Betreuungsstellen - Auslandsmaßnahmen

Motivationsreisen Skandinavien

Individualpädagogisches Reiseprojekt in Skandinavien

”Motivationsreisen” bieten dem Jugendlichen durch ein zeitlich begrenztes Projekt, die Möglichkeit einer Neuorientierung.
Es sollen Interessen geschaffen und verstärkt werden, die zu einem aktiven und gesunden Lebensstil führen können und sollen.
Angesprochen werden Jugendliche, die eine Auszeit außerhalb der gewohnten Strukturen ihres Alltags benötigen. Sie werden weit ab von üblichen Ablenkungen und elektronischen Medien unterstützt, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken.
Während des gemeinsamen Weges soll dem Jugendlichen die Möglichkeit gegeben werden, sich und sein Handeln zu reflektieren, um ihn zu geregelten Strukturen und mehr Selbstbewusstsein im Alltag zu führen.
Gemeinsam mit den Betreuern soll ein Gemeinschaftsgefühl der Sicherheit und Verlässlichkeit geschaffen werden. Im Mittelpunkt stehen Erlebnisse und Aktivitäten in der skandinavischen Natur und Kultur.

Gesetzliche Grundlage

Das individual- und erlebnispädagogische Projekt in Skandinavien bietet ein zusätzliches Angebot im Regelhilfesystem der Jugendhilfe und richtet sich auch an Jugendliche in besonderen Krisensituationen.
Die Maßnahme beruht auf der Rechtsgrundlage des §§ 27 i.V.m. §35 SGB VIII als individualpädagogisches Einzelprojekt.
Diese pädagogisch veranlasste Hilfe verfolgt die in dem Hilfeplan nach § 36 SGB VIII definierten sozialpädagogischen Ziele.

Zielgruppe

Das Angebot richtet sich an Jugendliche in schwierigen, unübersichtlichen Lebensphasen, die eine gewisse Zeit benötigen, um sich in ihrem Leben neu zu orientieren, neue Ziele erarbeiten und neue Motivation erhalten.
Bei der Ausarbeitung eines Programms soll dabei genau auf die Lebenssituation und Bedarfe der Jugendlichen geachtet werden.
Auf die Fähigkeiten und Interressen wird dabei genauso geachtet, wie auf Ängste, Defizite und Problematiken.

Ziele der Motivationsreisen

  • Entwickeln neuer oder Stärken vorhandener Interessen
  • Erfahren von Freude, Gemeinschaft, Spaß am Lernen
  • physische Herausforderungen, wie Sport oder körperliche Arbeit erfahren
  • Stärkung der Selbständigkeit und Kreativität
  • Öffnen des eigenen Horizont und der Erlebniswelt
  • Entwickeln sozialer Kompetenzen, Erfahren und Eingliedern in eine soziale Gemeinschaft
  • Lösungsstrategien erarbeiten
  • Erstellung eigener Ziele und deren Umsetzung ermöglichen
  • Erfolg erleben
  • Sprachbarrieren überwinden

Auf der Reise sollen die Jugendlichen auf existenzielle Bedarfe zurückgeführt werden, sowie Werte erkennen wie z.B. Nahrung, Kleidung oder Kultur.

Sie werden sich mit „sich selbst auseinandersetzen durch Stille in der Einsamkeit“. In verschiedenen Phasen wird der individuelle „sitspot“ vorbereitet. Die Jugendlichen werden dabei Ressourcen bilden für anstehende Aktionen. Hierzu gehören Fitness, Ausdauer und Orientierung. Sie werden Grenzerfahrungen machen durch körperliche Aktivitäten in der Natur. Hierzu gehören Fahrrad- und Wandertouren, Fische fangen an den Flüssen bzw. Nachtwanderung
Abends wird der Tag reflektiert. Das Erlebnis, gemeinsam eine vorher festgelegte Strecke zu überwinden, wird den Jugendlichen und seinen Begleiter zu einem Team zusammen schweißen.

Aufeinander achten und Rücksicht nehmen, die Verantwortung für die gemeinsame Ausrüstung tragen, das gemeinsame Verzichten auf die gewohnten Dinge im Alltag und das Zubereiten gemeinsamer Mahlzeiten, gibt dem Jugendlichen die Möglichkeit,
neue Beziehungsaspekte, sowie neue Handlungsmöglichkeiten und –notwendigkeiten zu erlernen und auszuprobieren.

Eine klare Tagesstruktur ergibt sich aus der Natur des Projektes. Es wird Wert auf die besonderen Bedarfe, die Stärken und Interessen des Jugendlichen gelegt.

Die sich aufbauende Beziehungsstruktur, welche ausgewogen an Anerkennung sowie Grenzsetzung und an Rückhalt sowie Anforderung ist, fördert die Selbstständigkeit und somit eine positive Entwicklung der Persönlichkeit.

Besonders hervorzuheben ist das gemeinsame Erleben der Jugendlichen zusammen mit den Betreuern. Es wird speziell für jeden Jugendlichen darauf geachtet, ihn im Laufe des Projektes nicht zu überfordern. Mehrtägige/-wöchige Wanderungen/ Reisen werden nur mit dem nötigsten Gepäck und Ausrüstung durchgeführt. Gemeinsames planen und erreichen der Tagesziele, sowie Zubereiten der Mahlzeiten und das Reflektieren des erlebten Tages, gehört zum Konzept.

Die Jugendlichen sollen hierbei mehr und mehr erfahren, eigene Verantwortung für sich, die Betreuer sowie der Ausrüstung zu übernehmen. Dies kann zu einer erheblichen Steigerung des Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens führen.
Auch das Erleben von Stille, Abgeschiedenheit und Ruhe inmitten überwältigender Natur ist ein wichtiges Instrument, den Focus zu verändern und ein Auseinandersetzen mit sich selbst und seiner Lebenssituation zu erreichen.

Sie werden Nahrung direkt aus der Natur erhalten, wie Wasser, Beeren, Pilze, Kräuter, Fisch und vieles mehr entdecken.
Ebenso ist das Erproben und Erleben evtl. neuer sportlicher Aktivitä-ten, das damit verbundene Lernen, Einüben und Wiederholen ein zentraler Punkt. Dazu gehört auch ein evtl. anfängliches Versagen, sowie der Umgang damit, kontinuierliches Üben und Trainieren bis hin zum Erfolg und ein damit verbundener Motivationschub.

Die eigene Begeisterung und Freude für den Aufenthalt in der Natur, sportliche Aktivitäten aller Art, positives Lebensbild, Naturverbundenheit, Spaß und Lebensfreude, sind die zentralen Punkte, die den Betreuern wichtig erscheinen, um sie mit Jugendlichen zu teilen.

Betreuer

Für die Durchführung der Reisen werden sich zwei Betreuer hauptverantwortlich zeigen. Sie sind davon überzeugt, dass Jugendliche durch Natur, Sport und Spaß zu einem besseren, gesünderen und alternativen Lebensstil mit einem gestärkten Selbstwertgefühl motiviert werden können.

Die Betreuerin ist in Österreich geboren und aufgewachsen. Wandern, Klettern, Skitouren- und Snowboard fahren gehören zu ihren Hobbies. Sie lebt auf einem Segelschiff an der schwedischen Ostküste. Nach Abschluss ihres Studiums in Sonderpädagogik kam sie 2014 nach Schweden und absolvierte einen Masterabschluss in „Outdoor & Environmental Education“. Während der letzten Jahre konnte sie Erfahrung im Bereich der Behindertenarbeit sowie im Umgang mit Kindern und Jugendlichen sammeln.

Der Betreuer ist ein 27 jähriger Norweger, verfügt über gute Deutsch- und Englischkenntnisse. Seit jungen Jahren betreibt er aktiv die Natur- und Outdoor- Sportarten wie Wandern, Klettern und Kitesurfen. Er war etwa sieben Jahre Skilehrer, Bergführer und Sporttrainer für Kinder und Jugendliche. Er hat spezielle Ausbildungen in Überlebenstechniken, Sicherheit, Erste-Hilfe-, Offshore-, Brandschutz- und Lawinenrettung. Der Betreuer ist sehr gut vertraut mit der Region, deren Natur und Besonderheiten
Praktische Umsetzung

Mehrtagestour

In Nordöland, Insel östlich von Schweden, zum Hechtangeln. Mit Fahrrädern evtl. einige Tage über Öland fahren, Erkunden und Erleben der Natur, ebenso wie die einzigartige Geschichte der Insel kennenlernen. Das Besichtigen von Burgen, Steinzeitsiedlungen u.v.m. kann ebenfalls eine Möglichkeit sein. Eine Tour mit einem Segelboot zum Dorschangeln und Auslegen von Fischernetzen kann in das Programm eingearbeitet werden. Ein täglicher Aufbau des Nachtlagers mit Lagerfeuer, gemeinsames Zubereiten und Einnehmen der Mahlzeiten, vorzugsweise selbstgefangenen Fisch, selbstgeplückte Kräuter, Salat usw. Gemeinsames Reflektieren und Ausklingen des Tages, sowie anschließende Übernachtung sind täglich wiederkehrende Rituale zum Stärken eines Gruppengefühls.

Mehrwöchige Tour in Skandinavien

Es kann eine Tour nach Norwegen zur Hardangervidda angeboten werden. Die Reise führt über die Berge bis zum Fjord und dem Meer.
Durch das verzweigte Wegnetz des norwegischen Touristenvereins stehen etliche Möglichkeiten zur Verfügung, so dass Touren verschiedenster Schwierigkeitsgrade und Herausforderungen, die der jeweiligen Situation angepasst werden können, möglich sind. Das kann sowohl die körperliche und mentale Verfassung des Jugendlichen als auch die Witterung und die Jahreszeit sein.

Vom Touristenverein werden auch sehr viele Hütten zum Ausleihen angeboten, in denen man rasten aber auch übernachten kann.
Durch die lange gemeinsam verbrachte Zeit und der gemeinsamen Herausforderung, sowie immer wiederkehrende Rituale (Lager aufschlagen, Essen beschaffen und zubereiten), bildet sich ein gegenseitiges Gefühl der Vertrautheit, Offenheit und Sicherheit. Dies ermöglicht den Betreuern, die Jugendlichen zu erreichen.
Bei vielen Gelegenheiten, inmitten beeindruckender Natur und absoluter Stille, finden sich viele Sitspots zum Verweilen.

Qualitätssicherung

Eine enge Zusammenarbeit in der Gesamtverantwortung der für den Hilfeprozess beteiligten Personen, dem jeweiligen Jugendamt und den Sorgeberechtigten, ist unerlässlich. Ein gut funktionierender Informationsfluss wird somit sichergestellt.

Das Projekt wird von einer Koordinatorin (dipl. Soz.Arbeiterin) fachlich begleitet und unterstützt. Eine unmittelbare Information und Dokumentation bei unvorhergesehenen Zwischenfällen ist gewährleistet. Bei Notfällen ist eine 24-stündige Rufbereitschaft bzw. Erreichbarkeit sichergestellt.

Der enge Kontakt zur Koordinatorin in Deutschland, sowie der Kontakt zum „Standprojekt Schweden“ von QuoVadis-Jugendhilfe lässt eine schnelle und adäquate Handlung und Problemlösung zu.
Die Leitlinien des Bundeskinderschutzgesetzes des Trägers QuoVadis-Jugendhilfe mit Beschwerdekonzept und Partizipationen werden in dem Reiseprojekt umgesetzt.

Stand: Juni 2016