Betreuungsstellen - Erlebnispädagogik

Intensivpädagogisches Reiseprojekt Südfrankreich

Intensivpädagogisches Reiseprojekt Südfrankreich
Dieses individualpädagogische Reiseprojekt bietet Jugendlichen in einem zeitlich begrenzten Rahmen die Möglichkeit einer Neuorientierung und „Auszeit“ aus dem gewohnten Umfeld.
Ein eigenes Haus im kleinen Bergdorf “St. Martin de Bromes”, im Süden Frankreichs kann als Basis dienen. Hiervon ausgehend können individuell angepassten erlebnispädagogischen Touren unternommen werden. Fernab von alltäglichen Strukturen und elektronischen Medien soll dem Jugendlichen die Möglichkeit gegeben werden, das eigene Handeln zu reflektieren und gemeinsam mit dem Betreuer die eigenen Stärken und Grenzen –und somit sich selbst– zu entdecken. Im Mittelpunkt stehen hier die Erlebnismöglichkeiten und Aktivitäten in der südfranzösischen Natur. Des Weiteren ist es möglich, das “Reiseprojekt Südfrankreich” als „Ferienfreizeit“ innerhalb einer bereits laufenden Maßnahme im Rahmen der Jugendhilfe zu nutzen.

Betreuerprofil
Der Betreuer ist als Sozialarbeiter (Ba) seit 2009 in verschiedenen Bereichen der individualpädagogischen Jugendhilfe tätig. Neben der langjährigen Mitarbeit in einer familienanalogen Lebensgemeinschaft führte er mehrere pädagogische Reiseprojekte durch.
Er war zudem mitverantwortlich in einer Projektstelle zur Vorbereitung auf die Verselbständigung junger Erwachsener.
In einem einjährigen Frankreichaufenthalt konnte er intensiv die Kultur und Sprache des Landes kennen lernen.
Er ist sportlich, kreativ und erfahren im Umgang mit verschiedenen Materialien und Geräten im handwerklichen Bereich.
Außerdem ist er begeisterter Angler und verbringt einen großen Teil seiner Freizeit in und mit der Natur.
Zusätzlich lassen sich im Bedarfsfall weitere Ergänzungskräfte hinzuziehen.

Zielgruppe
Das “Reiseprojekt Südfrankreich” richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren, die sich in einer schwierigen und unübersichtlichen Lebensphase befinden, um sich innerhalb eines erlebnispädagogischen Rahmens neu orientieren zu können.
Das Projekt ist geeignet für Jugendliche, die

  • Interesse haben, sich in der Natur aufzuhalten und motiviert werden wollen, ihre eigenen Grenzen zu erfahren, um neue Stärken zu erkennen und auszuleben.
  • eine Auszeit/ Time-out-Maßnahme suchen
  • neue Impulse für eine sinnvolle Freizeitgestaltung annehmen möchten
  • eine räumliche Distanz zur Herkunftsfamilie als Neuorientierung benötigen
  • eine Suchterkrankung bewältigen möchten
  • Störungen des Sozialverhaltens und Konflikte im Alltag aufweisen
  • mangelnde soziale Kompetenzen zeigen
  • Schulverweigerer sind
  • Aufmerksamkeitsdefizite haben
  • durch delinquentes Verhalten auffielen
  • das Angebot zur Haftvermeidung nutzen wollen

Ausschlusskriterien

  • Starke körperliche / kognitive Beeinträchtigung
  • Tierquäler
  • Brandstifter
  • Tierhaarallergiker
  • Allergie auf Insektenstiche
  • Nichtschwimmer
  • Akute psychotische Störung
  • Selbstverletzende Verhaltensweisen, welche zu einer Eigengefährdung innerhalb des Projektes führen können

Pädagogische Ziele

  • Eigenes Handeln wird reflektiert, selbstverantwortliches Handeln gestärkt
  • Handlungs- und Lösungsmöglichkeiten der Bewältigung kleiner und großer Herausforderungen/ Konflikte werden gemeinsam erarbeitet
  • Verlässlichkeit wird trainiert
  • Motivation zur sinnvollen Gestaltung der Freizeit
  • Distanz zur akuten Konfliktsituation
  • Übernahme von Verantwortung und Entwicklung von Entscheidungskompetenzen
  • Grenzen sollen erfahren und ausgebaut werden
  • Sensibilisierung auf gegenseitige Rücksichtnahme
  • Disziplin, Ausdauer und Leistungsbereitschaft wird geübt
  • Achtung von Naturkreisläufen wird gefördert
  • Verantwortungsübernahme für nachvollziehbare und überschaubare Arbeitsbereiche können erlernt werden
  • Handwerkliche Fertigkeiten wie der Umgang mit Werkzeugen werden geübt
  • Klare Arbeitsaufteilung durch präzise Absprachen und deren Einhaltung, sowie die Konzentration auf das Wesentliche soll erlernt werden
  • Verzicht auf Konsum und Ablegen medialer Abhängigkeit wird durch Vorleben gemeinsam trainiert
  • Physische Herausforderungen, wie Sport oder das Leben in der Natur werden erfahren
  • Stärkung der Selbstständigkeit und Kreativität
  • Erfolg erleben
  • Sprachbarrieren überwinden

Unter Berücksichtigung individueller Bedarfe werden gemeinsam mit dem Betreuer Ziele entwickelt, um an eine eigenverantwortliche Lebensführung herangeführt zu werden.
Auf die Fähigkeiten und Interessen wird dabei genauso geachtet, wie auf Ängste, Defizite und Problematiken.
Der Ansatz der Lebensweltorientierung und Identitätsentwicklung in der Aufarbeitung vergangener Beziehungspunkte sind Bestandteil der Arbeit.

Partizipation und Beschwerdemanagement
Entwicklungsadäquat wird der Jugendliche mit in die Reise- und Alltagsgestaltung, Wochenplanung und Freizeitgestaltung einbezogen. Das pädagogische Handeln wird mit dem Jugendlichen altersadäquat reflektiert. Er wird nach seinen Wünschen und Interessen bzgl. der Hilfeplanung befragt, welche im Entwicklungsbericht dokumentiert und im Hilfeplangespräch thematisiert werden. Zu Beginn jeder Maßnahme wird der Jugendliche über die Rolle der im Hilfeprozess beteiligten Erwachsenen informiert. Der Jugendliche hat jederzeit die Möglichkeit die Koordinatorin bzw. dem Koordinator telefonisch zu kontaktieren und erhält schriftliche Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten der Beschwerde.
Es wird zwischen dem Koordinator bzw. der Koordinatorin und dem Jugendlichen ein Vertrauensverhältnis erarbeitet und ihnen, in regelmäßig stattfindenden Einzelgesprächen, die Möglichkeit gegeben, ggfs. seine Probleme in dem Reiseprojekt zu thematisieren. Die Koordination wird bei Bedarf, Gespräche mit allen Beteiligten einfordern und dokumentieren und das belegende Jugendamt informieren.

Qualitätssicherung/ Begleitung durch den Träger
Das Reiseprojekt wird von der Koordinatorin bzw. dem Koordinator des Trägers besucht.
Die Koordinatorin/ der Koordinator gibt dem Jugendlichen Raum und Zeit Nöte, Ängste oder Sorgen mitzuteilen. Den Betreuern steht die Koordination beratend zur Seite. In Krisensituationen ist die Koordination jederzeit verfügbar, um vermittelnd tätig zu sein. Zur Qualitätssicherung werden monatlich, alle Ereignisse schriftlich in Form einer Memo festgehalten und an die Koordination weitergeleitet.
Die Betreuer nehmen regelmäßig an Fortbildungen, abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen der jeweilig aufgenommenen jungen Menschen und an Supervisionen teil, um die Qualität der Arbeit stetig verbessern zu können.

Gesetzliche Grundlage
Das “Reiseprojekt Südfrankreich” bietet ein zusätzliches Angebot im Regelhilfesystem der Jugendhilfe und richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren in besonderen Lebenssituationen.
Die Betreuung beruht auf der Rechtsgrundlage des §§ 27 i.V.m. §35 SGB VIII im Rahmen einer intensivpädagogischen 1:1 Maßnahme.
Diese pädagogisch veranlasste Hilfe verfolgt die im Hilfeplan nach § 36 SGB VIII definierten sozialpädagogischen Ziele.

Stand Mai 2019