Betreuungsstellen - Auslandsmaßnahmen



Projektstelle Zypern Larnaca

Standort

Die Sonneninsel Zypern ist die drittgrößte Insel im Mittelmeer und zeichnet sich durch das subtropische Klima aus. Der Standort Larnaca befindet sich im südlichen Teil, welcher seit 2004 Mitglied der EU ist.
Amtssprache ist griechisch, wobei man englisch als Erbe der englischen Kolonialzeit als „Verkehrssprache“ bezeichnen kann.
Die Hafenstadt Larnaca ist mit seinen 54.000 Einwohnern für ihre palmengsäumte Uferpromenade bekannt und besitzt den größten Flughafen der Insel. Es gibt ein großes Angebot an Flugverbindungen nach Deutschland (auch Direktflüge). Larnaca verfügt über 2 Krankenhäuser, Ärzte verschiedener Fachrichtungen und diversen Therapiemöglichkeiten. Ein differenziertes öffentliches Schulsystem sowie englischsprachige Privatschulen sind ortsansässig. Das Unterhaltungsangebot und Freizeitangebot ist sehr vielseitig.
Umfeld und Wohnort
Das Projektwohnhaus befindet sich in Pyla, einem Vorort Larnacas. Sehr idyllisch liegt das Haus auf einem 8.800 qm großen Areal, umgeben von Feldern mit Meerblick. Es leben dort 2 Hunde und 5 Katzen, die sich auf dem großzügigen Anwesen frei bewegen. Die Tiere sind sehr sozial und suchen die Nähe zum Menschen. Nachbarn gibt es keine in der unmittelbaren Nähe. Trotz der ländlichen Umgebung sind der Strand, diverse Einkaufsmöglichkeiten und die nächste Bushaltestelle, mit regelmäßigen Verbindung nach Larnaca, fußnah zu erreichen.

Projektstelle und betreuende Personen

Das Projekthaus verfügt über 300 qm Wohnfläche. Den Jugendlichen steht im Wohnhaus ein großzügiges Doppelzimmer mit eigenem Bad zur Verfügung. Im Nebengebäude gibt es ein kleineres Einzelzimmer mit eigenem Bad und separatem Eingang. Wohnzimmer, Küche und Terrasse mit Pool werden gemeinschaftlich genutzt. Im Frühjahr, Sommer und Herbst werden die meisten Aktivitäten nach draußen verlagert. Im Haus lebt eine Sozialarbeiterin / BA (geb. 1983), als Projektleiterin und Fachkraft sowie ihr Ehemann, ein gelernter Fachinformatiker und freischaffender IT-Spezialist als weitere Betreuungskraft. Es besteht die Möglichkeit, je nach Bedarf, weitere männliche und weibliche Betreuungskräfte einzustellen.

Leistungsbeschreibung

Es wird ein Beziehungsangebot in einem familienähnlichen Setting geboten, um zwischenmenschliche Verhaltensweisen zu entwickeln und zu stabilisieren. Im Vordergrund steht der Aufbau einer räumlichen und persönlichen Distanz zum früheren Milieu.

Nicht das Problem steht im Vordergrund, sondern die Suche nach Lösungen und ressourcenorientierte Arbeit. Wege aus der Perspektivlosigkeit und Konfliktlösungsstrategien sollen erlernt werden.

Ein Schwerpunkt der Betreuungsstelle Larnaca liegt auf einem tiergestützten familienanalogen Konzept. Die Projektleiterin engagiert sich in ortsansässigen Tierschutzvereinen für Straßenkatzen und Straßenhunde. Im Wohnhaus selbst leben 2 Hunde und 5 Katzen aus dem Tierschutz. Der Jugendliche hat die Möglichkeit, sich bei der Versorgung und der Betreuung der Tiere einzubringen und somit Schritt für Schritt Verantwortung zu übernehmen. Automatisch entsteht eine Tagesstruktur. Jugendliche, die sich eher zurückziehen, können zu Aktivitäten rund um das Tier motiviert werden. Ferner agieren Tiere als „Eisbrecher“, das gemeinsame Interesse am Tier verbindet Betreuer und Jugendliche. Ferner stärkt die bedingungslose Zuwendung eines Hundes oder einer Katze das Selbstbewusstsein.

Ein erlebnispädagogisches Konzept mit Sport, als festen Bestandteil des Alltages, wird angeboten. Die 1000 Meter entferne Surfschule bietet nahezu ganzjährig die Möglichkeit des Windsurfens. Die Bedingungen am Strand sind auch für Anfänger geeignet. Windsurfen ist eine Wagnissportart, die Bewegungsvielfalt und Körpergefühl fördert. Bereits nach wenigen Trainingsstunden lassen sich spürbare Erfolge auf dem Wasser erzielen. Das natürliche Zusammenspiel von Wind und Wellen sind erlebbar und vermitteln ein Freiheitsgefühl. Außerdem besteht die Möglichkeit einen ortsansässigen Box Club zu besuchen. Im Gruppentraining oder im Einzeltraining werden Aggressionspotentiale minimiert und kanalisiert. Förderung des Selbstwertgefühles und mentale Stärke sind zentrale Elemente des Boxtrainings.

Das zentrale Augenmerk der Arbeit liegt auf der Förderung einer zielgerichteten persönlichen und beruflichen Perspektive. Ein medienpädagogischer Ansatz soll dabei helfen.

Eine mediale Ausstattung wie Filmkamera, Tonaufnahmegeräte, Schnittprogramme und Computer sind vorhanden, so dass der Jugendliche die Möglichkeit hat, seiner Kreativität, durch die Produktion von kleinen Videos oder Musikstücken, Ausdruck zu verschaffen.

Psychiatrische Versorgung

In unmittelbarer Nähe zum Projektort befindet sich die neurologische und psychiatrische Klinik VeresiesClinic. Nach bereits mündlicher Vorsprache kann bezüglich der medikamentösen Behandlung kooperiert werden. Ebenso besteht das Angebot einer Psychotherapie.

Zielgruppe

  • • Jugendliche von 12 - 18 Jahren
  • Jugendliche und junge Heranwachende, die aggressives Verhalten und erste Anzeichen zur organisierter Kriminalität zeigen
  • Jugendliche mit mangelndem Selbstvertrauen
  • Jugendliche mit Leistungsverweigerung
  • Aggressivität
  • Jugendliche mit starkem Misstrauen und Neigung zur Selbstzerstörung

Aufnahmekriterien
Das Zypernprojekt ist geeignet für Jugendliche:

  • mit Angstblockaden und Konflikten im Alltag
  • mit langem unzureichendem Schulbesuch
  • die eine räumliche Distanz zur Herkunftsfamilie als Neuorientierung brauchen
  • die durch delinquentes Verhalten auffallen
  • die von Familienmitgliedern in ihrer seelischen und körperlichen Unversehrtheit bedroht werden
  • die Erfahrungen im Suchtverhalten haben, jedoch nicht mehr akut abhängig sind
  • die aufgrund von mehrfachen Problemfeldern eine Auszeit und einen Abstand benötigen

Ausschlusskriterien

  • akut drogenabhängige und alkoholabhängige Jugendliche
  • Tierquäler
  • Jugendliche mit Tierhaaralergie
  • stark körperbehinderte Jugendliche

Partizipation

Es ist der Betreuungsstelle ein Anliegen alle Ereignisse, Vorhaben und Entscheidungen, welche die Jugendlichen betreffen, mit diesen zu besprechen, sie an Entscheidungen zu beteiligen und im Konfliktfall zu einer möglichst einvernehmlichen und pädagogisch sinnvollen Lösung zu kommen.

Die Jugendlichen, die in der Betreuungsstelle leben, werden über ihre Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten informiert. Sie können diese aktiv ausüben.

Im Sinne der Partizipation werden Jugendliche bzw. deren gesetz-liche Vertreter mit Beginn der Betreuung nach ihren Zielvorstellungen und Wünschen befragt. Diese fließen in die Hilfeplanbesprechung mit ein. Das Ergebnisprotokoll mit den vereinbarten Zielen wird nach Erhalt allen Beteiligten, einschließlich der Jugendlichen, zur Verfügung gestellt und mit ihnen nachbesprochen.

Der Betreuer bespricht aktuelle Maßnahmen im Betreuungsalltag mit den Jugendlichen i.d.R. bei den gemeinsamen Mahlzeiten unter Einbezug ihrer Vorstellungen, so dass diese sie möglichst verstehen können. Die Prozessverantwortung bleibt dabei bei dem Betreuer. Der Entwicklungsbericht wird mit den Jugendlichen besprochen.

Beschwerdemanagement

Mit einer offenen und reflektierenden Haltung der Betreuer soll den Jugendlichen ermöglicht werden, aufkommende Unzufriedenheit zu äußern und zu kommunizieren. Ziel ist es, in reflektierten Gesprächen bestehende Probleme gemeinsam zu lösen und ggf. veränderte Vereinbarungen zu treffen. Für eine möglichst objektive Betrachtung bestehender Probleme, wird eine neutrale Person (z.B. Koordinator) für eine konstruktive Lösung herangezogen. Außerdem haben die Jugendlichen die Möglichkeit der Beschwerde bei den regelmäßigen, 14-tägigen Besuchen des Koordinators. Sie können auch entsprechend telefonische Kontakte aufnehmen, ohne dass die Betreuer während der Telefonate zugegen sind. Ebenso steht ihnen die Möglichkeit offen, sich schriftlich oder telefonisch an Koordinator, Jugendamt, Vormund, Kontaktpersonen aus der alten Umgebung und Eltern zu wenden.

Ein transparenter Austausch mit dem zuständigen Sachbearbeiter des Jugendamtes ist erwünscht. Die Jugendlichen kennen ihre Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten und können diese aktiv ausüben.

Jeder Jugendliche erhält zu Beginn der Betreuung ein Informationsblatt mit seinen Rechten, analog zum Hauptkonzept des Trägers.

Qualitätssicherung

Im Erziehungsalltag muss permanent abgewägt werden, was der aktuelle Bedarf der Jugendlichen ist. Dabei gehen die Meinungen zwischen Betreuer und Jugendlichen oft auseinander. Das aktuelle Vorgehen richtet sich nach dem vordergründigen Ziel. Dieses spontan zu erkennen, ist eine besondere Herausforderung.

Die Reflexion des pädagogischen Handelns im Nachhinein ist deswegen sehr wichtig, um die Qualität der Betreuung zu gewährleisten und das Wohl und die Erziehungsziele im Blick zu behalten. Hierzu werden die Betreuer durch den Koordinator des Trägers beraten und zusätzlich durch einen Supervisor fachlich begleitet. Auch die dazu engen Absprachen mit den Lehrkräften der Schulen oder Ausbildungsleitern werden regelmäßig durch die Betreuungsstelle angeregt.

Die Qualität der Arbeit wird sichergestellt durch:

  • In der Regel 14-tägige Besuche und Beratungsgespräche mit der Koordination vor Ort, sowie bei Bedarf zusätzliche Telefonate
  • Bei Aktivitäten und Gesprächen der Kinder und Jugendlichen mit dem Koordinator außerhalb der Betreuungsstelle
  • Austausch mit dem zuständigen Jugendamt
  • Entwicklungsberichte/ Hilfeplan
  • Kollegiale Supervision bzw. Einzelsupervision
  • Austausch mit anderen Betreuungsstellen von QuoVadis-Jugendhilfe
  • Fortbildungen
  • Dokumentation

Stand Februar 2018