Betreuungsstellen - Auslandsmaßnahmen

Betreuungsstelle Hermannstadt Rumänien

Betreuerin

Die Betreuerin ist Dipl. Psychologin (geb.1970) und spricht perfekt deutsch und ist seit acht Jahren erfolgreich in der Jugendhilfe tätig.
Sie arbeitet halbtags in der Diakonie der evangelischen Kirche in Hermannstadt.

Ort

Die Betreuungsstelle befindet sich im kulturellem Zentrum der Stadt Hermannstadt/Sibiu und besteht aus einer Altstadtwohnung mit einem typischen und schönen Innenhof. Hier ist der Lebensmittelpunkt von der Jugendlichen und der Betreuerin.Dies ist ein idealer Ausgangspunkt für diverse Freizeitmöglichkeiten (Fahrradfahren, Schwimmen, Reiten, Schlittenfahren, Wandern, Theater- und Musikszene, Märkte etc.) und hier findet der individuell gestaltete Alltag statt.
Für einen förderlichen und sinnvollen Alltag, der auch Freude mach-en soll, werden klare und verlässliche Strukturen im hauswirtschaft-lichen wie im schulischen und im freizeitgestalterischen Bereichen installiert.Es gibt die Möglichkeit an örtlichen deutschsprachigen Schulen am Unterricht teilzunehmen. Sollte diese Option noch nicht bzw. generell nicht in Frage kommen, hat die Jugendliche die Möglichkeit über die deutsche Fernschule FLEX mit Unterstützung der Betreuerin den Haupt- bzw. Realschulabschluss zu erarbeiten.Darauf aufbauend kann dann die Jugendliche bei ihrer Reintegration in das deutsche Heimatsystem eine Ausbildung beginnen.

Leben im Alltag

Durch das Engagement der Betreuerin als Diakoniebeauftragte der evangelischen Kirchengemeinde in Hermannstadt und durch deren vielseitigen Kontakte in der Stadt und Umgebung stehen vielfältige Ressourcen, Angebote und Einsatzbereiche für die Jugendliche zur Verfügung.
In diesem Milieu bieten sich daher für die Jugendliche auch besondere Lern- und Erfahrungsräume an, in denen auch alte biographische Belastungen einer neuen kraftvolleren Realität mit der Zeit weichen können.Ziel ist dabei immer die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen zu erweitern und dadurch eigenverantwortlich einen selbstbestimmten und sinnvollen Alltag gestalten zu können.Neben der regelmäßigen Hauswirtschaft ist die Jugendliche in der Struktur und in die alltäglichen Gegebenheiten der Betreuerin eingebunden und nimmt an den Aktivitäten der Kirche sowie der deutschen Gemeinde teil.
Soziale Kontakte innerhalb der deutschstämmigen Volksgruppe sind stark und tragfähig. Die Jugendlichen werden als vollwertiges Mitglied in die örtliche Gemeinschaft integriert, nehmen am Alltag, den Festen und traditionellen Gebräuchen teil.
Darüber hinaus entfällt das Problem der Sprachbarriere. Das erleichtert es der Jugendlichen mit der neuen Umgebung in Kontakt zu treten und macht es möglich in völlig neuen Bezügen Gruppenzugehörigkeit und vertrauensvolle Nähe zu erfahren.
Hier kann sie sich neue Werte und Normen erarbeiten, die sie eines Tages befähigen werden im sozialen Kontext unserer Gesellschaft ihren Platz zu finden und ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben zu führen.

Auch ist es jederzeit möglich ein Praktikum oder ein Volontariat durchzuführen wie zum Beispiel hier:
Die Evangelische Kirchengemeinde in Hermannstadt treibt viele soziale Projekte voran. Eines von ihnen ist das Diakoniezentrum Schellenberg. Dort werden ausgebaute und renovierte Räume des ehemaligen Pfarrhauses und diverse anderer Gebäude auf dem Gelände mietfrei an Bedürftige vergeben. Der große Pfarrgarten bietet hier eine hervorragende Gelegenheit alle dort wohnenden Leute sowie die freiwilligen Praktikanten und Mitarbeiter der Kirche mindestens dreimal die Woche in eine sinnvolle Tätigkeit einzubinden. Auf dem zwei Hektar großen Grundstück wird Landwirtschaft sowie Viehzucht (Hühner, Hasen, Schafe und Lämmchen) nach biologischen Maßstäben betrieben.
Speziell für Jugendliche, die eigentlich aus städtischen Umfeldern kommen und für die der Kontakt und die Beschäftigung mit handwerklichen Arbeiten und Tieren eine wichtige Ressource sein kann, bietet dieses Anwesen die Möglichkeit in einem vertrauten, geborgenen und authentischem Umfeld neue Lebensperspektiven aufzubauen.

Zur zeitweiligen Unterstützung in einem 2:1 Betreuungsschlüssel steht außerdem noch eine weitere Betreuerin zur Verfügung. Sie ist verheiratet und von Beruf Schauspielerin und Pädagogin.
Sie arbeitete neun Jahre lang als Schauspielerin am Gong-Theater (Theater für Kinder und Jugendliche – deutsche und rumänische Abteilung). Sie arbeitet projektbezogen an der deutschen Abteilung des Nationaltheaters Radu Stanca in Sibiu und hat eine langjährige Erfahrung als Leiterin von verschiedenen Workshops. Zusätzlich arbeitet sie noch als Lektorin an der Universität.
Das Theater, das Spiel, die Psychologie und die Erziehung von jung-en Menschen haben sie seit der Kindheit fasziniert und entsprechen dem Leitfaden ihres Werdegangs.

Der Projektverlauf

Die Aufenthaltsdauer im Projektland beträgt mindestens sechs Monate und kann individuell ausgeweitet werden. Eine Rückführung und die damit verbundene Reintegration im Heimatsystem hängt vom Entwicklungsprozess und dem allgemeinen Reifegrad der Jugendlichen ab.Ebenfalls ist die zu erwartenden Situation in Deutschland zum Zeitpunkt einer Rückführung zu berücksichtigen.

In groben Zügen kann man den Projektverlauf in drei Phasen einteilen.

  • Phase 1: Reise ab Heimatort in Deutschland nach Rumänien
    Die Route, das Fortbewegungsmittel, die Dauer etc. werden wie im Clearing Konzept ICE mit der Jugendlichen erarbeitet.
    Die Reise macht den Übergang vom Alten zum Neuen möglich. Eine Reise durch fremde Kulturen mit Urlaubscharakter bereitet die Jugendliche auf den Milieuwechsel vor. Ziel dieser Phase ist es, der Jugendlichen erste positive beziehungs- und vertrauensbildende Erfahrungen zu ermöglichen und sie soweit zu stabilisieren, dass sie sich mit Motivation und Neugier auf die neue Bezugsperson und deren neues Lebensumfeld einlassen kann.

  • Phase 2: Integration in Familie und deren Netzwerk
    Im gemeinschaftlichen Leben auf dem Lande oder in der Stadt eine sichere und attraktive Existenz zu erarbeiten und durch selbstverantwortliches Handeln die gemeinsame Lebenssituation zu verbessern, bietet der Jugendlichen ein authentisches Szenario für Lernprozesse, die für das Heranreifen und Erwachsenwerden Bedingung sind. Bisher nicht wahrgenommene Fähigkeiten wie handwerkliches Geschick, Kreativität, Belastbarkeit und Ausdauer sowie soziale Kompetenzen werden dadurch gefördert.
    Die damit einhergehende Selbsteinschätzung und Motivation werden genutzt, um erreichbare Fernziele wie Berufsausbildung oder Schulabschluss zu formulieren und entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Das kann ein Praktikum z.B. im Handwerksbetrieb sein oder auch die Aufarbeitung schulischer Defizite.

  • Phase 3: Rückkehr und Reintegration in Deutschland
    Gemeinsam wird mit der Jugendlichen, resultierend aus Phase 2, die Rückkehr und die weitere Planung in Deutschland erarbeitet. Sehr sensibel wird hier der richtige Zeitpunkt für diese Phase bestimmt. Es gilt den erlangten Motivationsschub in vollem Umfang mitzunehmen.
    Das neue Leben in Rumänien funktioniert und das neue/alte Leben in Deutschland wird eventuell noch mit Angst betrachtet.

Neben der geeigneten Betreuungsform stehen hier die berufliche sowie die schulische Planung im Vordergrund. Der Träger bietet unterschiedliche Formen der weiteren Betreuung an oder sucht gegebenenfalls andere geeignete bedarfsorientierte Settings.
Unsere Projekte dienen der emotionalen Stabilisierung und sollen die Motivation fördern, sich in Deutschland den Problemen zu stellen und sie zu bearbeiten mit dem Ziel einer Integration als nützliches und anerkanntes Mitglied der Gesellschaft.

Die Projektkoordination

Das Projekt wird von dem Koordinator planmäßig alle 4 bis 6 Wochen besucht. Bei Krisensituationen werden zur Unterstützung der Betreuer auch außerplanmäßige Projektbesuche durchgeführt.
Der Koordinator ist verantwortlich für Umsetzung der Hilfe- und Erziehungspläne, außerdem steht er den Betreuern als Coach und Supervisor zur Verfügung. Ein regelmäßiger Austausch außerhalb der Projektbesuche zwischen Koordinator und Betreuer ist gegeben.
Der Koordinator arbeitet eng mit dem zuständigen Jugendamt und den Erziehungsberechtigten zusammen. Alle Informationen aus den Projekten sowie die Entwicklungsberichte werden zeitnah an alle Beteiligten weitergeleitet.

Die fachliche pädagogische Betreuung wird außerdem durch die „Quo Vadis Projekte Rumänien“ (Stiftung) vor Ort gewährleistet.

Pädagogische Ziele

  • Identitätsfindung
  • Übernahme von Eigenverantwortung
  • Emotionale Stabilität entwickeln
  • Körpergefühl entwickeln
  • Selbstwertgefühl entwickeln
  • Erlernen lebenspraktischer Fähigkeiten
  • Akzeptans von festen und verläßlichen Strukturen
  • Förderung von Ausdauer und Motivation
  • Heranführen an Arbeit
  • sinnvolle Freizeitgestaltung
  • Bewältigung des Alltags
  • Gruppenfähigkeit fördern
  • Problemlösungsstrategien entwickeln
  • Rückführung nach Deutschland in die
  • Herkunftsfamilie, fortführende Jugendhilfe oder Verselbständigung

Projektland Rumänien

Rumänien ist eine Republik in Europa, die von der Pannonischen Tiefebene bis zum Schwarzen Meer reicht. Rumänien ist Mitglied der Vereinten Nationen und der Europäischen Union.
Das Land hat eine Fläche von 238.391 km² und seine Landschaft wird etwa zu je einem Drittel von Gebirge, Hochland und Ebene eingenommen.
Der prägende Gebirgszug des Landes sind die Karpaten. Höchster Punkt der Südkarpaten und ganz Rumäniens ist der Moldoveanu mit 2.544 m. Der bedeutendste Fluss Rumäniens ist die Donau, die über tausend km durch oder an Rumänien entlang fließt und im großen Donaudelta ins Schwarze Meer mündet. Rumänien ist zu 27 Prozent von Wald bedeckt und bietet mit über 3.400 Seen eine vielfältige und artenreiche Naturlandschaft. Hier gibt es noch Bären, Wölfe und Luchse sowie Steinadler und Mönchsgeier.
Das Klima ist gemäßigt mit maritimen und mediterranen Einflüssen.
Die jährlichen Durchschnittstemperaturen variieren innerhalb Rumäniens zwischen 11 °C im Süden und 8 °C im Norden. Im Winter betragen die durchschnittlichen Temperaturen 0 °C an der Schwarzmeerküste und -15 °C im Hochgebirge. Im Sommer steigen die durchschnittlichen Temperaturen in den tieferen Regionen des Landes auf mehr als 25 °C.
In Rumänien leben 21,5 Millionen Menschen. Davon sind die Rumänen mit 89,5 Prozent deutlich die größte Bevölkerungsgruppe des Landes. Die Ungarn stehen mit 6,6 Prozent an zweiter und die Roma mit 2,5 Prozent an dritter Stelle. Der Anteil der Deutschen liegt 0,3 Prozent, dabei handelt es sich vor allem um Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben. Landeshauptstadt ist Bukarest mit 1,9 Millionen Einwohner.
Die Amtssprache Rumäniens ist laut Verfassung Rumänisch und die häufigsten Fremdsprachen in Rumänien sind Englisch und Französisch, in Siebenbürgen auch Deutsch.
Es bekennt sich mit 86,7 Prozent der überwiegende Teil der Bevölkerung zur Rumänisch-Orthodoxen Kirche. Die Protestanten machen insgesamt 6,6 Prozent und die Muslime 0,3 Prozent der Bevölkerung aus.
Rumänien verfolgt einen demokratischen und marktwirtschaft-lichen Kurs und orientiert sich außenpolitisch am Westen.
Sibiu (Hermanstadt) ist eine Stadt in Siebenbürgen und war Kulturhauptstadt Europas 2007. Die Einwohnerzahl beträgt aktuell etwa 170.000 Einwohner.
Die Stadt gilt als zweisprachig und wird von einem deutschen Bürgermeister verwaltet. Es gibt eine deutsche Zeitung, deutsche Kindergärten, Grundschulen, mehrere Gymnasien mit deutsch als Unterrichtssprache und das pädagogische Lyzeum als Ausbildungsstätte für deutschsprachige Erzieherinnen und zukünftige Lehrer. Vorhanden sind außerdem eine evangelisch-theologische deutsche Fakultät.
Aufgrund millionenschwerer Investitionen aus Österreich und Deutschland befindet sich die Wirtschaft der Stadt seit Anfang der 2000er Jahre in einem Aufschwung. In diesem Zusammenhang befinden sich auch ca. 100 deutsche Manager (teilweise mit Familien) dauerhaft in der Stadt.
Sibiu besitzt derzeit über den modernsten internationalen Flughafen in ganz Südost-Europa, von welchem aus Direktflüge nach Stuttgart, Köln/Bonn und München angeboten werden.

Partizipation und Beschwerderecht

  • Das Kind/ der Jugendliche erfährt demokratisches Denken und Handeln. Hier wird aufgefordert, motiviert, durch mitreden, mitgestalten und mitbestimmen aktiv Verantwortung zu übernehmen. Sie sollen an eine eigenverantwortliche Lebensführung herangeführt zu werden.
  • Das Kind/der Jugendliche hat die Möglichkeit, sich kritisch bei der Koordination, dem Träger und dem Jugendamt über seine Maßnahme zu äußern. Hierzu stehen Telefon/Internet und der postale Weg ungehindert zur Verfügung.