Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen

Sozialpädagogische Lebensgenmeinschaft Swisttal

Ort

Konzipiert ist das Haus für bis zu drei männliche Kinder und Jugendliche, von denen jeder ein eigenes und jugendgerecht eingerichtetes Zimmer bewohnt. Ein Wohnzimmer sowie eine Küche mit angrenzendem Esszimmer stehen zur gemeinschaftlichen Nutzung zur Verfügung. Ebenfalls stehen ein Freizeitraum, eine Teeküche und ein Sportraum für gemeinschaftliche Aktivitäten zu Verfügung.

Das Haus „Casa Compostella“ in Swisttal ist ein Einfamilienhaus bestehend aus vier Ebenen. Es verfügt über einen Garten. Dort werden Kräuter, Gemüse und Obst von Betreuern und Bewohnern angepflanzt. Jeder Bewohner hat die Möglichkeit, eine kleine Gartenfläche selbstständig zu nutzen und zu gestalten. Bei der Pflege des Gartens sind Betreuer und Bewohner gleichermaßen beteiligt.Infrastruktur
Die Lebensgemeinschaft befindet sich in ländlicher reizarmer Umgebung. Die Anbindung an die nahegelegenen Städte Rheinbach und Meckenheim, in denen sich alle weiterführenden Schulen finden, ist durch öffentliche Verkehrsmittel gegeben. Die Bushaltestelle ist in unmittelbarer Nähe. Im Ort gibt es ein Lebensmittelgeschäft und eine Bäckerei, kleinere Handwerksbetriebe und Bauernhöfe. Wenige Schritte vom Haus entfernt ist ein Kreativ-Zentrum.

Den Bewohnern stehen alle Angebote der Umgebung zur Verfügung, wie z.B. ein Freizeitzentrum. Es besteht die Möglichkeit, sich im Sportverein und der freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Der nächstgelegene größere Ort ist die Stadt Rheinbach, welche mit dem Bus in ca. zehn Minuten zu erreichen ist. Hier befinden sich auch zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und weitere Freizeitgestaltungsmöglichkeiten wie z.B. Schwimmbäder, Kino, Spielpark. Von dort aus kann Bonn bequem mit der halbstündig verkehrenden Deutschen Bahn erreicht werden.

Zielgruppe

Es werden männliche Kinder und Jugendliche ab dem 6. und bis zum 16. Lebensjahr aufgenommen.

Pädagogische Leitlinien

  • es wird der Fokus auf die Fähigkeiten und Ressourcen des Kindes gerichtet
  • eine liebevolle verlässliche und authentische Beziehungskontinuität ist unerlässlich für die familienähnliche Struktur im täglichen Zusammenleben, um eine positive Entwicklung sicher zu stellen
  • klare Grenzen und Strukturen geben den Kindern den nötigen Halt und die Sicherheit
  • eine regelmäßige und verlässliche Tagesstruktur ist wichtig, weil ritualisierte Abläufe insbesondere für Kinder mit einer Aufmerksamkeitsstörung von zentraler Bedeutung sind
  • die Kooperation mit den Schulen ist ein grundlegend wichtiger Bestandteil der Arbeit

Aufnahmekriterien

Eine langfristige Kostenzusage des zuständigen Jugendamtes.
Die Bereitschaft zur Integration in die Struktur ist notwendig.

Ausschlusskriterien

Geistige Behinderung, Drogenkonsum. Das Betreuungsangebot auf den Grundlagen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (SGB VIII, §§ 34 und 41) ist ein Regelplatzangebot mit einem Betreuungsschlüssel von 1:2.

Aufenthaltsdauer

Aufenthaltsablauf und -dauer richten sich nach den Zielplanungen, welche im Hilfeplan mit dem Jugendamt und den Erziehungsberechtigten überprüft, besprochen und festgelegt werden. Der reguläre Aufenthalt ist bis zum 18. Lebensjahr und in einigen Fällen bis zum 21. Lebensjahr gewährleistet.

Personal

Ein pädagogischer Mitarbeiter (Sozialpädagoge/Sozialarbeiter) wohnt in der Lebensgemeinschaft mit seiner Frau und Tochter.
Zusätzlich besteht das Team aus einer Fachkraft für die schulische Förderung. Individuell werden externe Helfer für die entsprechende Förderung nach Bedarf hinzugezogen.

Betreuungsschlüssel

Ein pädagogischer Mitarbeiter wohnt mit den Kindern/Jugendlichen in der Lebensgemeinschaft und deckt die Nachtbereitschaft ab. Ergänzt werden die pädagogische Arbeit von seiner Frau und einer Fachkraft, die die schulische Förderung sicherstellt. Die Lebensgemeinschaft ist im regelmäßigen Kontakt mit der Projektleitung und es findet eine regelmäßige Besprechung statt, in denen das pädagogische Handeln reflektiert und geplant wird.

Pädagogische Grundlagen

Viele Kinder/Jugendliche sind belastet durch negative Erfahrungen, Beeinträchtigung der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität, innere Unruhe oder auffallende Diskrepanz zwischen der offenkundigen Intelligenz und der Leistung. Deshalb wird ein kleines familienähnliches Setting angeboten, welches eine regelmäßige und verlässliche Struktur aufweist.

Die Motivation wird durch den Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen dem Kind/Jugendlichen und der zu Seite stehenden Bezugsperson sichergestellt. Durch die positive Anerkennung werden die Fähigkeiten und Ressourcen von Kindern und Jugendlichen gefördert.
DieAbstimmung der Erziehungsstile und Erziehungsziele mit den Eltern/Vormund, Schule und Jugendamt finden im intensiven Austausch statt.

Die praktische Umsetzung in der Betreuung von Kindern/Jugendlichen

Lob vor Strafe
Viele Kinder/Jugendliche leiden unter mangelndem Selbstwertgefühl. Durch Anerkennung wird erwünschtes Verhalten gefördert und das Selbstwertgefühl gesteigert. Auch kleinste gute Ansätze werden beachtet und in realistischer Weise anerkannt. Anreize statt Bestrafung, aber keine Bestechung.

Regelmäßigkeiten und ritualisierende Abläufe
Feste Gewohnheiten und Rituale geben ein Gefühl der Sicherheit und erleichtern dem Kind/Jugendlichen das Einhalten von Regeln.

Alltägliche Situationen in kleinere Schritte, Zwischenziele und Pausen unterteilt
Durch die Verlangsamung von Abläufen gewinnt das Kind Zeit zur Verarbeitung der Informationen. Der Erfolg bei kleinen Arbeitsein heiten motiviert zum Weitermachen. Dadurch wird auch die Zahl an Wutausbrüchen oder Frustrationen beim Kind/Jugendlichen reduziert

Feedback
Kinder/Jugendliche leiden oft unter einer mangelnden Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und können ihre Leistungen und ihr Verhalten nur schwer selbst einschätzen. Ständige Rückmeldung hilft ihnen, bei der Sache zu bleiben und ihre Fortschritte bei der Erreichung von (Lern-) zielen einzuschätzen

Lob und Konsequenzen für Verhalten erfolgen unmittelbar
Dadurch wird den Kindern/Jugendlichen das Begreifen der Zusammenhänge der Situation ermöglicht. Kritische Situationen werden reduziert, wenn Abläufe vorher klar besprochen werden

Freiraum für Bewegungsdrang
Gezielte sportliche Aktivitäten werden gefördert, damit die Kinder/Jugendlichen sich austoben können. Für konzentrierte Lernphasen sind zwischendurch kurze Bewegungszeiten wichtig.

Zuneigung zeigen
Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten brauchen Kinder/Jugendliche viel Liebe und Zuneigung und das Gefühl, angenommen zu werden.

Trainingsfelder im Haus

  • Anleitung zu Zeitökonomie, Gesundheit, Hygiene, Ernährung
  • Einteilen von Taschengeld
  • Freizeitgestaltung
  • Erlernen und Verinnerlichung von Regeln und Normen
  • Alltagsfertigkeiten und Handlungskompetenzen
  • Verständigung über bestimmte Verhaltensregeln und Umgang miteinander
  • gewaltfreier Umgang miteinander und Respekt vor dem Eigentum anderer
  • Bereitschaft, sich auf Gemeinschaftsaufgaben einzulassen
  • Stärkung von personalen und sozialen Kompetenzen
  • Erwerb von Lernstrategien
  • Einüben in gemeinschaftliches Leben
  • Verantwortungsvolle und Rücksicht nehmende Haltung den Mitbewohnern sowie der eigenen Person gegenüber
  • Teilnahme am aktiven Leben in der Gemeinschaft
  • Schaffung einer Atmosphäre zum Wohlfühlen

Freizeitangebot

Jedes Kind wird entsprechend seinen Neigungen und Begabungen gefördert und gefordert. Aufgrund ihres Störungsbildes und gemachten negativen Erfahrungen verweigern viele Kinder und Jugendliche die Kontaktaufnahme im nahen Umfeld. Daher ist es unerlässlich, soziale Kontakte zu fördern, um das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken. Hier werden die sozialen Kontakte durch Integration in Vereinen, Jugendhäusern und durch Gemeinschaftsaktivitäten gefördert. Durch ressourcenorientierte Unternehmungen können Defizite ausgeglichen werden.

Arbeitsgrundlagen

Der Austausch über Alltagsereignisse, sowie Fallbesprechung finden regelmäßig statt. Der fachliche Austausch mit anderen fachlichen Einrichtungen ist selbstverständlich. Die pädagogische Leitung überprüft in regelmäßigen Sitzungen die entsprechenden Zielsetzungen.
Das betreffende Jugendamt wird in Form von Berichten über alle Entwicklungsstände des Kindes und Jugendlichen informiert.

Regelmäßige Supervision, Fort-und Weiterbildung der Mitarbeiter werden vom Träger unterstützt.

Verbundsystem

Eine Zusammenarbeit besteht mit der Schule, einem jährlichen Treffen mit anderen Wohnprojekten, mit den Ärzten, Sportvereinen und Jugendämtern und Therapeuten.

Partizipation
Es ist der Betreuungsstelle ein Anliegen, alle Ereignisse, Vorhaben und Entscheidungen, welche die Kinder und Jugendlichen betreffen, mit diesen zu besprechen, sie an Entscheidungen zu beteiligen und im Konfliktfall zu einer möglichst einvernehmlichen, pädagogisch sinnvollen Lösung zu kommen.

Beschwerdemanagement

Die Kinder und Jugendlichen haben die Möglichkeit der Beschwerdeführung bei den regelmäßigen Besuchen des Koordinators, ggf. des Vormundes und bei den Hilfeplangesprächen. Sie können auch entsprechende telefonische Kontakte aufnehmen, ohne dass die Betreuer während der Telefonate zugegen sind. Ebenso steht ihnen die Möglichkeit offen, sich schriftlich an Koordinator, Jugendamt und Vormund zu wenden.

Qualitätssicherung

Die Qualität der Arbeit wird in dieser Betreuungsstelle sichergestellt durch:

  • kontinuierliche Projektbesuche und Beratungsgespräche mit der Koordination
  • regelmäßigen Austausch mit dem zuständigen Jugendamt / Entwicklungs-berichte / Hilfeplan
  • Kollegiale Intervision bzw. Supervision
  • Austausch mit anderen Projektstellen von “QuoVadis-Jugendhilfeprojekte“
  • Fortbildungen
  • Dokumentation