Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen



Betreuungsstelle Wuppertal Völklingerstraße

Individualpädagogisch betreute Einzelwohnformen für Jungen und Mädchen ab 16 Jahren

Der Ort (Wo?)

Im Herzen Wuppertals, zwischen zwei Stadtzentren gelegen, am Fuße eines Naherholungsgebietes befindet sich das stilvolle Mehrfamilienhaus aus der Gründerzeit, in dem bis zu 6 Jugendliche ab 16 Jahren ein zu Hause finden können.
In den großzügigen, individuell gestalteten 2 Zimmerwohnungen mit jeweils ca. 50qm Wohnraum, haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich in der eigenen Wohnung, pädagogisch individuell begleitet, in größtmöglicher Selbständigkeit zu erproben. Diese 5 Wohnungen für die Betreuten sind über das gesamte Haus verteilt. Eine der Wohnungen, im 4. Obergeschoss gelegen, kann mit zwei Jugendlichen in der Form einer Wohngemeinschaft belegt werden, wenn dieses pädagogisch sinnvoll ist.
In dem Mehrfamilienhaus aus der Gründerzeit leben benachbart mit den Jugendlichen noch vier weitere Familien und Bewohner unterschiedlichster Herkunft und unterschiedlichsten Alters. Im Erdgeschoss lebt eine der Erzieherinnen mit ihrer Familie. Es herrscht eine freundliche Atmosphäre im Haus. Der Kontakt unter den Bewohnern ist ungezwungen und familiär.
Die Wohnungen sind komplett ausgestattet mit Küchen und Bädern, so dass jeder Jugendliche seinen eigenen abgeschlossenen Bereich hat, in den er sich zurückziehen kann.
Im 4. Obergeschoss befindet sich darüber hinaus ein Gemeinschaftsraum, der für gemeinsame Aktivitäten, Fernseh- oder Spieleabende sowie auch für Besprechungen und Übernachtungen der Mitarbeiter, wenn notwendig, genutzt werden kann.
Das Wupperufer ist in direkter Nähe zugänglich und kann ebenfalls als Ort für Aktivitäten und Entspannung genutzt werden.
Die für Wuppertal typische Schwebebahn, das Wahrzeichen der Stadt, hält direkt in der Völklinger Straße, auch der S-Bahnhof Unterbarmen ist in wenigen Minuten fußläufig zu erreichen, genau wie diverse Bushaltestellen, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Ämter sowie Träger der Arbeitsmarktdienstleitungen, Ärzte, Psychologen und Psychiater sind ebenfalls fußläufig in wenigen Minuten zu erreichen.
Dennoch ist das Viertel Unterbarmen geprägt von ruhiger Urbanität.
Das Naherholungsgebiet die Hardt grenzt direkt an die Völklinger Straße und bietet mit seinen Wald- und Parkflächen diverse Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten und Entspannung.

Die Arbeit (Wer? Wie? Was?)

Die Jugendlichen in der Völklinger Straße werden von zwei weiblichen und einem männlichen Pädagogen betreut. Diese Fachkräfte sind seit vielen Jahren in der Pädagogik und Jugendhilfe tätig. Eine der Erzieherinnen lebt mit ihrer Familie und einer AuPair im Haus. Die weiteren Pädagogen wohnen mit ihren Familien im selben Stadtteil einige Autominuten entfernt. Unterstützt wird das Team durch, auf die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasste Ergänzungskräfte, wie einen Erzieher und eine Hauswirtschafterin.
Das Angebot richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren, die nach §34 und §41, SGBVIII im Rahmen der stationären Jugendhilfe begleitet werden sollen.

Durch die langjährige Tätigkeit der Pädagogen besteht darüber hinaus ein großes Netzwerk zu Ärzten, Therapeuten, Schulen und Trägern der schulisch - beruflichen Bildung und Rehabilitation.
Eine Betreuung nach §35a findet ihre Grundlage in langjähriger Betreuungserfahrung, systemischer Weiterbildung und guter interdisziplinärer Zusammenarbeit der Pädagoginnen mit niedergelassenen Psychiatern, Therapeuten und Trägern der Rehabilitation. In dieser Kooperation kann der besondere Hilfebedarf der jungen Menschen erfasst und ein individuelles Betreuungs- und Hilfekonzept erstellt werden. Eine Aufnahme nach §35a kann nur nach eingehender Abwägung des Falles mit dem belegenden Jugendamt und dem Helfersystem erfolgen.
Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass die seelische Störung der Jugendlichen eine pädagogische Ansprechbarkeit und Moderierbarkeit durch erzieherische Intervention zulässt und diese in der Lage sind, das vorliegende Betreuungsangebot umzusetzen.
Abweichende seelische Störungen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen sowie stark aggressives Verhalten, sexualisiertes Gewaltverhalten oder stark selbst- und fremdgefährdendes Verhalten sind Ausschlusskriterien für eine Aufnahme in die Wohnformen der Völklingerstraße.
Der tägliche kontinuierliche Kontakt mit den Jugendlichen und die 24stündige Rufbereitschaft des pädagogischen Teams sind obligatorisch. Die Pädagogik ist an den Bedarfen des Einzelnen angepasst und kann als Unterstützung in allen Lebensbereichen geboten werden.
Vor allem die Selbsterprobung in der eigenen Wohnung mit den diversen Herausforderungen des alltäglichen Lebens sowie die Entwicklung von realistischen Zukunftsperspektiven stehen im Vordergrund der Pädagogik in der Völklinger Straße.
Grundlage der Pädagogik sind unter anderem der Ansatz der Sozialraumorientierung und der systemische Ansatz.
Damit die jungen Menschen echte Selbstwirksamkeit erfahren, ist Voraussetzung, dass sie gewillt sind, das Angebot der Pädagogen anzunehmen und dieses aktiv mitgestalten wollen und können.
Wichtige Teile der systemischen Arbeit sind die Auseinandersetzung mit dem Herkunftssystem und die Biografiearbeit.
Somit entsteht hier für die jungen Heranwachsenden eine gelungene Verknüpfung der aktuellen Lebenssituation unter Berücksichtigung der bestehenden Strukturen und Ressourcen.

In der Völklinger Straße gibt es keine ausgewiesene Hausordnung oder ein dementsprechendes Regelwerk. Natürlich sind die Verhaltensmaxime auf Grundlage des Jugendschutzes und des friedlichen Zusammenlebens in einer Hausgemeinschaft obligatorisch, jedoch wird der Einrichtungscharakter bewusst vermieden und der eigenverantwortliche Umgang mit den, in dieser Wohnform vorherrschenden Freiheiten, gefördert. Die Ausschlusskriterien der Betreuung sind ebenfalls individuell zu betrachten und von Fall zu Fall zu beurteilen.
Dabei bieten die Möglichkeiten des Hauses, in denen die Jugendlichen wohnen, ausreichend räumliche Distanz, um Konflikte und gruppendynamische Belastungen für die Jugendlichen weitestgehend auszuschließen. Dennoch ergeben sich Kontakte und gemeinsame Aktivitäten, die jedoch überwiegend von den Jugendlichen selbst initiiert und somit von ihnen gewollt sind.

Die Ziele (Warum?)

Diese individualpädagogische Wohnform in lebenspraktischer Realität bei empathischer Begleitung, fördert die Ressourcen des jeweiligen Heranwachsenden sowie die individuellen Resilienzen hin zu Selbstwirksamkeit und Entwicklung von Perspektiven.
So bekommt jeder Jugendliche die Möglichkeit, in der eigenen Wohnung, ausgestattet mit einem Maximum an Partizipation und Selbstbestimmung zur Ruhe zu kommen und sich selbst erproben zu dürfen. Ebenso fördern diese Voraussetzungen den Charakter der jungen Menschen und fokussieren die Jugendlichen auf sich selbst. Der Vertrauensvorschuss, der im Ansatz der Sozialraumorientierung implementiert ist und der in der Pädagogik hier gelebt wird, hat sich gerade in der Arbeit mit Jugendlichen bewährt, die sich in den Strukturen von Gruppen, Heimen oder Kliniken nicht gut orientieren konnten.
Oft stellt sich gerade in solchen Fällen nach einer kurzen Orientierungsphase eine unerwartete Ruhe und eine Häuslichkeit ein, die zuvor nicht zu beobachten war.
Durch die beschriebene Wohnsituation und durch das beschriebene pädagogische Konzept, ergibt sich auch für die Beziehung der Jugendlichen zu den Pädagogen in der Völklinger Straße ein individuelles Maß an Nähe und Distanz. Gerade für Jugendliche mit Bindungsstörungen, sozial-emotionalen Störungen, sozialen Phobien oder ähnlichen Auffälligkeiten reduziert sich durch die Rückzugsmöglichkeiten und die Selbstbestimmung in den sozialen Kontakten der Druck und die Konfliktmöglichkeiten. Aus dieser Situation heraus wird eine Konzentration auf die eigenen Ziele und Perspektiven, aber auch ein neues Einlassen auf Begleitung und Unterstützung oft erst möglich.

Fernziel ist, den jungen Menschen ein Leben mit dem größtmöglichen Maß an Selbstbestimmtheit zu ermöglichen, die Erfahrung der Selbstwirksamkeit geschaffen zu haben und sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten in soziale Strukturen und berufliche Perspektiven zu integrieren, so dass eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich ist.

Kurzzusammenfassung

Ort

  • stationäre Betreuungsmaßnahme für 6 weibliche oder männliche Jugendliche ab 16 Jahren
  • Betreuungsschlüssel 1: 2
  • eigene Wohnung

Arbeit

  • pädagogisches Konzept der Sozialraumorientierung und Systemischer Ansatz
  • Ressourcenorientierung
  • tägliche Betreuung in 24stündiger Bereitschaft

Ziele

  • Erfahrung der Selbstwirksamkeit
  • größtmögliches Maß an Selbstbestimmtheit
  • Integration in soziale Strukturen
  • Teilhabe am öffentlichen Leben
  • Verselbständigung

Elternarbeit

Träger - und Betreuerhaltung ist, dass das Herkunftssystem des Jugendlichen einen sensiblen und respektvollen Umgang erfährt.
So ist ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem, sofern dieses möglich ist. Für die Identitätsentwicklung des jungen Menschen ist es wichtig, sich mit seinem Herkunftssystem auseinander zu setzen. Die Erfahrung zeigt, dass die Jugendlichen die Erlaubnis der Herkunftsfamilie benötigen, um sich in der Betreuungsstelle wohl fühlen zu können, ebenso soll Loyalitätskonflikten der Betreuten so entgegengewirkt werden.
Zur Auseinandersetzung des Jugendlichen mit seiner Vergangenheit gehört die direkte Arbeit mit den Eltern durch Informationsaustausch, die Biografie-Arbeit mit dem Jugendlichen und der situationsangemessene Kontakt zu seinem Herkunftssystem. Es werden aber auch Ablöseprozesse unterstützt, wenn der Kontakt zum Herkunftssystem nicht möglich ist.
Soweit möglich und sinnvoll, werden die Eltern in die pädagogische Arbeit der Betreuungsstelle und Entscheidungen einbezogen. Der Umfang wird im Rahmen der Hilfeplangespräche festgelegt.
Besuchskontakte können bei Bedarf monatlich in einem Umkreis bis zu 75 km begleitet werden. Für möglicherweise häufiger angestrebte Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie, bemühen die Betreuer sich, in Zusammenarbeit mit Koordination und Jugendamt eine individuelle Lösung zu finden.

Partizipation und Beschwerdemanagement

Entwicklungs- und altersadäquat werden die Jugendlichen mit in die Alltagsgestaltung, Wochenplanung und Freizeitgestaltung einbezogen. Das pädagogische Handeln wird mit den Jugendlichen adäquat regelmäßig reflektiert. Sie werden weiterhin nach ihren Wünschen und Interessen bezüglich der anstehenden Hilfeplanung befragt, welche im Entwicklungsbericht dokumentiert und im HPG thematisiert werden.
Zu Beginn jeder Maßnahme werden die Jugendlichen über die Rolle, der im Hilfeprozess beteiligten Erwachsenen informiert. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, die Koordination telefonisch zu kontaktieren und erhalten ebenso schriftliche Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten der Beschwerde.
Es wird zwischen der Koordination und den Jugendlichen ein Vertrauensverhältnis erarbeitet und ihnen, in regelmäßig geführten Einzelgesprächen, die Möglichkeit gegeben, ihre Anliegen oder Probleme in der Betreuungsstelle zu thematisieren. Die Koordination wird bei Bedarf, Gespräche mit allen Beteiligten einfordern, dokumentieren und das belegende Jugendamt informieren.

Qualitätssicherung der Betreuung und Begleitung durch den Träger

Die Betreuungsstelle wird in der Regel im 14-tägigen Rhythmus von der Fachberatung / Koordination des Trägers besucht. Die Koordination gibt den Jugendlichen hier die Möglichkeit, sich über alle anstehenden Themen und Belange mitzuteilen. Den Betreuern steht sie beratend zur Seite. In Krisensituationen ist die Koordination jederzeit verfügbar, um vermittelnd tätig zu sein.
Zur Qualitätssicherung werden monatlich alle Ereignisse schriftlich festgehalten und an die Koordination und die pädagogische Leitung weitergeleitet. Als Vorbereitung auf die, möglichst halbjährlich statt findenden, Hilfeplangespräche, wird von den Betreuern ein Entwicklungsbericht über die Jugendlichen verfasst und dem belegendem Jugendamt vorgelegt.
Die Betreuer nehmen regelmäßig an Fortbildungen, abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen der jeweilig aufgenommenen jungen Menschen und an Supervisionen teil, um die Qualität der Arbeit stetig zu reflektieren.

Stand Januar 2019