Betreuungsstellen - Auslandsmaßnahmen



Projektstelle Türkei

Standort

Der Projektort befindet sich in Balikliova, einem kleinen Fischerdorf in der Provinz Urla im Ägäischen Meer. Er zählt 1.600 Einwohner, die von Handwerk, Fischfang und Olivenanbau leben. Der Projektort befindet sich unmittelbar am Meer. Der Flughafen Izmir liegt 60 km entfernt. Ein praktischer Arzt befindet sich im Ort, ein Krankenhaus, therapeutische Möglichkeiten, Freizeitangebote etc. sind im nahen Urla vorhanden.

Balikliova ist der Heimatort des Projektleiters. Hier lebt und arbeitet auch seine Familie. Er hat 22 Jahre in Köln als Sozialarbeiter, Diplom-Sportlehrer im Fach Boxen und als Anti-Aggressionstrainer gearbeitet. Er führte in der JVA Köln mit inhaftierten Jugendlichen Antiaggressionstraining durch und war beim Landgericht Köln mehrere Jahre als Schöffe tätig. Er lebte ungefähr 40 Jahre in Deutschland davon 25 Jahre in Köln. Seine zwei Töchter aus erster Ehe leben noch in Köln, so dass er oft Kontakt nach Deutschland hat. Vor einigen Jahren kehrte er in seinen Heimatort in der Türkei zurück.

Der Projektleiter ist mehrfacher türkischer Landesmeister im Boxen. Er boxte einige Jahre in Deutschland in der Bundesliga. Er hat Trainerlizenzen des Deutschen Amateurboxverbandes.

Er wohnt mit seiner Frau (Diplom-Pädagogin) in einem Haus mit zwei etwa 70 qm großen Wohnungen. Während er in der ersten Etage wohnt, ist die Parterrewohnung dem Jugendhilfeprojekt vorbehalten, in dem ein/eine Betreuer/in mit einem/er Jugendlichen lebt. Die Möglichkeit von Distanz und Nähe sind gegeben.

Die Wohnung als Projektstelle besteht aus einem großen Wohnzimmer und drei separaten Zimmern, einem Bad mit separater Dusche und einem Bad mit separater Toilette.

Der Projektleiter hat über ein anderes Jugendhilfeprojekt bereits mit verhaltensauffälligen Jugendlichen gearbeitet und ist nun zu Quo Vadis gewechselt. Er hat sich an seinem Heimatort und in der näheren Umgebung vernetzt, so dass er nach Bedarf Erzieher oder Erzieherinnen verpflichten kann.
Zurzeit lebt im Haus eine Betreuerin geb.1986. Sie hat eine dreijährige Ausbildung als Erzieherin und spricht perfekt Deutsch. Eine Reihe weiterer Mitarbeiter stehen ihm zur Verfügung.

Ein Vorteil des Projektes ist die Tatsache, dass Jugendliche, die in Deutschland keine Möglichkeiten zur Ausbildung haben, dort eine Reihe von Stellen für handwerkliche Praktiken, aber auch Ausbildungen haben. Kunstschmied, Bäcker, Automechaniker, Maurer, Tierarzthelfer, Koch etc. .

Darüber hinaus verfügt der Projektleiter im Ort über einen 8.000 qm großen Bauernhof mit vielen Tieren und zusätzlichen weiteren Wohnmöglichkeiten. Die kleine Tier-Farm hat 80 Hühner, etliche Truthähne, Schafe und Ziegen. Auch ein Pferd wurde angeschafft. Sollten Jugendliche für diese Art von Beschäftigung Interesse haben, gibt es auch hier Betätigungsmöglichkeiten.

Zielgruppe

Die Zielgruppe sind Jugendliche von 12 – 18 Jahre.

  • Jugendliche und junge Heranwachende, die aggressives Verhalten und erste Anzeichen zur organisierter Kriminalität zeigen
  • Jugendliche mit mangelndem Selbstvertrauen
  • Leistungsverweigerung
  • Aggressivität
  • Jugendliche mit starkem Misstrauen und Neigung zur Selbstzerstörung etc.

Nicht das Problem steht im Vordergrund, sondern die Suche nach Lösungen und die Unterstützung mit diesen Problemen umzugehen.
Wege aus der Perspektivlosigkeit und Konfliktlösungsstrategien sollen erlernt werden.

Im Vordergrund steht der Aufbau einer räumlichen und persönlichen Distanz zum früheren Milieu. Es wird bei der Identitätssuche durch den Besuch der Herkunftsfamilie in Deutschland mit pädagogischer Begleitung geholfen.

Die Persönlichkeit orientierungsloser Jugendlicher soll auch durch Ankopplung an intakte Familienstrukturen in der Türkei stabilisiert werden. Durch das Anti-Aggressionstraining und den Boxsport werden Aggressionspotentiale kanalisiert. Ein Boxsporttraingsraum mit einer Reihe von Fitnessgeräten steht zur Verfügung.

Bezugnehmend auf den Namen „die neue Brücke“ soll nach Absprache mit den Jugendämtern die Rückkehr nach Deutschland vorbereitet werden, die dann auch eng und unmittelbar mit dem Projektleiter durchgeführt wird.

Aufnahmekriterien

Das Türkeiprojekt ist geeignet für:

  • Jugendliche mit Angstblockaden und Konflikten im Alltag
  • Mit langem unzureichendem Schulbesuch
  • Jugendliche, die eine räumliche Distanz zur Herkunftsfamilie als Neuorientierung brauchen
  • Die durch delinquentes Verhalten auffielen
  • Die von Familienmitgliedern in ihrer seelischen und körperlichen Unversehrtheit bedroht werden
  • Die Erfahrungen im Suchtverhalten haben, jedoch nicht mehr akut abhängig sind
  • Die aufgrund von mehrfachen Problemfeldern eine Auszeit und einen Abstand benötigen

Ausschlusskriterien

  • Drogenabhängige und alkoholabhängige Jugendliche
  • Tierquäler
  • Stark Körperbehinderte Jugendliche

Partizipation

Die Kinder und Jugendlichen können jederzeit ihre Wünsche anbringen, z.B. was die Freizeitgestaltung betrifft oder auch Kritik äußern. Die Pädagogen fragen die Kinder und Jugendlichen regelmäßig nach ihren Wünschen und nehmen diese auch ernst und setzen sie, wenn möglich, um. Freizeitaktivitäten werden mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam geplant. Vor den Hilfeplangesprächen wird ein Entwicklungsbericht erstellt, wo je nach Alter und Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen, ebenfalls die Möglichkeit besteht, sich einzubringen und Wünsche zu formulieren. Diese werden dann im HPG gemeinsam mit dem Jugendamt besprochen.

Beschwerdemanagement

Der Koordinator der Projektstelle bietet durch die regelmäßigen Hausbesuche ein Vertrauensverhältnis für die Kinder- und Jugendlichen als unabhängiger Ansprechpartner außerhalb der pädagogischen Lebensgemeinschaft. Die Jugendlichen können sich im Einzelgespräch an ihn wenden und Wünsche sowie Befindlichkeiten vortragen. Wenn erforderlich, führt der Koordinator vermittelnde Gespräche zwischen den Kindern und Jugendlichen und den Pädagogen.