Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen



Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft Schavener Heide

Allgemeines / Zielgruppe

Die Lebensgemeinschaft ist eine kleine Einrichtung mit zwei Plätzen innerhalb einer Familie mit zwei Elternteilen/Betreuern und drei leiblichen Kindern (*2002, *2006 und *2012). Die SPLG eignet sich besonders für Kinder und Jugendliche ab dem Kindergartenalter mit Versorgungsmissständen in der Herkunftsfamilie bis hin zu Verwahrlosungserfahrungen, Bindungsstörungen, FASD, ADHS, Einschränkung der geistigen Fähigkeiten oder Behinderungen. Die aufgenommenen Kinder/Jugendliche sind in die Familie integriert. Fachliche (erzieherisch-heilpädagogischen) Kompetenzen im Umgang mit Bedürfnissen und Besonderheiten der aufgenommenen Kinder werden durch die Ausbildung der Betreuerin gewährleistet.

Ausschlusskriterien aufgrund der Rahmenbedingungen

  • starke körperliche Beeinträchtigung/Behinderung
  • Tierhaarallergien
  • hohe Gewaltbereitschaft, Tendenzen zu sadistischen Verhaltensweisen und Tierquälerei
  • Kinder und Jugendliche mit sexueller Missbrauchserfahrung
  • Kinder und Jugendliche mit sexueller Gewaltbereitschaft
  • sozial-emotionale Störungen, die das Leben innerhalb einer Familie nicht ermöglichen
  • Drogenkonsum

Standort

Die Lebensgemeinschaft ist ländlich am Fuß der Nordeifel gelegen.
Sie liegt im Kreis Euskirchen nahe der A1 und mit direkter Busverbindung nach Mechernich (Bhf.) und Euskirchen (Bhf.), von wo aus Bonn und Köln auch mit dem Regionalzug erreichbar sind. Alle Haus- und Fachärzte oder Therapeuten sind in Euskirchen oder Mechernich innerhalb von 15 Minuten erreichbar sowie zwei Krankenhäuser in diesen beiden Städten.

In direkter Umgebung befinden sich Kindergarten und Grundschule. Im Kreis sind des Weiteren Förderschule, Waldorfschule, Gymnasien und Gesamtschulen mit dem Bus erreichbar. Die „Eifeltherme Zikkurat“ ist zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar. Es gibt Sport- und Musikvereine in annähernd jedem Ort, größere Musikschulen bieten Euskirchen und Mechernich.

Im Ort gibt es einen „Tante-Emma-Laden“ und einen Bäcker. Die älteren Kinder können hier allein kleine Einkäufe erledigen. Angrenzend liegt das Naherholungsgebiet Schavener Heide, welches für Wanderungen/Spaziergänge und Fahrradtouren genutzt wird. Beliebtes Ziel sind auch der Hochwildpark Rheinland und das Freilichtmuseum in Mechernich-Kommern. Des Weiteren gibt es Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung wie Kino, Bowling, Rei-ten, Fußball- und sonstige Sportvereine, die gut – auch mit Fahrrad oder Bus – erreichbar sind.

Wohnhaus und Gelände

Das Wohnhaus hat ca. 160 qm auf drei Etagen. Jedem Kind/Jugendlichen steht ein eigenes Zimmer zur Verfügung. Küche, Bad und Gemeinschaftsräume sind im Wohnhaus integriert.

In dem Nebengebäude ist eine 2-Zimmer-Wohnung, deren beide Räume derzeit als Kunst- und Musikraum sowie Spielzimmer genutzt werden.

Auf dem großen umzäunten Hof können Kinder mit Fahrrädern, Rollern, Inline-Skates o.Ä. fahren. Im Garten haben sie die Möglichkeit zu schaukeln oder in Hängematten zu liegen, auf Bäume zu klettern, Obst zu ernten, Tiere zu versorgen oder bei der Gartenarbeit zu helfen, sofern sie Interesse daran haben. Auf dem zugehörigen Feld sind der private Spielplatz sowie die eingezäunte Weide dreier Schafe. Es gibt in der Familie noch eine dreijährige Hündin (mit Begleit- und Verkehrshundeprüfung) und einen Kater.

Betreuung/Familienleben

Fachkraft der SPLG ist die Mutter der Familie. Sie – 1980 geboren - hat das Studium zur Diplom-Heilpädagogin mit dem Schwerpunkt Erziehungshilfe und sozial-emotionale Entwicklungsförderung sowie den weiteren Bereichen Früherkennung von Behinderung und Frühförderung und Sozialpädagogik absolviert. Sie arbeitete als Frühförderin und Familienhelferin und hat sich zur Entspannungspädagogin (AT/PMR) und zur insofern erfahrenen Kinderschutzfachkraft nach §8a weitergebildet.

In der Vergangenheit hat sie Kunst- und Musikangebote sowie Entspannungstrainings für Kindergruppen angeboten. Ihre Interessen Musik, Kunst und Aktivitäten in der Natur fließen in die aktuelle Betreuungs- und Förderarbeit ebenfalls hinein.

Der Vater - 1976er Jahrgang – hat ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert, als Redakteur und freiberuflicher Journalist, Autor und Lektor gearbeitet. Derzeit macht er eine Ausbildung zum Erzieher (2016 - 2019). Außerhalb seiner Arbeitszeiten engagiert er sich stark innerhalb der Familie und spielt bei der Betreuung der Kinder eine wichtige Rolle. Seine Interessen Sport, Aktivitäten in der Natur, Geschichte und Erdkunde fließen ebenfalls in die Gestaltung der Betreuung ein.

Die Familie lebt in einem stabilen familiären Kontext, in dem beide Großelternpaare eine unterstützende Rolle spielen. Die Großeltern väterlicherseits (beide Jahrgang 1949) wohnen im Nebengebäude, das sich auf dem Gelände der Familie/SPLG befindet. Die Großeltern mütterlicherseits (*1954 und *1957) wohnen im Nebenort, in dem sich auch die Grundschule befindet.

Sie alle sind aufgrund ihrer beruflichen Situation (berentet bzw. Hausfrau) flexibel in ihrer Zeiteinteilung. Sie besuchen die Familie häufig und beschäftigen sich mit den Kindern – den Leiblichen und Aufgenommenen. Auf Wunsch können die Kinder sie besuchen und Aktivitäten in der Umgebung unternehmen.

Sie bieten ihre Hilfe auch in Form von Fahrdienst an, betreuen die leiblichen Enkel, wenn die Fachkraft/Mutter Termine mit den aufgenommenen Kindern wahrnimmt und übernehmen manchmal die Betreuung während der Abendstunden, damit das Elternpaar gemeinsam Zeit außerhalb des Hauses verbringen kann.
Gerne kommen sie zum Beispiel auch zu Schulveranstaltungen und zeigen Interesse an Vorführungen der Kinder und bieten damit eine „Ersatzgroßelternrolle“ an, sofern dies angemessen ist und die aufgenommenen Kindern signalisieren, dass sie sich dies wünschen. Auch Geburtstage und Feste werden ebenfalls von der Familie im großen Rahmen gemeinsam gestaltet und gefeiert.

Die leiblichen Kinder der Familie beschäftigen sich und spielen mit den aufgenommenen Kindern, gehen gemeinsamen Interessen nach, aber gehen mit ihnen durch Konflikte, streben deren Klärung an und sind danach weiterhin als verlässliche Geschwister/Spielpartner/Bezugspersonen da.

Um die Zeit für pädagogische Angebote und für Freizeitgestaltung nutzen zu können ist eine eine Haushaltshilfe in der SPLG von mindestens 10 Stunden pro Woche eingesetzt.

Erziehungsziele

Die Entwicklung einer Persönlichkeit mit eigenen Interessen, Ideen, Wünschen und einem positiven, realistischen Selbstbild ist eines der Erziehungsziele, die erfahrungsgemäß unterstützungsbedürftig sind.
Ausgehend von einem heilpädagogischen Ansatz gehen sämtliche Entwicklungs- und Förderbereiche einher mit einem positiven Selbstkonzept:

  • Förderung der Wahrnehmung, Körperkoordination, Handlungsplanung, Motivation und Konzentration
  • Förderung der emotionalen Kompetenzen wie das Benennen eigener Gefühle, das angemessene Äußern dieser sowie deren Regulation
  • Unterstützung der sozialen Fertigkeiten, Kontaktanbahnung, Empathie, realistische Einschätzung von Interaktionen, Umgang mit Konfliktsituationen
  • Aufbau von Vertrauen in die Beständigkeit von Beziehungen sowie Unterstützung des Aufbaus und der Pflege von
    Freundschaften
  • Verinnerlichen und Einhalten von Regeln, Erkennen von angemessenen Verhaltensweisen ohne die Notwendigkeit
    der Regulation von außen (Fernziel)
  • Alltagskompetenzen stärken sowie Eigenständigkeit entwicklungsgemäß unterstützen, zulassen und einfordern; Autonomie in der Gestaltung und Bewältigung des Alltags (Fernziel)

Erziehungsmethoden

Um Erziehungsziele umsetzen zu können, braucht es ein kontinuierliches und sicheres Beziehungsangebot. Das Verständnis seitens der Kinder und Jugendlichen für ein funktionierendes Miteinander im kleinen Familiensystem und dessen Übertragung auf größere Systeme, wie Kita, Schule, Verein, Ausbildung etc. gelingt nur über die Verknüpfung mit Emotionen. Da empathische, aber auch kognitive Fähigkeiten von traumatisierten Kindern und Jugendlichen oft eingeschränkt sind, suchen und benötigen sie überaus mehr soziale Rückversicherung bei den Bezugspersonen als andere Kinder. Ein Verständnis für erfreuliche und angemessene Verhaltensweisen und die realistische Einschätzung von Interaktionen funktioniert nur bei einer Mischung aus promptem Feedback, Äußern von eigenen Emotionen unterstützender verbalen Erklärungen und dem Aufzeigen von Konsequenzen.

Eine tragfähige positive Beziehung entsteht durch gemeinsame schöne Erlebnisse, die für die Familie als Ganzes, aber auch für die einzelnen Kindern und Jugendliche mit einzelnen Bezugspersonen geschaffen werden.

Die Kinder/Jugendlichen werden darin unterstützt, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Dabei ist es einerseits wichtig, Freude über deren positives Verhalten zu zeigen, Bemühungen und kleine Entwicklungsschritte zu loben oder sogar zu bestaunen. Andererseits ist es notwendig prompt und klar zu spiegeln, welche Verhaltensweisen unangebracht sind, weil durch diese emotionaler oder auch materieller Schaden entstehen kann, weil sie gefährlich sind etc. Dennoch gilt es immer wieder die Chance und das Vertrauen zu geben, nochmal die gleichen Situationen auszuprobieren und dann unter Berücksichtigung der Regeln und Vereinbarungen vielleicht auch bewältigen zu können.

Der strukturierte Familienalltag bietet vielfältige Möglichkeiten, die Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu entwickeln und zu stärken.

Sie erhalten einen vorgegebenen zeitlichen und räumlichen Rahmen und werden entwicklungsangemessen eingebunden. Beginnend damit sich selbst versorgen zu lernen (eigenständiges Anziehen, Zimmer in Ordnung halten, Körperhygiene), erhalten sie nach und nach Aufgaben innerhalb der Familie (Tisch mit decken, Essen vorbereiten, Tiere versorgen etc.)

Im gemeinsamen Spiel oder Aktionen draußen werden diverse Fertigkeiten ebenso gefördert wie bei den Hausaufgaben oder in Lernsituationen.

Die benötigte Anleitung und enge Begleitung werden sichergestellt, damit die Kinder und Jugendlichen sicher und mit Freude agieren und sich entwickeln können.

Elternarbeit

Für die Kinder/Jugendliche ist die Identitätsentwicklung essentiell für die Aufarbeitung der eigenen Biografie. In den Aufnahme-Hilfeplangesprächen und den weiteren HPGs wird, wenn möglich, die Kooperation mit der Herkunftsfamilie (Eltern, Geschwister) besprochen und vereinbart, so dass diese miteinbezogen wird in wichtige Entscheidungen und die Zukunftsplanung für ihr Kind. Dazu gehört auch die Regelung von Besuchs- und Telefonkontakten.

Die leiblichen Eltern können wertvolle Informationen über die Entwicklung ihres Kindes beitragen und durch eine gelungene Zusammenarbeit die weitere Entwicklung fördern. Dazu können Besuchs- und Telefonkontakte zwischen leiblichen Eltern und Kindern hilfreich genutzt werden wie auch der niedrigschwellige Austausch zwischen leiblichen Eltern und Betreuern. Im Falle unterschiedlicher Vorstellungen oder Konflikte kann die Koordination jederzeit vermittelnd und/oder beratend eingeschaltet werden.

Beschwerdemanagement

Mit einer offenen und reflektierenden Haltung der Betreuer soll den Jugendlichen ermöglicht werden, aufkommende Unzufriedenheit zu äußern und zu kommunizieren. Ziel ist es, in reflektierten Gesprächen bestehende Probleme gemeinsam zu lösen und neue Vereinbarungen zu treffen. Diese Gespräche finden fast täglich bei den gemeinsamen Mahlzeiten statt. Für eine möglichst objektive Betrachtung bestehender Probleme, wird eine neutrale Person (z.B. Koordinator) für eine konstruktive Lösung herangezogen. Außerdem haben die Kinder/Jugendlichen die Möglichkeit der Beschwerde bei den regelmäßigen 14-tägigen Besuchen des Koordinators. Sie können auch entsprechend telefonische Kontakte aufnehmen, ohne dass die Betreuer während der Telefonate zugegen sind. Ebenso steht ihnen die Möglichkeit offen, sich schriftlich oder telefonisch an Koordinator, Jugendamt, Vormund, Kontaktpersonen aus der alten Umgebung und Eltern zu wenden.

Jedes Kind/jeder Jugendliche erhält zu Beginn der Betreuung ein Informationsblatt mit seinen Beschwerdemöglichkeiten und Rechten.Grundsätzlich werden alle Beschwerden von demjenigen an den
die Beschwerde herangetragen wird, aufgezeichnet und an den QM-Beauftragten weiterleitet, der ab hier den weiteren Verfahrensgang steuert.

Partizipation

Es ist der Betreuungsstelle ein Anliegen, alle Ereignisse, Vorhaben und Entscheidungen, welche die Kinder/Jugendliche betreffen, mit diesen zu besprechen, sie an Entscheidungen zu beteiligen und im Konfliktfall zu einer möglichst einvernehmlichen und pädagogisch sinnvollen Lösung zu kommen.

Die Kinder/Jugendlichen, die in der Betreuungsstelle leben, werden über ihre Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten informiert. Sie können diese aktiv ausüben.

Das Beteiligungskonzept, die Partizipation wird vom Träger und der Leitung aktiv gefördert und unterstützt.

Im Sinne der Partizipation werden die Kinder/Jugendliche bzw. deren gesetzliche Vertreter mit Beginn der Betreuung nach ihren Zielvorstellungen und Wünschen befragt. 
Diese fließen in die Hilfeplanbesprechung mit ein. Das Ergebnisprotokoll, mit den vereinbarten Zielen, wird nach Erhalt allen Beteiligten, einschließlich den Kindern/Jugendlichen, zur Verfügung gestellt und mit ihnen nachbesprochen.
Die Betreuerin bespricht aktuelle Maßnahmen im Betreuungsalltag mit den Kindern/Jugendlichen unter Einbezug ihrer Vorstellungen, so dass diese sie möglichst verstehen können. Die Prozessverantwortung bleibt dabei bei der Betreuerin.

Der Entwicklungsbericht wird mit den Kindern/Jugendlichen besprochen

Qualitätssicherung

Im Erziehungsalltag muss permanent abgewägt werden, was der aktuelle Bedarf des Kindes/des Jugendlichen ist. Dabei gehen die Meinungen zwischen Betreuer und Jugendlichen oft auseinander. Das aktuelle Vorgehen richtet sich nach dem vordergründigen Ziel. Dieses spontan zu erkennen, ist eine besondere Herausforderung.
Die Reflexion des pädagogischen Handelns im Nachhinein ist deswegen sehr wichtig, um die Qualität der Betreuung zu gewährleisten und das Wohl und die Erziehungsziele im Blick zu behalten.

Hierzu werden die Betreuer durch den Koordinator des Trägers beraten und zusätzlich durch einen Supervisor fachlich begleitet.
Auch die dazu engen Absprachen mit Erzieherinnen der Kita und den Lehrerinnen der Schulen werden regelmäßig durch die Erziehungsstelle angeregt.

Die Qualität wird sichergestellt durch:

  • in der Regel 14tägige Besuche und Beratungsgespräche mit der Koordination vor Ort sowie bei Bedarf durch zusätzliche
    Telefonate und E-Mail-Austausch
  • • Bei Aktivitäten und Gesprächen der Kinder und Jugendlichen mit dem Koordinator außerhalb der Betreuungsstelle
  • Supervision
  • Entwicklungsberichte/ Hilfeplanung
  • Fortbildungen
  • Dokumentationen

Gesetzliche Grundlage

Das Betreuungsangebot kann auf den Grundlagen des SGB VIII nach §§ 34, 35a und 41 als Regelangebot mit einem Betreuungsschlüssel von 1:2 belegt werden.

Stand 03.08.2017