Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen



Betreuungsstelle Wuppertal Musketiere I

Zielgruppe

Das Angebot richtet sich an bis zu 4 männlichen Kindern und Jugendliche ab 12 Jahren, die prägende Erfahrungen von elterlicher Gewalt und Sucht, Vernachlässigung und Traumatisierung machen mussten. Auch richtet sich das Angebot an Jugendliche, die aufgrund ihres negativen Sozialverhaltens Anpassungsprobleme im Elternhaus, in der Schule und ihrem sozialen privaten Umfeld oder aber auch in stationären Einrichtungen hatten und an solche, die als sogenannte Trebegänger ohne festen Wohnsitz und sozialen Bezug leben.
Der Verbleib des einzelnen Jugendlichen in der individual- pädagogischen Betreuung ist grundsätzlich bis zum frühen Erwachsenenalter möglich.
Dabei arbeitet die Betreuungsstelle intensiv mit der Betreuungsstelle „musketiere II“ zusammen. Die pädagogischen Leiter beider Einrichtungen bieten ein ganzheitliches, altersgerechtes und mitwachsendes Betreuungs-konzept, wobei die Jugendlichen stufenweise und ohne Beziehungsabbrüche in ein möglichst selbstständiges Leben begleitet werden. Zunächst sollen die Jugendlichen stabilisiert werden, um wieder einem geregelten Alltag nachgehen zu können. Individuell werden hierzu mit den einzelnen Jugendlichen kurz-, mittel- und langfristige Ziele erarbeitet. Dabei haben die Jugendlichen die Möglichkeit, ab einem gewissen Alter und insbesondere Reifestand, in die Betreuungsstelle der „musketiere II“ zu wechseln. Hier werden die Jugendlichen in Zweier- Wohngemeinschaften weiterhin im Alltag intensiv begleitet. Es erfolgt eine räumliche Trennung, die Jugendlichen erleiden keine Beziehungs- oder sonstigen sozialen Abbrüche.
Im Anschluss an die stationäre Betreuung wird dem Jugendlichen schrittweise eine zielgerichtete Verselbstständigung in Form einer engen Betreuung in einer eigenen Wohnung angeboten. Dabei sollen die Jugendlichen auf die in der Betreuungsstelle bereits etablierten und vertrauten Strukturen/ Personen zurückgreifen können. Auf diese Weise soll ihnen behutsam der Weg in ein selbstständiges Leben bereitet werden.

Ausschlusskriterien

Kinder und Jugendliche, die unter psychotischen oder akuten Suchterkrankungen leiden, durch eigene Gewalttätigkeit gegenüber anderen Kindern oder früheren Betreuern und durch sexuellen Missbrauch Anderer aufgefallen sind, können leider nicht aufgenommen werden.

Standort

Wuppertal liegt im „Bergischen Land“, hat über 340.000 Einwohner und ist über Autobahnen und öffentliche Verkehrsmittel leicht und schnell erreichbar. Vorteile des Wohnens im Zentrum von Wuppertal sind z.B. der kurze Schulweg (z.T. nur ca 5-10 min.) zu den Grund-, Haupt- und Förderschulen sowie weiterführenden Schulen. Nahegelegene Sportvereine und andere Freizeiteinrichtungen sind durch eine gute infrastrukturelle Anbindung bequem zu erreichen.
Wuppertal bietet eine Vielfalt an kulturellen Einrichtungen (Theater, Kinos, Musikvereine, etc.), Vereinen, Sport- und anderen Freizeitangeboten (Schwimmbäder, Skating-Bahnen, Bowling), welche die Jugendlichen nutzen können und sollen. Ebenso sind die in Wuppertal praktizierenden Ärzte, Kinderärzte und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten sowie Krankenhäuser (Helios- Klinik, Agaplesion-Klinik) auf Grund der relativ zentralen Lage gut erreichbar.
Die Betreuungsstelle liegt mitten im historischen Stadtquartier Brill in Wuppertal. Das zum Teil denkmalgeschützte Briller Viertel grenzt an den kulturellen Ölberg und befindet sich nur wenige Gehminuten entfernt vom Stadtzentrum. Die Umgebung bietet viele Unternehmungsmöglichkeiten und ist von mehreren kleinen Grünanlagen und der stillgelegten, begrünten Nordbahntrasse (ein Highlight des Viertels) umgeben. Diese verläuft über 15 km von Wuppertal-Wichlinghausen nach Wuppertal-Vohwinkel, ist eine verkehrsberuhigte grüne und waldreiche Bahntrasse, bietet zahlreiche benachbarte lokale Sehenswürdigkeiten und eignet sich besonders für Spaziergänge und Fahrradtouren.
In einer knapp 200 qm großen, kernsanierten Altbau-Villa im Herzen des altehrwürdigen Stadtviertels können die Jugendlichen gemeinsam mit ihren Betreuern auf drei großzügigen Etagen leben. Im Erdgeschoss befindet sich ein Multifunktionsbereich für z.B. Einzel- und Gruppengespräche. Den Kindern/Jugendlichen steht hier unter altersgemäßer Aufsicht ein Computerplatz zur Verfügung, z.B. für Schulrecherchen. Neben dem vorhandenen Betreuerzimmer gehört zur Erdgeschosssituation eine weitere Küche und der angrenzende, gepflegte Blumengarten, der z.B. zu gemeinsamen Grillabenden mit den Jugendlichen der Betreuungsstelle einlädt. Die Betreuungsstelle selbst bietet Platz für vier Jugendliche und gewährt jedem der zu betreuenden Jungen ein eigenes Zimmer als persönlichen Rückzugsort. In der ersten Etage trifft man sich in der Küche, isst gemeinsam im Esszimmer oder nutzt den multifunktionalen Gemeinschaftsraum mit ausreichend Unterhaltungselektronik und gemütlicher Sitzatmosphäre für ruhige DVD- oder Spiele-Abende. Hier befindet sich auch eins der vier Zimmer für die Kinder/Jugendlichen.
Auf der zweiten Etage befinden sich die weiteren 3 hellen und großräumigen Zimmer der Jugendlichen. Beide Etagen sind jeweils mit einem eigenen Bad samt Dusche ausgestattet.

Betreuungssetting

Die individual-pädagogische Betreuungsstelle musketiere-jugendhilfe, mit innewohnender Fachkraft, wird geleitet von einem staatl. anerkannten Erzieher, dessen privater Bereich sich im ausgebauten Dachgeschoss befindet. Durch die großzügige räumliche Aufteilung wird jedem Bewohner des Hauses die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung gegeben, gleichzeitig ermöglicht die unmittelbare Nähe aber auch eine feste Bindung und effektive Anteilnahme am gemeinsamen Leben. Durch die permanente Verfügbarkeit der Betreuer wird den Jugendlichen ein stabiles Umfeld geboten.
Der leitende Betreuer hat vor seinem Examen als staatl. anerkannter Erzieher ein duales Studium zum Maschinenbau- Ingenieur mit integrierter Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert und mehrere Jahre Berufserfahrung vorzuweisen. Er ist aufgrund seiner Persönlichkeit und Lebenserfahrung in der Lage, schnell einen guten Kontakt gerade auch zu schwierigen Jugendlichen herzustellen. Er kann Jugendliche gut motivieren und begeistern, gleichzeitig Grenzen setzen und konstruktive Ziele gemeinsam mit den Jugendlichen erarbeiten. Mit seiner klaren Haltung und Wertvorstellungen bietet er sich als konstruktives Identifikationsobjekt für die sich entwickelnden Jugendlichen an. Zusätzliches, entsprechend qualifiziertes und persönlich geeignetes Personal, vervollständigt das Team.

Betreuung/Methoden

Die Lebensgemeinschaft ist gekennzeichnet durch die fachliche, aber auch den Betreuerpersönlichkeiten immanente akzeptierende und wertschätzende Haltung gegenüber den Kindern und Jugendlichen. In angstfreier Atmosphäre erfahren die Jugendlichen ein stabiles Beziehungsangebot, sowie einen klar strukturierten Alltag. Hierzu gehört die Teilnahme an alltäglichen Ritualen wie gemeinsames Essen und das Feiern von Familienfesten aber auch die Mithilfe im Haushalt, wie z.B. beim Kochen oder Putzen. Die Verantwortung für und die Gestaltung des eigenen Zimmers werden gemeinsam erarbeitet. So bieten die Betreuer die Chance, tragfähige und fördernde Beziehungen kennenzulernen und aufzubauen, welche viele Kinder und Jugendlichen bisher entbehrten.
Die Kinder und Jugendlichen werden angeregt, sich sportlich zu engagieren, sei es durch Teilnahme an den Sportaktivitäten der Betreuer, sei es durch Engagement in einem Sportverein. Erfahrungsgemäß spielen Spaß und das positive Vorbild der Betreuer beim Erlernen einer sinnvollen und erfüllenden Freizeitgestaltung eine wichtige Rolle.
Auf diesen Grundlagen können emotionale Probleme und Defizite, die sich auf das Sozialverhalten auswirken, aufgearbeitet und gleichzeitig neue Perspektiven für die eigene Zukunftsgestaltung entwickelt werden. Es können neue Verhaltensweisen eingeübt und das Einhalten von Absprachen und Regeln sowie die verantwortliche Übernahme von Aufgaben besprochen werden.
Unterstützung in der schulischen Entwicklung, gegebenenfalls auch bei der beruflichen Perspektivfindung wird gegeben. Die Betreuer suchen und pflegen den persönlichen Kontakt zu den Klassenlehrern, den Praktikumsgebern oder den Berufsausbildern der Betreuten und vermitteln in Konfliktsituationen.
Da die Jugendlichen in ihrer Pubertät aufgenommen werden, ist die Aufarbeitung ihrer psychosozialen Entwicklung ein wichtiges Anliegen. Sobald sich eine konstruktive Beziehung entwickelt hat, werden dazu immer wieder Gesprächsmöglichkeiten angeboten. Es wird Wert auf zusätzliche Unterstützung z.B. zur Aufarbeitung von traumatischen Kindheitserfahrungen gelegt, die bei den örtlichen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten angefragt werden kann. Die Betreuer sehen und anerkennen die bereits vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten der Jugendlichen und helfen ihnen, diese konstruktiv zu nutzen. Dabei wird sich an verschiedenste Methoden orientiert, wie zum Beispiel der Biografiearbeit oder dem lösungsorientierten Ansatz. Durch die ständige Erreichbarkeit des Betreuers ist die notwendige, personelle Stabilität gegeben. Ebenso besteht eine 24-stündige Krisenbereitschaft durch den Koordinator/bzw. den/die Vertreter/in.

Betreuungsziele

Fernziel der Arbeit ist die Hinführung der Kinder und Jugendlichen zu einem autonomen und eigenverantwortlichen Leben. Zu den pädagogischen und therapeutischen Zielen gehören:

  • Aufbau einer vertrauensvollen, tragfähigen Beziehung zu den Erziehenden
  • Festigung und Förderung eines positiven, realistischen Selbstwertgefühls und Wertesystems
  • Entwicklung eines Verständnisses für den Sinn von Regeln und Strukturen und deren Einübung
  • Vertrauen in eigene Stärken und Fähigkeiten aufbauen
  • Stärkung der Sozialkompetenz
  • Motivation und Neugier für neue Erfahrungen wecken
  • Förderung von Konzentration, adäquater Wahrnehmung und Ausdauer
  • Frustrationstoleranz steigern
  • Lernen, konstruktiv mit Konflikten und Herausforderungen umzugehen
  • Förderung von Eigenverantwortung und Selbständigkeit, auch im Umgang mit Medien
  • Wenn möglich, die Eltern in die Arbeit einbeziehen
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie
  • Erforderlichenfalls behutsame Aufarbeitung von Traumata und Entwicklung von Bewältigungsstrategien in Zusammenarbeit mit Therapeuten
  • regelmäßiger Schulbesuch mit dem langfristigen Ziel eines erfolgreichen Ausbildungsabschlusses
  • Vorbereitung auf die Verselbständigung

Elternarbeit

Für die jugendliche Identitätsentwicklung ist gerade in der Pubertät die Aufarbeitung der eigenen Biografie essentiell. In den Aufnahme-Hilfeplangesprächen und den weiteren HPGs wird, wenn möglich, die Kooperation mit der Herkunftsfamilie (Eltern, Geschwister) besprochen und vereinbart, so dass diese miteinbezogen wird in wichtige Entscheidungen und die Zukunftsplanung für ihr Kind. Dazu gehört auch die Regelung von Besuchs- und Telefonkontakten. Die Eltern können wertvolle Informationen über die Entwicklung ihres Kindes beitragen und durch eine gelungene Zusammenarbeit die weitere Entwicklung fördern. Dazu können Besuchs- und Telefonkontakte zwischen Eltern und Kindern hilfreich genutzt werden wie auch der niedrigschwellige Austausch zwischen Eltern und Betreuern. Im Falle unterschiedlicher Vorstellungen oder Konflikte kann die Koordination jederzeit vermittelnd und/oder beratend eingeschaltet werden.

Partizipation

Es ist der Betreuungsstelle ein Anliegen, alle Ereignisse, Vorhaben und Entscheidungen, welche die Kinder und Jugendlichen betreffen, mit diesen zu besprechen, sie an Entscheidungen zu beteiligen und im Konfliktfall zu einer möglichst einvernehmlichen und pädagogisch sinnvollen Lösung zu kommen.
Innerhalb des Settings bieten z.B. die gemeinsamen Mahlzeiten und Gemeinschaftsspiele im Wohn- und Esszimmer eine ausgezeichnete Möglichkeit, Freizeitaktivitäten, Ferien u.a. zu besprechen.

Beschwerdemanagement

Die Kinder und Jugendlichen haben die Möglichkeit der Beschwerdeführung bei den regelmäßigen, monatlichen Besuchen des Koordinators, ggf. des Vormundes und bei Hilfeplangesprächen. Sie können auch entsprechend telefonische Kontakte aufnehmen, ohne dass die Betreuer während der Telefonate zugegen sind. Ebenso steht ihnen die Möglichkeit offen, sich schriftlich oder telefonisch an Koordinator, Jugendamt, Vormund, Kontaktpersonen aus der alten Umgebung und Eltern zu wenden. Jeder Jugendlicher erhält zu Beginn der Betreuung ein Informationsblatt mit seinen Rechten.

Qualitätssicherung

Die Qualität der Arbeit wird sichergestellt durch:

  • In der Regel 14-tägige Besuche und Beratungsgespräche mit der Koordination
  • Austausch mit dem zuständigen Jugendamt
  • Entwicklungsberichte/ Hilfeplan
  • Kollegiale Supervision bzw. Einzelsupervision
  • Austausch mit anderen Betreuungsstellen von QuoVadis-Jugendhilfe
  • Fortbildungen
  • Dokumentation

Gesetzliche Grundlage

Das Betreuungsangebot auf den Grundlagen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (SGB VIII, §§ 34 und 41) ist ein Regelplatzangebot mit einem Betreuungsschlüssel von 1:2.

Stand März 2019