Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen

Betreuungsstelle Wuppertal Wirkerstraße

Zielgruppe und Platzanzahl
Die individualpädagogische Betreuungsstelle Wirker Straße bietet Platz für bis zu 4 männliche zu Betreuende im Alter ab 16 Jahren, ohne innewohnende Fachkraft.
Eine hohe Anzahl an gescheiterten HzE-Maßnahmen, diverse Beziehungsabbrüche und eine lange Jugendhilfevita prägen die Lebensläufe dieser Zielgruppe. Die Unterbringung kann bis ins frühe Erwachsenenalter und bis zur Erreichung der größtmöglichen Selbstständigkeit erfolgen.
Aufgrund der langjährigen Erfahrung damit, gilt dieses Angebot auch für „Jugendliche mit Migrationshintergrund“, sowie „Unbegleitete minderjährige Ausländer“:

Ausschlusskriterien

  • Drogensucht
  • Tierhaarallergien

Standort
Im Herzen von Wuppertal Elberfeld im Stadtteil „Nordstadt“ dem größten zusammenhängenden Altbauviertel NRW´s befinden sich die individualpädagogischen Wohngemeinschaften Wirkerstraße, ca. 10 min von der Innenstadt entfernt. Alle sozialen und kulturell relevanten Einrichtungen (Schulen/ Jugendhäuser/Stadtbibliothek/Sportvereine etc.) sind für die Jugendlichen bequem fußläufig oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Betreuungsstellenbeschreibung
Das ca. 1980 errichtete Mehrparteienhaus verfügt über zwei baugleiche Wohnungen. Das Gebäude ist behindertengerecht und verfügt über einen Aufzug.
Im 2. Obergeschoß befindet sich eine Wohnung mit 2 Zimmern für die Jugendlichen (ca. 10 bzw. 13m²) sowie ein großes gemeinschaftliches Wohnzimmer (ca. 25m²) mit Zugang auf den Balkon (ca. 7m²).
Eine Küche (ca. 7m²), Badezimmer (ca. 5m²) und ein separates WC (ca. 3m²).
Im 4. Obergeschoß des Hauses befindet sich eine weitere baugleiche Wohnung für bis zu 2 Jugendliche.

Betreuer
Ausgebildetes pädagogisches und persönlich geeignetes Personal kümmert sich um die Belange, Wünsche, Rechte und Pflichten der Jugendlichen, beziehungsweise jungen Erwachsenen. Die Betreuung der Jugendlichen wird durch 2 Fachkräfte gewährleistet.

Zusammenarbeit der Stellen Wirkerstraße und Simonsstraße
Das Jugendhilfeprojekt JHP Arrenberg umfasst 2 Betreuungsstellen, die sich in urbaner Nähe zueinander befinden. In der Simonsstraße besteht konzeptuell eine pädagogische Ausrichtung auf jüngere zu Betreuende, die einen Betreuungsrahmen benötigen, der es ihnen ermöglicht, Grundlagen im Alltag zu erlernen und umzusetzen. In der Wirker Str. 43 besteht eine pädagogische Ausrichtung auf Jugendliche ab 16 Jahren.
Der Koordinator des Trägers übernimmt die koordinativen Aufgaben und übt die Dienst- und Fachaufsicht aus.
Die Mitarbeiter beider Betreuungsstellen verstehen sich, neben ihrer Tätigkeit in dem jeweiligen Haus, auch als ein Gesamtteam. So werden bspw. gemeinsame, regelmäßige Teamgespräche durchgeführt. Zu Betreuende die einige Jahre in der Simonsstraße gelebt haben, können z.B. bei erfolgter entsprechender Reifung eventuell in die Wirker Str. 43 wechseln. Die Jugendlichen der beiden Häuser kennen sich und gestalten teilweise gemeinsam ihre Freizeit, oder sie nehmen an gemeinsamen geplanten Gruppenaktivitäten mit den Betreuern teil. So besteht ein Synergieeffekt, der zu einem guten Gelingen beiträgt. Siehe auch den Punkt „Qualitätssicherung.“
In der Wirker Straße besteht eine pädagogische Ausrichtung auf ältere Jugendliche, die einen anderen Betreuungsbedarf benötigen. Sie haben sich einen erweiterten Ressourcenstatus angeeignet, als jüngere zu Betreuende.

Leitbild
Wir betrachten die von uns begleiteten Jugendlichen im Sinne eines humanistischen Weltbildes als eigenständige Persönlichkeiten, die in ihrer bisherigen Biografie besondere Belastungen und Krisen erfahren haben. Unsere pädagogische Grundhaltung setzt sich aus Wertschätzung, Akzeptanz, Empathie und Kongruenz zusammen. Mit dieser Grundhaltung verwoben sind transparente Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeiten sowie Beteiligungsrechte unserer zu Betreuenden. Unsere Mitarbeiter sind angehalten, auf der Grundlage von Offenheit und Transparenz unserer pädagogischen Arbeit eine fortlaufende Verbesserung und Qualität zu entwickeln.

Ziele / pädagogischer Ansatz
Die Arbeit ist lösungsorientiert geprägt und berücksichtigt bereits gebildete Ressourcen des Jugendlichen.
Die pädagogische Zielsetzung besteht darin, jungen Menschen aus schwierigen Lebensumständen zu einer selbstbestimmten Lebensbewältigung zu verhelfen. Neben der notwendigen schulischen und beruflichen Bildung sehen wir die Entwicklung von sozialen Kompetenzen und ggf. die therapeutische Aufarbeitung individueller Problemstellungen als unerlässlich an. Eine enge Zusammenarbeit mit Eltern, Schule, Therapeuten und anderen Kooperationspartnern wird angestrebt.
Die Planung des Betreuungsrahmens und -prozesses richtet sich nach dem Ressourcenstatus des jungen Menschen und nach den Maßgaben des Allparteiengespräches sowie dessen Fortschreibung. Der Jugendliche soll befähigt werden, folgende Ressourcen sein eigen zu nennen:

  • Stärkung des Selbstbewusstseins und Aufbau eines positiven, realistischen Selbstwertgefühls
  • Aufbau sozialer Kompetenzen
  • Erlernen von lebenspraktischen Fähigkeiten
  • Entwicklung von Moral und Bewusstsein für Werte
  • Umgang mit Konflikten, Frustration und Schwierigkeiten erlernen
  • Förderung der sprachlichen, kognitiven, motorischen, emotionalen und künstlerischen Fähigkeiten
  • Regelmäßige Schulbesuche sowie eine Ausbildung
  • Gezielte Freizeit- und Feriengestaltung
  • Verselbständigungen

Die jungen Menschen erhalten praktische und pädagogische Anleitung zur Einübung von Versorgung und Verselbständigung im Alltag. Im Blickpunkt der Förderung steht die Entwicklung sozialer Kompetenz und die berufliche Integration.
Wir beobachten, begleiten, unterstützen die zu Betreuenden und motivieren sie zur aktiven Teilnahme an der Gestaltung hin zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit. Die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit differenzierten Gewohnheiten, Meinungen, Werten, Prägungen und Glaubensrichtungen bilden die Basis für eine Befähigung zu eigenständiger und verantwortlicher Lebensführung.

Zur Aufnahme von „Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ sowie „Unbegleiteter, minderjähriger Ausländer“:
Bei der Betreuung der Jugendlichen setzen wir eine enge Zusammenarbeit mit Jugendamt und Vormund voraus. Hier partizipieren wir von bereits bestehenden Netzwerken.
Unserem Leitbild folgend wird bei den Jugendlichen eine Bewahrung ihrer kulturellen Identität angestrebt. Ein besonderes Augenmerk gilt der sprachlichen Entwicklung und der möglichst schnellen schulischen Anbindung. Hier sind wir bereits im engen Kontakt, z.B. mit dem ansässigen Internationalen Bund, der sich unweit von der Einrichtung entfernt befindet und Sprachkurse anbietet.
Zusätzlich wird wöchentlich nach Bedarf im Hause Nachhilfe angeboten.
Des Weiteren gilt es, gesundheitlichen Defiziten körperlicher sowie seelischer Art gerecht zu werden.
Eine Integration der Jugendlichen durch Schulbesuch, Unterbringungen in Sportvereinen in Wuppertal wird von den Betreuern schnellstmöglich angestrebt.
Nach unseren Erfahrungen partizipieren die Jugendlichem im hohen Maße voneinander in den Bereichen kultureller Wertschätzung, Spracherwerb, Umgang mit verschiedensten Weltanschauungen, der Entwicklung sozialer Kompetenzen, etc.

Elternarbeit
Eine Zusammenarbeit mit der jeweiligen Herkunftsfamilie wird angestrebt, vorausgesetzt, dieses ist von allen Parteien gewünscht und möglich. Wir bemühen uns bestehende Differenzen zwischen dem Jugendlichen und seinen Eltern abzubauen. Die Eltern werden über die Entwicklung ihres Kindes in regelmäßigen Abständen informiert. Wir versuchen Besuchskontakte wieder aufleben zu lassen, oder bereits bestehende Besuchskontakte auszuweiten. Eine regelmäßige Absprache vor sowie nach dem Besuchskontakt findet statt. Im Umgang des Jugendlichen mit seinen Eltern und der Eltern mit ihrem Kind werden gemeinsam Verhaltensregeln festgelegt, die beispielsweise in Konfliktsituationen von beiden Seiten angewendet werden können. Eine Fortführung der pädagogischen Arbeit mit dem Jugendlichen versuchen wir den Eltern zu vermitteln. Bei einem Aufenthalt über einen längeren Zeitraum (z.B. Schulferien) wird regelmäßig um Rückmeldung des Jugendlichen, sowie deren Eltern gebeten.
Wir informieren die Eltern über die von uns mit dem Jugendamt angedachten Erziehungspläne sowie über die nächsten Entwicklungsschritte, die als Ziele im Hilfeplan verankert werden könnten.
Es wird über das Partizipations- und Beschwerderecht des Kindes informiert.

Qualitätssicherung
Der Koordinator des Trägers übernimmt die koordinativen Aufgaben der Betreuungsstelle Wirkerstraße, wie z.B. Leitung der Teamsitzung, Einzelgespräche mit Mitarbeitern, Einzelgespräche mit Jugendlichen, HPG Teilnahme und die Anbahnung bei Neuaufnahmen bei den Jugendämtern.
Der Koordinator des Trägers und die Leitung des JHP halten regelmäßigen Kontakt zum Helfersystem (Jugendamt, Vormund, Eltern, Lehrer, etc.).
Die Qualität der Betreuung ist durch, in der Regel 14-tägige Besuche, des Koordinators, wöchentliche Teamsitzungen, halbjährlich stattfindende Hilfeplangespräche, der kontinuierlichen Erstellung von Dokumentationen bzw. Erstellung und Überprüfung eines Erziehungsplans gewährleistet. Im halbjährlichen Hilfeplangespräch mit dem belegenden Jugendamt und dem jungen Menschen, werden die pädagogischen Ziele gemeinsam besprochen, vom Jugendamt verantwortlich im HPG Protokoll festgelegt und von den Betreuern der Einrichtung umgesetzt.
Zudem finden regelmäßige Einzelgespräche des Koordinators mit den zu Betreuenden statt. Zeigt der Jugendliche Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung, so initiiert der Koordinator oder die Leitung, gegebenenfalls ein Fachgespräch mit dem Jugendamt.
Des Weiteren kann der Koordinator in Form einer Fallanalyse des Jugendlichen, bei unterschiedlichen pädagogischen Ansichten im Team, zur weiteren Vorgehensweise zum Wohle des Jugendlichen unterstützen.
Die Leitung der Betreuungsstelle dokumentiert die Vorgänge und die pädagogische Arbeit mit den zu Betreuenden zusätzlich, durch Monatsberichte an den Koordinator des Trägers.
Zusätzliche Fort- und Weiterbildung werden seitens des Trägers zur Qualitätssteigerung angeboten.

Anbahnung
Leitet QuoVadis Jugendhilfe eine Anfrage eines Jugendamtes weiter, vereinbart der Koordinator in Zusammenarbeit mit der Leitung der Einrichtung mit dem jeweiligen Jugendamt und Jugendlichen einen „Kennenlerntermin“.
Jeder Jugendliche durchläuft eine 4-wöchige Kennenlernphase, in der der zu Betreuende sowie die Betreuer feststellen können, ob ein Verbleib in der Einrichtung möglich und von beiden Seiten erwünscht ist. In der „Kennenlernphase“ liegt das Hauptaugenmerk der Betreuer auf einem empathischen Beziehungsangebot. Eine von „guter Chemie“ geprägte Bindung an das Betreuersystem ist aus pädagogischer Sicht von enormer Wichtigkeit, da die zu Betreuenden bereits häufig Beziehungsabbrüche durchlebt haben. Dies ermöglicht eine möglichst hohe Falltreue.

1. Elternarbeit
Einleitend ist Festzustellen, dass der konzeptionell häufig verwendete Begriff der „Elternarbeit“ den Gegenstand dieser Arbeit sofern er auf die biologischen Eltern des Kindes orientiert ist, nur unzureichend beschreibt. Ein Großteil der durch uns begleiteten Kinder/Jugendlichen hat in ihrer bisherigen Biografie oft eine bunte Mischung von am Erziehungsprozess beteiligten Menschen erlebt. Diese reicht von den tatsächlichen biologischen Eltern, über wechselnde Partner der beiden Elternteile bis zu Pflegeeltern und Vormündern.
Der hier verwendete Begriff der Elternarbeit ist in diesem erweiterten Sinn zu verstehen.
Die Notwendigkeit von Elternarbeit ergibt sich schon aus der Grundkonstruktion des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Im Rahmen des leistungsrechtlichen Dreieckes sind die Leistungsempfänger der durch den privaten Träger der Jugendhilfe zu erbringenden „Erziehungsdienstleistung“ in der Regel die Erziehungsberechtigten bzw. Personensorgeberechtigten.

Die Sinnhaftigkeit von Elternarbeit ergibt sich aus unserer Sicht vor allem aus drei Grundannahmen:

(1) die Hilfen zur Erziehung sollen grundsätzlich in eine Rückkehr in das – dann als Ort für eine gedeihliche Erziehung besser als vor der Hilfe geeignete – Herkunftssystem münden

(2) für die außerhalb der bisherigen Herkunftssysteme untergebrachten Kin-der/ Jugendliche haben die bisher an ihrer Erziehung beteiligten Erwachsenen (häufig aber keineswegs immer die biologischen Eltern) eine erhebliche emotionale Bedeutung

(3) schon aus anamnestischen/ diagnostischen Gründen ist eine gedeihliche Arbeitsebene mit den bisher Erziehenden hilfreich – unsere Kinder/Jugendliche sind „Gewordene“. Um sie verstehen zu können, sind wir meist auf Informationen über den bisherigen Erziehungsverlauf angewiesen

Vor den Hintergrund dieser Grundüberlegungen sind wir in der praktischen Umsetzung von Jugendhilfe allerdings häufig mit Fallgestaltungen konfrontiert, in denen Elternarbeit einen völlig anderen Fokus bekommt. In den Prozessen, in denen Kinder/ Jugendliche teilweise erheblicher Traumatisierung zum Beispiel durch körperliche oder sexuelle Gewalt durch die Eltern selbst ausgesetzt waren, besteht die Arbeit oft darin, „unsere“ Kinder/ Jugendlichen vor weiteren traumatisierenden Erfahrungen zu schützen.

1.1 Konkretisierung
Die konkrete Ausgestaltung der Elternarbeit ist ebenso bunt wie die Biografien der von uns begleiteten Kinder/Jugendlichen – dies bedeutet nicht, dass Elternarbeit beliebig wird.

1.1.1 Elternarbeit ist zielgerichtet
Dabei orientieren sich die Ziele der Elternarbeit an den im Hilfeplanungsprozess formulierten Zielen.
Beispiel: ist eine Rückkehr des Kindes in das Herkunftssystem vereinbart, dann orientiert sich Elternarbeit insofern an diesem Ziel, als sie einerseits auf eine Stabilisierung der Eltern/ Kindbeziehungen und andererseits auf eine Verbesserung des erzieherischen Know-Hows der Eltern fokussiert.

1.1.2 Elternarbeit wird durch uns kooperativ gestaltet
Wir nehmen Eltern und deren Interessen ernst und kommunizieren mit ihnen auf Augenhöhe. Wir versuchen im Konfliktfall gute Kompromisse zwischen elterlichen Wünschen und durch das Helfersystem festgestellten pädagogischen Bedarfen zu finden.
Beispiel: wir berücksichtigen bei der Festlegung von Dauer, Häufigkeit und Ausgestaltung von Besuchskontakten die Wünsche der Eltern und Kinder, ohne dabei unsere Wahrnehmung dessen was dem Wohl des Kindes dient, aus dem Auge zu verlieren.

1.1.3 Bei Interessenkonflikten sind wir parteiisch
In den bereits oben erwähnten Fällen, in denen Kinder/ Jugendliche Opfer häuslicher körperlicher oder sexueller Gewalt wurden, gilt unsere Loyalität den bei uns untergebrachten Kindern/Jugendlichen. Der Schutz der Kinder vor weiterer Verletzung hat für uns dann Priorität. Dies kann dazu führen, dass in Absprache mit den am Helfersystem beteiligten Fachkräften keine oder nur besondere (zum Beispiel begleitete) Formen des Elternkontaktes möglich sind – auch dies ist für uns „Elternarbeit“.

1.2 Leistungsbereich: Koordinator und Leitung
Zu den Grundleistungen der Koordinatoren und der Leitung zählen:

  • Fachberatung und Fachaufsicht
  • Maßnahmen bei Kindeswohlgefährdung
  • Maßnahmen nach §47 SGB VIII
  • Erziehungsplanung, Hilfeplanung
  • Regelmäßige Kontakte zum jungen Menschen
  • Schulische/ berufliche Förderung
  • Krisenintervention
  • Arbeit mit der Herkunftsfamilie
  • Auswahl von Betreuungsstellen

1.2.1 Kindeswohlgefährdung
Die Koordination achtet auf Anzeichen für potenzielle Kindeswohlgefährdung sowohl in unseren Betreuungsstellen als auch an den anderen Orten an denen sich unsere „Schützlinge“ aufhalten. Bei allem Verständnis für das schwierige pädagogische Alltags-Handeln unserer Fachkräfte beziehen Koordinatoren bei Grenzüberschreitungen der Erwachsenen klar Position.
Wie mit allen kritischen Situationen gehen wir auch mit vermuteter oder erfolgter Kindeswohlgefährdung offen und transparent um. Einschlägige Vorfälle sind durch unsere Fachkräfte unmittelbar (das heißt ohne schuldhaftes Zögern) an die Koordination zu kommunizieren und das weitere Verfahren mit der Koordination abzustimmen. Diese wird regelmäßig unseren 8a-Beauftragten hinzuziehen.
Die weitere Kommunikation zu Kostenträgern/ Personensorgeberechtigten erfolgt über den Koordinator/ 8a-Beauftragten bzw. unter Absprache mit diesem.

1.2.2 Beschwerdemanagement
Wir versuchen das wiederholte Auftreten eines Fehlers oder eines Beschwerdetyps zu vermeiden, indem wir Fehler bzw. Beschwerdeursachen unter Beteiligung der Koordinatoren systematisch analysieren und zukünftig vermeiden. Damit nicht jede Betreuungsstelle alle Fehler oder Beschwerden einmal selbst durchlaufen muss, kommunizieren wir jährliche Auswertungen unserer Beschwerdeverfahren in geeigneter Form.

1.2.3 Kommunikation
Koordinatoren lassen sich über alle besonderen Ereignisse zeitnah unterrichten. Hier gilt die Regel: lieber einmal zu viel kontaktieren als einmal zu wenig. Offenheit im Umgang mit auch schwierigen Ereignissen schützt uns als Institution und auch jeden Einzelnen von uns im Rahmen seines beruflichen Handelns. Wir sichern auch den Überbringern „unangenehmer Nachrichten“ institutionell einen stets fairen Umgang zu – dies gilt ausdrücklich auch, wenn Überbringer und Verursacher des Malheurs identisch sind.

2. Partizipation und Beschwerdemanagement
Wir bieten in unserer Familienwohngruppe einen Lebensort, wo sie sich frei und sicher entwickeln können. Partizipation ist ein weitreichender und fortlaufender Prozess, der sich durch alle Bereiche zieht. Von der partizipativen Grundhaltung in der Elternarbeit und Personalführung bis hin zu demokratischen Prozessen für die Tages-, Wochen- und Jahresplanung in Form von Gruppenrunden mit Mitarbeitenden und Kindern.
Ein konkretes Ritual mit dem wir sehr gute Erfahrung gemacht haben, ist die tägliche Abendrunde mit Fragen wie:

  • Was war gut? und
  • Was war nicht so gut?

Partizipation beginnt auf Ebene der Kinder, bei der Gestaltung des eigenen Zimmers, über Entscheidungen zur Kleidung, zum Essen, zur Freizeitgestaltung bis hin zu grundlegenden Fragen des Gruppenalltags, der Gruppenregeln und der Personalplanung. Jeder darf sich selber ausprobieren und weiterentwickeln.
Angelehnt an die jeweiligen persönlichen Voraussetzungen möchten wir die Kinder aktiv in ihre Hilfeplanung einbinden. Gemäß ihrem Entwicklungsstand und ihrem Leben bestimmenden Prozessen, werden Kinder und Jugendlichen motiviert, sich am Prozess aktiv zu beteiligen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Kinder und Jugendlichen gern und gut in der Lage sind, eine schriftliche Selbsteinschätzung in Form eines Berichtes zu formulieren und diesen im Hilfeplan dann eigenständig kommentieren.
Wir verstehen Partizipation als einen Lern und- Entwicklungsprozess für alle Beteiligten.

  • Wir fordern und fördern die Eigenverantwortlichkeit und somit die Demokratiefähigkeit.
  • Wir reagieren auf Bedürfnisse, Ängste und Unsicherheiten im Zuge des Mitbestimmungsprozesses.
  • Wir bieten einen guten „Nährboden“ für eine gesunde Identitätsfindung.
  • Wir begleiten Prozesse, Entwicklung und Mitbestimmung und fordern auch in diesem Kontext auch Verantwortung.
  • Wir begleiten die Entwicklung und fördern die Mitbestimmung und die freie Meinungsäußerung

2.1 Beschwerdemanagement
Beschwerden sind regelmäßig auftretende Ereignisse in allen Dienstleistungsbereichen und kommen daher auch bei uns vor.
Diese Prozessbeschreibung dient der Information über den von uns gewählten Umgang mit Beschwerdetatbeständen und gibt allen Fachkräften eine Anleitung
wie sie selbst verfahren sollten, wenn sie mit einer Beschwerde konfrontiert sind. Sie informiert über die Art und Weise wie Beschwerden aufgezeichnet bzw. dokumentiert werden und wer im weiteren Verfahrensgang welche Aufgaben erledigt.
Gleichwohl gibt es „Beschwerden“, die aufgrund ihres Charakters nicht zwingend dokumentiert, aber dennoch ernst genommen werden müssen, da sie den Betreuten wichtig sind. Folglich muss auch hier eine nachhaltige Bearbeitung gewährleistet werden.

2.1.1 Grundsätzliche Überlegungen
„Beschwerden“ sind nach üblicher Definition häufig emotional konnotierte Äußerung von Unzufriedenheit, während zum Beispiel Reklamationen üblicherweise eher eine weitgehend emotionsfreie Mängelrüge bezeichnen.
Nach unserem Verständnis können sich grundsätzlich alle an der Umsetzung unserer Dienstleistungen interessierten Parteien, also die Kinder/ Jugendlichen selbst, deren Eltern und Vormünder, beteiligte Mitarbeitende von Behörden, Lehrer, Therapeuten und Ärzte, etc. beschweren.
Beschwerden werden zwar häufig als störend und belastend erlebt; dennoch üben wir uns auch hier in offenem und transparentem Umgang. Wir sehen Beschwerden grundsätzlich auch als Chance unser berufliches Tun zu verbessern. Wir verfolgen den Ansatz eines fehlerfreundlichen und beschwerdeoffenen Unternehmens – Kollegen, die Gegenstand einer Beschwerde wurden sind keine „Beschuldigten“.
Beschwerdeführer kommunizieren Unmut über nach ihrem Dafürhalten mangelnde Qualität der Dienstleistungserbringung.
Grundsätzlich werden alle Beschwerden aufgezeichnet – im Zweifelsfall dokumentieren wir lieber eine Beschwerde zu viel als eine zu wenig.
Grundsätzlich unterscheiden wir den Beschwerdetatbestand von dem der Kindeswohlgefährdung bzw. des Verdachtes auf Vorliegen einer solchen.

> siehe dazu auch die separate „Prozessbeschreibung Kindeswohlgefährdung“ bzw. unser Kindesschutzkonzept.

Gleichwohl können gehäufte Beschwerden von Kindern und Jugendlichen innerhalb einer Projekt-Betreuungsstelle zu unangemessener Ansprache durch Fachkräfte (nicht „nur“ wie oben beschrieben mangelndes Gefühl von „Ernst genommen werden“, sondern auch „beleidigt werden“, ständig angeschrien zu werden, gemobbt zu werden etc.) Hinweise auf potenzielle Kindeswohlgefährdungen geben.

2.1.2 Dokumentation von Beschwerden
Beschwerden werden grundsätzlich von demjenigen, an den die Beschwerde herangetragen wird, aufgezeichnet/ dokumentiert. Dabei kommt der im Intranet zum Download verfügbare Vordruck „Aufnahme von Beschwerden“ zur Anwendung – auch wenn dieser weitgehend selbsterklärend ist, gibt bei Fragen der QMB gerne Auskunft.
Bitte beachten: sind Aufnehmender und Betroffener der Beschwerde identisch, sollte ggfs. ein Kollege oder der Koordinator (oder der Kollege des Koordinators, wenn dieser betroffen ist) involviert werden. Nachdem der Vordruck durch den Aufnehmenden ausgefüllt ist, wird er per Mail an den QM-Beauftragten versandt und dabei die Leitung in Kopie gesetzt.

Qualitätssicherung
Die Qualität der Arbeit wird sichergestellt durch:

  • In der Regel 14-tägige Besuche und Beratungsgespräche mit der Koordination
  • Austausch mit dem zuständigen Jugendamt
  • Entwicklungsberichte/ Hilfeplan
  • Kollegiale Supervision bzw. Einzelsupervision
  • Austausch mit anderen Betreuungsstellen von QuoVadis-Jugendhilfe
  • Fortbildungen
  • Dokumentation

Die Aufnahme erfolgt nach §34, auch in Verbindung mit § 41 KJHG.
Es handelt sich um ein Angebot mit dem Stellenschlüssel 1:2.

 

Stand August 2019