auch regelmäßig Supervision in Anspruch, die eine weitere Unterstützung bietet.

Zusammenarbeit mit dem Träger

Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Träger. Dieser beauftragt einen Koordinator, welcher sich intensiv um die pädagogische Lebensgemeinschaft kümmert. Er ist Ansprech-partner für die Erzieherin, sowie für die Kinder. Es findet ein reger Informationsaustausch über Telefon, E-mail und durch regelmäßige Hausbesuche statt. Er ist zudem das Bindeglied zum jeweiligen Jugendamt. In Krisensituationen ist er der erste Ansprechpartner.

Der Koordinator der pädagogischen Lebensgemeinschaft ist Diplom-Pädagoge, Erzieher und systemischer Familientherapeut.

Partizipation

Es finden regelmäßig Gespräche im großen Familienkreis mit allen Kindern und den Betreuern statt, in denen die Kinder ein aktives Mitspracherecht am täglichen Geschehen haben. Dem Alter und Entwicklungsstand der Kinder entsprechend, können diese ihre Wünsche anbringen, z.B. was die Freizeitgestaltung betrifft.

Beschwerdemanagement

Der Koordinator der sozialpädagogischen Lebensgemeinschaft bietet durch die regelmäßigen Hausbesuche ein Vertrauens-verhältnis für die Kinder zu ihm als Ansprechpartner außerhalb der Familie. Die Kinder und Jugendlichen können sich im Einzelgespräch an ihn wenden und ihre Wünsche und Befindlichkeiten vortragen. Je nach Alter der Kinder erhalten diese auch die Telefonnummer des Koordinators und können ihn, falls erforderlich, auch anrufen.

Stand: Mai 2015