Betreuungsstellen - Auslandsmaßnahmen



Betreuungsstelle Zypern Girne

Projektleiterin

Bornova ist der Heimatort der Projektleiterin. Sie war 16 Jahre in Frankfurt wohnhaft und hat dort die Realschule besucht. Vor einigen Jahren kehrte sie mit ihrer Mutter in die Heimat Türkei zurück und studierte dort Psychologie. Ihr Studium hatte den Schwerpunkt Orientierung und Beratung von Kindern und Jugendlichen.

Die Mutter der Projektleiterin lebt und arbeitet auch als Krankenschwester in Izmir. Sie ist zudem auch als Erzieherin tätig.
Die Familie lebt weiterhin in Deutschland, der Kontakt wurde immer beibehalten. Die Eltern der Projektleiterin lebten vor 30 Jahren auf Zypern, aus diesem Grund haben sie die zyprische Staatsbürgerschaft. Die Projektleiterin hat diese ebenfalls. Zypern ist bekannt für die gemeinschaftliche Ruhe, deshalb bevorzugt die Projektleiterin die wunderschöne Insel auch für das soziale Projekt. Durch die Ruhe auf Zypern besteht die Möglichkeit, die Stabilität und das Sozialverhalten der Kinder zu stärken.

Die Projektleiterin hat sich in der Studentenzeit 5 Jahre mit Kampf-sport (Boxen) beschäftigt und hat in der Zeit vieles lernen können, was sie den Jugendlichen beibringen kann, z. B. wie sie sich in stressigen Situationen zu verhalten haben. Anti-Aggressionstraining stärkt das Selbstvertrauen und ist eine gute Option, die Aggressivität der Jugendlichen zu kontrollieren.

Erziehungsziele

Die Entwicklung einer Persönlichkeit mit eigenen Interessen, Ideen, Wünschen und einem positiven, realistischen Selbstbild ist eines der Erziehungsziele, die erfahrungsgemäß unterstützungsbedürftig sind.

  • Förderung der Wahrnehmung, Körperkoordination, Handlungsplanung, Motivation und Konzentration
  • Förderung der emotionalen Kompetenzen wie das Benennen eigener Gefühle, das angemessene Äußern dieser sowie deren Regulation
  • Unterstützung der sozialen Fertigkeiten, Kontaktanbahnung, Empathie, realistische Einschätzung von Interaktionen, Umgang mit Konfliktsituationen
  • Aufbau von Vertrauen in die Beständigkeit von Beziehungen sowie Unterstützung des Aufbaus und der Pflege von Freundschaften
  • Verinnerlichen und Einhalten von Regeln, Erkennen von angemessenen Verhaltensweisen ohne die Notwendigkeit
    der Regulation von außen (Fernziel)
  • Alltagskompetenzen stärken sowie Eigenständigkeit entwicklungsgemäß unterstützen, zulassen und einfordern
  • Autonomie in der Gestaltung und Bewältigung des Alltags (Fernziel)

Erziehungsmethoden

Um Erziehungsziele umsetzen zu können, braucht es ein kontinuierliches und sicheres Beziehungsangebot. Das Verständnis seitens der Jugendlichen für ein funktionierendes Miteinander im kleinen Betreuungssystem und dessen Übertragung auf größere Systeme wie Schule, Verein, Ausbildung etc. gelingt nur über die Verknüpfung mit Emotionen. Da empathische, aber auch kognitive Fähigkeiten von traumatisierten Jugendlichen oft eingeschränkt sind, suchen und benötigen sie überaus mehr soziale Rückversicherung bei den Bezugspersonen als andere Jugendliche. Ein Verständnis für erfreuliche und angemessene Verhaltensweisen und die realistische Einschätzung von Interaktionen funktioniert nur bei einer Mischung aus promptem Feedback, äußern von eigenen Emotionen unterstützender verbaler Erklärungen und dem Aufzeigen von Konsequenzen.

Eine tragfähige positive Beziehung entsteht nur durch gemeinsame schöne Erlebnisse.

Die Jugendlichen werden darin unterstützt, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Dabei ist es einerseits wichtig, Freude über deren positives Verhalten zu zeigen, Bemühungen und kleine Entwicklungsschritte zu loben oder sogar zu bestaunen. Andererseits ist es notwendig, prompt und klar zu spiegeln, welche Verhaltensweisen unangebracht sind, weil durch diese emotionaler oder auch materieller Schaden entstehen kann.

Dennoch gilt es immer wieder die Chance und das Vertrauen zu geben, noch mal die gleichen Situationen auszuprobieren und dann unter Berücksichtigung der Regeln und Vereinbarungen vielleicht auch bewältigen zu können.

Der strukturierte Betreuungsalltag bietet vielfältige Möglichkeiten, die Kompetenzen der Jugendliche zu entwickeln und zu stärken. Sie erhalten einen vorgegebenen zeitlichen und räumlichen Rahmen und werden entwicklungsangemessen eingebunden. Beginnend damit, sich selbst versorgen zu lernen (Zimmer in Ordnung halten, Körperhygiene), erhalten sie nach und nach Aufgaben innerhalb des Betreuungsalltags (Tisch mit decken, Essen vorbereiten, waschen etc.).

Im gemeinsamen Spiel oder Aktionen werden diverse Fertigkeiten ebenso gefördert wie bei den Hausaufgaben oder in Lernsituationen.

Die benötigte Anleitung und enge Begleitung wird sichergestellt, damit die Jugendlichen sicher und mit Freude agieren und sich entwickeln können.

Zielgruppe

  • Jugendliche von 12 – 18 Jahren
  • Jugendliche und junge Heranwachsende, die aggressives Verhalten und erste Anzeichen zu organisierter Kriminalität zeigen
  • Jugendliche mit mangelndem Selbstvertrauen
  • Jugendliche mit Leistungsverweigerung
  • Jugendliche mit Aggressivität
  • Jugendliche mit starkem Misstrauen und Neigung zur Selbstzerstörung etc.

Nicht das Problem steht im Vordergrund, sondern die Suche nach Lösungen und die Unterstützung mit diesen Problemen umzugehen. Wege aus der Perspektivlosigkeit und Konfliktlösungsstrategien sollen erlernt werden. Im Vordergrund steht der Aufbau einer räumlichen und persönlichen Distanz zum früheren Milieu. Es wird bei der Identitätssuche mit pädagogischer Begleitung geholfen. Die Persönlichkeit orientierungsloser Jugendlicher soll auch durch Ankopplung an intakte Familienstrukturen in Zypern stabilisiert werden. Durch das Anti-Aggressionstraining und dem Boxsport werden Aggressionspotenziale kanalisiert.

Es soll nach Absprache mit den Jugendämtern die Rückkehr nach Deutschland vorbereitet werden, die dann auch eng und unmittelbar mit der Projektleiterin durchgeführt wird.

Aufnahmekriterien

Das Zypernprojekt ist geeignet für:

  • Jugendliche mit Angstblockaden und Konflikten im Alltag
  • Jugendliche mit langem unzureichendem Schulbesuch
  • Jugendliche, die eine räumliche Distanz zur Herkunftsfamilie als Neuorientierung brauchen
  • Jugendliche, die durch delinquentes Verhalten auffielen
  • Jugendliche, die von Familienmitgliedern in ihrer seelischen und körperlichen Unversehrtheit bedroht werden
  • Jugendliche, die Erfahrungen im Suchtverhalten haben, jedoch nicht mehr akut abhängig sind
  • Jugendliche, die aufgrund von mehrfachen Problemfeldern eine Auszeit und einen Abstand benötigen

Ausschlusskriterien

  • Akute drogen- und akute alkoholabhängige Jugendliche
  • Tierquäler
  • Stark körperbehinderte Jugendliche

Wohnort und Umfeld

Das Projektwohnhaus ist ca. 220 qm. Vier gemütliche Zimmer stehen für die zu betreuenden Jugendlichen zur Verfügung. Des Weiteren gibt es ein Nebengebäude und einen Pool. Das angrenzende Meer mit Strand, sowie das eigene Grundstück, bieten viele Möglichkeiten für verschiedene Aktivitäten.

Das Umfeld der Projektstelle ist geprägt von Menschen mit hoher Bereitschaft zu kooperieren und durch professionelle oder ehrenamtliche Tätigkeiten in der Gemeinde. Die Marktgemeinde Girne ist ein idyllisch gelegener Ort. Zwischen Lefkosa und Alsancak, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Der Ort ist sehr ländlich.

In der Umgebung befinden sich mehrere Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote. In der Gemeinde finden sie ein differenziertes Schulsystem - Grundschule, Hauptschule und Universität.

Das Freizeitangebot ist geprägt von verschiedenen Sportvereinen. Auf Zypern befinden sich verschiedene Rad- und Wanderwege, sowie diverse Sportmöglichkeiten (Tennis, Fußball, Reiten, Boxsport, Wassersport aller Art etc.).

Diverse Arztpraxen verschiedener Fachrichtungen, sind ebenfalls vor Ort. Physiotherapeutische Praxen mit Ergotherapie sind ebenfalls vorhanden.

Geographie
Zypern ist die drittgrößte Insel des Mittelmeers. Sie wird geografisch Asien, politisch und kulturell jedoch Europa zugeordnet. Der Großteil der Bevölkerung ist griechischsprachig. Englisch ist allgegenwärtig und als Geschäfts- und Behördensprache fest etabliert. Die wichtigste Stadt ist die Hauptstadt Nikosia, die wirtschaftlich bedeutende Hafenstadt Limassol und Larnaca mit den größten Flughäfen der Insel.

Partizipation

Die Kinder und Jugendlichen können jederzeit ihre Wünsche anbringen, z. B. was die Freizeitgestaltung betrifft oder auch Kritik äußern. Die Pädagogen fragen die Kinder und Jugendlichen regelmäßig nach ihren Wünschen und nehmen diese auch ernst und setzen sie, wenn es möglich ist, um.

Freizeitaktivitäten werden mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam geplant. Vor den Hilfeplangesprächen wird ein Entwicklungsbericht erstellt, wo je nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen, ebenfalls die Möglichkeit besteht, sich einzubringen und Wünsche zu formulieren. Diese werden dann im HPG gemeinsam mit dem Jugendamt besprochen.

Beschwerdemanagement

Der Koordinator der Projektstelle bietet durch die regelmäßigen Besuche ein Vertrauensverhältnis für die Jugendlichen als unabhängiger Ansprechpartner außerhalb der Projektstelle. Die Jugendlichen können sich im Einzelgespräch an ihn wenden und Wünsche sowie Befindlichkeiten vortragen. Wenn erforderlich, führt der Koordinator vermittelnde Gespräche zwischen den Jugendlichen und den Pädagogen.

Stand Januar 2018