Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen



Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft Essen-Steele

Zielgruppe

Die SpLg in Essen ist ein Regelplatzangebot, mit einem Betreuungsschlüssel 1:2, für bis zu zwei Kinder und Jugendliche ab einem Alter von 6 Jahren. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche die aus unterschiedlichen Gründen vorrübergehend oder dauerhaft nicht mehr in ihrer Herkunftsfamilie leben können. Es richtet sich an junge Menschen, die prägende Erfahrungen von Vernachlässigung, Gewalt und Traumatisierung machen mussten. Junge Menschen die aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur einen erhöhten Betreuungsaufwand bedürfen und diesen besonders geschützten Rahmen und positive, wertschätzende Bindungser-fahrungen benötigen, können hier eine familienanaloge Begleitung finden.

Die Betreuungsstelle bietet tiergestützte Pädagogik. Ein kleiner Hund lebt mit im Haushalt. Die Pflege eines Pferdes, im naheliegenden Pferdehof kann tagesstrukturierend genutzt werden.

Der Verleib des jungen Menschen in der Berteuungsstelle ist grundsätzlich bis ins frühe Erwachsenenalter möglich. Im Anschluss an die stationäre Betreuung wird dem Jugendlichen eine schrittweise und zielgerichtete Verselbstständigung in einer eigenen Wohnung durch die Bezugsbetreuer angeboten.

Kinder und Jugendliche die unter akutem Suchterkrankungen leiden, können nicht in der Betreuungsstelle aufgenommen werden. Auf Grund der im Haushalt lebenden Tiere können Tierhaarallergiker ebenfalls nicht aufgenommen werden, sowie Kinder und Jugendliche die ein auffallend gewaltbereites Verhalten gegenüber Tieren haben.

Standort

Die SpLg befindet sich in Essen-Steele, nur wenige Meter von der erholsamen Ruhr entfernt. Der Stadtteil wird durch diverse soziale Projekte unterstützt und bietet die optimalen Voraussetzungen für eine Einrichtung dieser Art. Neben Kinder- und Jugendhäusern, bietet der Stadtteil ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. Die Essener Innenstadt, welche weitere diverse Freizeitmöglichkeiten, wie z.B. ein Kino oder auch eine Kletterhalle bietet, ist schnell zu erreichen. Außerdem wird den Kindern/Jugendlichen in unmittelbarer Nähe die Möglichkeit geboten, ihren individuellen Bedürfnissen in Sport- oder Kulturstätten nachzugehen.

Turn-, Schwimm- und mehrere Fußballvereine, sowie eine musische Förderung befinden sich in der Nähe der SpLG.

Es gibt neben mehreren Grundschulen, eine Gesamtschule, eine Hauptschule, sowie eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen in Essen-Steele. In den angrenzenden Stadtteilen, befinden sich mehrere Realschulen, sowie weitere Förderschulen und Berufsschulen.

Die Verkehrsanbindung sind gut und vielfältig. Es befindet sich ein S-Bahnhof in wenigen Gehminuten Entfernung.

Im Laufe der Jahre wurden vertrauensvolle Kontakte zu Kinderärzten und Kinder- und Jugendpsychatern aufgebaut. Auch Zahn-, Augen-, und Ohrenärzte sind in unmittelbarer Nähe vorhanden. Die Kinder und Jugendlichen werden dort regelmäßig vorgestellt und nehmen an allen Vorsorgeuntersuchungen teil.

In einer 110 qm großen und gut geschnittenen Wohnung können zwei junge Menschen gemeinsam mit ihren Betreuern leben. Die Wohnnung verfügt über einen großen Wohn- und Essbereich in dem das tägliche Leben statt findet. Die Kinder haben je ein frisch renoviertes und freundlich gestaltetes Zimmer, welches sie individuell mitgestalten können und sollen. Das Badezimmer, sowie die Küche werden gemeinschaftzlich genutzt. Ein Gäste-WC ist ebenfalls vorhanden.

Zudem gehört ein feststehender Wohnwagen auf einem Campingplatz in den Niederlanden zu der Betreuungsstelle. In dem Sommermonaten verbringt die SpLG nach Möglichkeit die Wochenenden, sowie ein Teil der Schulferien, mit den Kindern und Jugendlichen dort. Die weitläufige Natur bietet neben dem Leben in der Stadt andere Möglichkeiten Stress oder Aggressionen abzubauen und emotionale Satbilität zu finden. Hier können die Kinder und Jugendlichen, ohne z.B. die Ablenkung digitaler Medien, zur Ruhe kommen und sich selbst neu entdecken. Erlebnispädagogische Angebote werden hier verstärkt von der Familie zur Förderung von Selbstbewußtsein offeriert. Die Kinder erfahren einen alternativen Erlebnisraum, in dem sie spielerisch mit der Natur in Kontakt treten, natürliche Materialien ausprobieren und auf Abenteuer- und Entdeckungsreise gehen können.

Betreuer

Die ausgebildete Erzieherin (Jahrgang 1987) hat mehrere Jahre in der Heimpädagogik gearbeitet. Die Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern/Jugendlichen ist ihr somit vertraut. Zusammen mit ihrem Partner (Jahrgang 1985) der im Vormittagsbereich in einem Familienbetrieb als Automobilkaufmann tätig ist, bietet sie rund um die Uhr, für die aufgenommenen Kinder und Jugendlichen einen Ansprechpartner mit Beziehungsangebot. Durch die permanente Verfügbarkeit der Betreuerin wird den Kindern und Jugendlichen ein vetrautes und zugleich stabiles soziales Umfeld geboten.

Nach Absprache kann im Einzelfall eine Entlastungskraft das Betreuungssetting im Freizeitreich ergänzen.

Die Kinder und Jugendliche werden im Familiensystem der SpLG wohlwollend aufgenommen und integriert. In der Vergangenheit entwickelten sich daraus Kontakte analog zu Großeltern/Enkel-Beziehungen.

Methodische Grundlagen

Der Arbeit liegt ein konstruktivistisches Weltbild zu Grunde. Die pädagogische Arbeit basiert auf einer individuellen und persönlichen Beziehung zwischen der Betreuerin und den zu betreuenden Kindern/Jugendlichen. Gemeinsam wird der Alltag geplant und verbracht. Durch die permanente Verfügbarkeit der Betreuerin, wird den Jugendlichen ein stabiles, vertrauenförderndes Umfeld geboten. Kindern und Jugendlichen, in besonders schwierigen Lebenssituationen, wird die Möglichkeit gegeben, zur Ruhe zu kommen und belastende Lebensereignisse aufzuarbeiten. In einzelnen Schritten, werden die Ziele und Perspektiven des Kindes/Jugendlichen alters- und entwicklungsadäquat gemeinsam mit diesen erarbeitet. Diese entscheiden dann, welcher struktureller Rahmen und welche pädagogischen Methoden helfen, wieder unbeschwert den Alltag bewältigen zu können. Die Umsetzung ist ein Prozess, der immer wieder aufs Neue reflektiert und gegebenenfalls korrigiert wird.

Ein Tagesablauf mit Regeln und Strukturen soll den Kindern/Jugendlichen helfen, ein Gefühl von Sicherheit zu bekommen und eigene Bedürfnisse wahrnehmen und artikulieren zu können. Ein respektvolles und verantwortungsvolles Handeln sich selbst und der Umwelt gegenüber kann durch das Übernehmen von Pflichten im Haushalt, dem Garten auf dem Campingplatz, oder der Tierversorgung verstärkt werden.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit ist es, die schulische Situation der Kinder/Jugendlichen zu stabilisieren und eventuell vorhandene Defizite aufzuarbeiten. Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen, wird eine Schule ausgewählt, die den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden kann. Die Betreuerin steht im engen Kontakt mit den Lehrkräften der jeweiligen Schule, um adäquate Fördermöglichkeiten für die jeweiligen Defizite bereitstellen zu können.

Kernpunkte im Zusammenleben

Im Alltag der SplG erleben die Kinder alle Bereiche, die in einem Familiensystem gelebt werden.

  • Regelmäßigkeit in den Tages- und Wochenstrukturen
  • Einübung von lebenspraktischen Abläufen
  • Übernahme von Verantortung für sich selbst und andere Schaffung eines Wir-Gefühls
  • Vermittlung von sozialen Kompetenzen
  • Stärkung der Kommunikationskompetenz/ Ausdrücken der eigenen Bedürfnisse
  • Aushalten von Konflikten

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Alltagst ist die tiergestütze Pädagogik. Ein Hund sowie mehrere Kleintiere bewohnen ebenfalls die SplG. Ein Pferd steht im nahegelegenden Reitstall. Das Vorleben und Einführen in einen verantwortungsbewussten und wertschätzenden Umgang mit den Tieren, soll zu der Entwicklung einer gesunden sich selbst wertschätzenden Persönlichkeit beitragen. Tiere können das Gefühl der Akzeptanz, der Geborgenheit, des Zuhörens und der Freude vermitteln. Sie ermöglichen unverfänglich-en Körperkontakt, fungieren als Kontaktstifter, lieferen Gesprächsstoff und fördern motorische und kognitive Entwicklungen sowie die Eigenaktivität des Menschen. Sie unterstützen das Sozialverhalten, vor allem die Stärkung des Empathieempfinden, der Rücksichtnahme und die Akzeptanz von Grenzen. Die Zurückstellung eigener Bedürfnisse, in der Zeit der Versorgung der Tiere stärkt das Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein der Kinder und Jugendlichen.

Auch Sport und Freizeitangebote, besonders im psychomotorischen Bereich, wie Ausdauersport, Zirkeltraining oder Vereinssportarten werden angeboten und unterstütztend begleitet um das Selbstbewußtsein der Kinder entwicklungsadäquat zu fördern.

Pädagogische Ziele

Als Ziele können folgende Bereiche genannt werden:

  • regelmäßige Tagesabläufe erlernen und verstehen
  • Vertrauen in Beziehungen aufbauen und aushalten
  • soziale Normen und Werte verstehen
  • Erlernen von Regeln und deren Einhaltung
  • Erlernen eines angemessenes Konflikt- Frustrationsabbau
  • Entwicklung eines positiven Selbswertgefühls
  • Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein
  • Akzeptanz und Umgang mit der eigenen Biografie

Die SpLG als familienanaloge Lebensform soll Kindern und Jugendlichen eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten, in der sie erlernen, tragfähige Beziehungen einzugehen und einen respektvollen sowie vertrauenvollen Umgang zu leben. Grundsatz ist, das Kind wird dort abgeholt wo es steht. Der familiäre Kontext bietet die Option, negative Erfahrungen durch positive Bindungserlebnisse zu kompensieren. Ziel ist es den Kindern und Jugendlichen einen unbeschwerten Alltag zu bieten, in dem sie die
Möglichkeit haben ihre biografischen Erlebnisse, ggf. auch mit einer therapeutischen Hilfe aufzuarbeiten und anzuerkennen, damit sie zu einer starken Persönlichkeit reifen können. Die emotionale, psychosoziale und kognitive Entwicklung soll mit dem Ziel gestärkt werden, ein weitgehend selbstbestimmtes und selbstständiges Leben führen zu können. Die individuellen Stärken, Ressourcen und Fähigkeiten sowie Intersessen stehen dabei im Vordergrund.

Elternarbeit

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist, wenn möglich, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem, der untergebrachten Kinder und Jugendlichen, zu erreichen. Soweit möglich oder sinnvoll werden die Eltern in die Arbeit der Betreuungsstelle miteinbezogen. Dies wird im Rahmen der Hilfeplangespräche festgelegt.

Die Betreuer gehen davon aus, dass es für die Identitätsentwicklung des jungen Menschen wichtig ist, sich mit seinem Herkunftssystem auseinander zu setzen. Zur Auseinandersetzung des Kindes mit seiner Vergangenheit gehört die direkte Arbeit mit den Eltern durch Informationsaustausch, die Biografie-Arbeit mit dem Kind/Jugendlichen und der je nach individueller Situation angemessene Kontakt zu seinem Herkunftssystem. Die Erfahrung zeigt, daß die Kinder- und Jugendlichen die Erlaubnis der Herkunftsfamilie benötigen, um sich in der Betreuungsstelle wohl fühlen zu können. Einem Loyalitätskonflikt der jungen Menschen soll so entgegengewirkt werden.

Es werden aber auch Ablöseprozesse der Kinder und Jugendlichen unterstützt, wenn der Kontakt zu der Herkunftsfamilie nicht möglich oder von dieser nicht gewünscht ist.

Besuchskontakte können bei Bedarf, einmal monatlich und in einem Umkreis von 75 km begleitet werden. Für möglicherweise angestrebte häufigere Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie, bemühen die Betreuer sich, in Zusammenarbeit mit Koordination und Jugendamt eine individuelle Lösung zu finden.

Partizipation und Beschwerdemanagment

Entwicklungsadäquat werden die Kinder/Jugendlichen mit in die Alltagsgestaltung, Wochenplanung und Freizeitgestaltung einbezogen. Die jungen Menschen können nach Absprache Spielkameraden in die Betrueungsstelle einladen. Das pädagogische Handeln wird mit den Kindern/Jugendlichen altersadäquat wöchentlich reflektiert. Sie werden nach ihren Wünschen und Interessen bzgl. der Hilfeplanung befragt, welche im Entwicklungsbericht dokumentiert und im HPG thematisiert werden.
Zu Beginn jeder Maßnahme werden die Kinder/Jugendlichen über die Rolle, der im Hilfeprozeß beteiligten Erwachsenen, informiert. Die Kinder haben jederzeit die Möglichkeit die Koordinatorin telefonisch zu kontaktieren und erhalten schriftliche Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten der Beschwerde.

Es wird zwischen der Koordinatorin und den Kindern ein Vertrauensverhältnis erarbeitet und ihnen, in regelmäßig stattfindenen Einzelgesprächen, die Möglichkeit gegeben, ggf. ihre Probleme in der Betreuungsstelle zu thematisieren. Die Koordination wird bei Bedarf, Gespräche mit allen Beteiligten einfordern und dokumentieren und das belegende Jugendamt informieren.

Qualitätssicherung/Begleitung durch den Träger

Die Betreuungsstelle wird im 14-tägigen Rhythmus von der Fachberatung und Koordinatorin des Trägers besucht.

Die Koordinatorin gibt den Kindern und Jugendlichen ihnen Raum und Zeit Nöte, Ängste oder Sorgen mit zu teilen. Den Betreuern steht sie beratend zur Seite. In Krisensituationen ist die Koordinatorin jederzeit verfügbar, um vermittelnd tätig zu sein.

Zur Qualitätssicherung werden monatlich, alle Ereignisse schriftlich in Form einer Memo festgehalten und an die Koordinatorin weitergeleitet. Als Vorbereitung auf die möglichst halbjährlich stattfindenen HpG´s wird von der Betreuerin ein Entwicklungsbericht der Kinder und Jugendlichen verfasst und dem belegendem Jugendamt vorgelegt.

Die Betreuer nehmen regelmäßig an Fortbildungen, abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen der jeweilig aufgenommenen jungen Menschen und an Supervisionen teil, um die Qualität der Arbeit stetig verbessern zu können.

Stand: April 2018